Der letzte Kinofilm aus dem Hause Laika Studios war vor sieben Jahren „Mister Link“. Schon kurz danach begann die Produktion von „Wildwood“, die auf dem Kinderroman von Carson Ellis basiert und sechs Jahre in Anspruch nahm. Da überrascht nicht, ist der 140 Minuten lange Film doch das Stop-Motion-Opus schlechthin. Eine derartige Bilderkraft, aber auch eine erzählerische Tiefe und epischen Ansatz hat man so in dieser Form noch nie gesehen.
Über den Film
Originaltitel
Wildwood
Deutscher Titel
Wildwood
Produktionsland
USA
Filmdauer
139 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Travis Knight, Arianne Sutner, Samuel Wilson
Regisseur
Travis Knight
Verleih
capelight pictures OHG
Starttermin
05.11.2026
Prue soll auf ihren Baby-Bruder aufpassen, aber eine Schar von Krähen entführt ihn und bringt ihn über die Brücke – hinein in die unpassierbare Wildnis. Kein Mensch wagt sich dorthin, Prue hat aber keine Wahl und erhält Hilfe von dem Jungen Kurtis. Sie begeben sich in ein magisches Reich, in dem eine böse Gouverneurin Krieg über das Land bringen will, weil sie den Tod des eigenen Sohns nie verwunden hat. Schon bald geht es nicht mehr nur darum, den Bruder zu retten, sondern auch diese magische Welt der Wildnis.
Laika Studios arbeitet mit klassischer Stop-Motion-Technik, das heißt Puppen werden von Hand Bild für Bild bewegt, sodass am Ende Bewegung herauskommt, wenn man die Bilder ablaufen lässt. Aber aufgrund der Größe der Produktion – an einem Punkt kämpfen Hunderte Figuren auf einem Schlachtfeld gegeneinander – war auch eine Kombination mit Computeranimation vonnöten. Zudem wurde bei den Gesichtsausdrücken nicht daraufgesetzt, mit Knete gestaltete Gesichter zu verformen. Stattdessen werden die Gesichter am Computer animiert und per 3-D-Druck ausgedruckt und Frame für Frame eingesetzt. Die ausgedruckten Gesichter – in obere und untere Hälfte unterteilt – wurden dann mit Magneten an den Figuren angebracht. Das Ergebnis ist das Gefühl echter Puppen, aber auch visueller Bombast, der mit reiner Stop-Motion gar nicht nötig gewesen wäre. „Wildwood“ ist technisch ein Meilenstein – kaum vorstellbar, dass dies nicht der Gewinner des Oscars für den besten Animationsfilm im nächsten Jahr sein wird.
Aber auch die Geschichte hat es in sich, da sie über eine erstaunlich lange Zeit wirklich mitreißt. Das Märchenhafte der Geschichte trägt alles, die Figuren sind phantasievoll und interessant gestaltet und die Welt dieser magischen Wälder öffnet sich dem Zuschauer immer weiter, akzentuiert von einer mitreißenden Musik – gerade auch bei den Actionszenen.
Das Buch richtet sich an Kinder, beim Film fragt man sich ein wenig, wer die Zielgruppe sein soll. Die FSK hat die Freigabe noch nicht erteilt, die Trailer waren jedoch ab 12. Da der Film ein paar durchaus gruselige Momente hat und das Grundthema des Verlusts emotional wirkt, wird der Film wohl auch nicht weniger haben. Zudem wäre die immense Laufzeit für kleine Kinder ohnehin zu viel. Aber sind Teenager und Erwachsene wirklich das Publikum, das in einen Animationsfilm geht – egal, wie gut er auch ist? Das ist die Frage, die „Wildwood“ Anfang November beantworten wird müssen. Ein großes Publikum hat er verdient, ist dies doch ein brillanter Fantasy-Film, der – wäre er als Realfilm umgesetzt – überhaupt kein Problem hätte, die Leute ins Kino zu locken. So bleibt die Hoffnung, dass die Neugier auf die Geschichte, aber auch die technische Darbietung überwiegt. Denn „Wildwood“ ist normaler Animation in jeder Beziehung überlegen. Die Bilder sind enorm plastisch, weit mehr, als das klassischem Zeichentrick oder Computeranimation möglich wäre, zugleich aber auch sehr flüssig und glatt – nicht so ruckelnd, wie das früher bei Stop-Motion noch der Fall war.
„Wildwood“ ist ein großes Fantasy-Märchen mit Emotion, Pathos und großen Momenten. Es schreckt auch nicht davor zurück, allem Humor zum Trotz die Schlachten erstaunlich hart darzustellen. Einer der besten Filme des Jahre.
Peter Osteried







