wilde Farm, die

Es ist erfrischend, einen Tierfilm zu sehen, in dem es nicht um hyperexotische Tiere geht, die in abgelegenen Regionen der Welt hausen, sondern um ganz gewöhnliche Tiere auf einem ganz gewöhnlichen Bauernhof. Rund um Pferde, Schweine, Hühner und anderes Getier bauten Dominique Garing und Frederic Goupil ihren Film, der eine etwas gewöhnungsbedürftige Mischung aus Fakt und Fiktion ist.

Webseite: www.die wildefarm-derfilm.de

Frankreich 2010
Regie: Dominique Garing, Frederic Goupil
Drehbuch: Frederic Goupil, Dominique Garing
Doku-Fiktion
90 Minuten
Verleih: polyband Medien
Kinostart: 9. September 2010
 

PRESSESTIMMEN:

Eine liebevolle Doku-Fiktion… Vor allem kindgerecht, aber auch für Erwachsene nicht zu infantil.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Ein Bauernhof, irgendwo in Frankreich. Als eines Tages der alte Bauer krank wird, übernehmen die Tiere das Regime. Schweine suhlen sich im Gemüsegarten, Rinder unternehmen Ausflüge in die umliegenden Wälder und die Mäuse tanzen auf dem Tisch. Allerdings hat nun auch die Katze freie Bahn und kann sich unbesorgt über Hühner und anderes Federvieh hermachen. Das bemüht sich derweil ein paar Körner zu finden und einen ruhigen Platz zur Brut aufzutreiben. Währenddessen vergnügen sich zwei Pferde auf der Wiese und die Hoftiere machen Erfahrungen mit ihren wilden Artgenossen: Schweine treffen auf Wildschweine, Haushund trifft auf Wildhund, das Geflügel dagegen, muss sich gegen den Fuchs zur Wehr setzen, der nun freie Bahn zur Jagd hat. Doch die Freiheit währt nicht lang: Die Kinder des Bauern übernehmen den Hof und bringen diverse neue Tiere mit. Nun heißt es für die alteingesessenen sich mit den Neuankömmlingen zu beschäftigen, sich um Futter und besten Schlafplatz streiten.

Nach Jahren in denen sich Dokumentarfilme an immer exotischere Lebewesen, an immer abgelegenere, unwirtlichere Drehorte gewagt haben, bezeichnet „Die wilde Farm“ einen willkommenen Schritt zurück. Schließlich sind auch eigentlich ganz gewöhnliche Hof- und Haustiere faszinierende Lebewesen, über die es viel zu berichten gibt. Abgesehen davon bekommt ein modernes Stadtkind natürlich ebenso selten eine Kuh oder ein Schwein zu Gesicht, wie eine mittelamerikanische Riesenschildkröte oder eine asiatische Königskobra. Stoff genug also für einen informativen Dokumentarfilm, der sich mehr oder weniger kritisch mit der Tierhaltung auseinandersetzt, die Grundlage der westlichen Essensgewohnheiten ist.

Doch so einfach (und potentiell trocken) wollten es sich die französischen Regisseure Dominique Garing und Frederic Goupil nicht machen. Stattdessen inszenieren sie die Tiere in einer mal mehr, mal weniger losen Narration, lassen sie Abenteuer erleben und kleine Probleme bewältigen. Vor allem mittels der Erzählerstimme – die in der deutschen Fassung von Luise Bähr gesprochen wird, die sich vor Niedlichkeit kaum einkriegen mag – wird fortwährend suggeriert, was für ein tolles, aufregendes Leben die Tiere auf dem Hof doch führen. Nur manchmal wird die verklärte, heile Welt, die der Film kreiert, durch den Mensch gestört, aber auch der Abtransport der kleinen Ferkel zur Mästerei wird nur nebenbei erwähnt, von anderen Folgen der noch so umsichtigen Tierhaltung ganz zu schweigen.

Ein merkwürdiger Hybridfilm ist „Die wilde Farm.“ Einerseits der Versuch einen authentischen, dokumentarischen Blick auf einen Bauernhof zu werfen, andererseits die durch die narrative Struktur unvermeidliche Vermenschlichung der Tiere. Einerseits ein gelegentliches Erwähnen der Unbarmherzigkeit und Brutalität der Tierwelt, andererseits ein verklärtes, verharmlostes Bild der Tierhaltung. Fraglos ein interessanter Film, aber in vielerlei Hinsicht auch ein unausgegorener, problematischer.

Michael Meyns