Wo ist Fred?

Von den Amis ist man geschmacklose und auf Minderheiten zielende Komödien ja gewohnt. Bei „Wo ist Fred?“ handelt es sich nun um eine, die im Mutterland des Trashhumors mangels Finanzierung nicht zustande kam. Leicht verändert geht das amerikanische Script nun in einer deutschen Vorlage auf – sonderlich einfallsreich gibt die sich jedoch nicht. Als angeblich Behinderter versucht Til Schweiger darin, sich Vorteile auf Kosten wirklich Behinderter zu verschaffen und hat reichlich zu tun, seine falsche Identität zu wahren. Immerhin erweist sich Schweigers Figur Fred am Ende als lernfähig.

Webseite: www.senator.de

Deutschland 2006
Regie: Anno Saul
Darsteller: Til Schweiger, Jürgen Vogel, Alexandra Maria Lara, Christoph Maria Herbst u.v.a.
107 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 16.11.06

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Schuld an allem ist der vorlaute Rotzbengelsohn von Freds Verlobter. Weil der unbedingt einen handsignierten Basketball seines Lieblingsspielers zum Geburtstag haben will, schleust sich Bauarbeiter Fred (Til Schweiger) als stummer Rollstuhlfahrer zu Spielen der Basketballhelden von Alba Berlin auf die Behindertentribüne der Sporthalle ein. Was er nicht ahnt: dort wird gerade ein Imagefilm über das soziale Engagement des Vereins gedreht – und ehe sich Fred versieht, ist er mittendrin im Blickfeld von Werbefilmerin Denise (wie gehabt rehäugig: Alexandra Maria Lara). Zähneknirschend fügt er sich in sein Schicksal, immer wieder müssen er und sein als Pfleger auftretender Kollege (Jürgen Vogel) scharfe Kurven fliegen, um den Schein zu wahren. Dass sich die Jungregisseurin in Fred verliebt und Rollstuhlfahrer Ronnie (Christoph Marie Herbst) dem Schwindel auf der Spur ist, macht die Sache für Fred nicht leichter.

Zwar beteuern Regisseur Anno Saul („Kebab Connection“), Produzent Philip Voges und Hauptakteur Schweiger, hier keine Witze auf Kosten Behinderter zu reißen, die Bilder aber sagen anderes. Ok, wirklich zu Schaden kommen die tatsächlich behinderten Figuren nicht, teils lachen die ja auch über sich selbst („Suupi!!“). Lustig über die auf fremde Hilfe angewiesenen Menschen macht sich der Film aber doch. So heuchelt eine Heimleiterin Fürsorglichkeit vor, dient die Imagekampagne dem intriganten Marketingchef (Pasquale Aleardi) als Karrieresprungbrett oder gehören beim Wohlstandssohn Worte wie „Spasti“ und „Behindi“ zum Standardvokabular. Nicht zuletzt ist ja die Figur des falschen Rollstuhlritters auch darauf angelegt, sich auf Kosten von Behinderten Vorteile zu verschaffen.

Bestimmt ist es in Ordnung, dieses gesellschaftliche Fehlverhalten anzuprangern, Fred zeigt sich am Ende ja auch einsichtig und lässt die zickige Verlobte (Anja Kling) mitsamt ihrem verzogenen Sohn sitzen. Wie banal, billig und scheinheilig das von den US-Autoren Cinco Paul und Ken Daurio (auf ihr Konto ging auch das Script der Tim Allen-Komödie „Santa Clause 2 – Eine schöne Bescherung“) entwickelte und von Bora Dagtekin („Türkisch für Anfänger“) weiter ausgearbeitete Drehbuch aber tut, ist ein Armutszeugnis. Zudem sind unter die Kategorie Slapstick gestellte Aktionen wie Frontalcrashs mit dem Rollstuhl oder in den Fuß gejagte Nadeln zur Feststellung von Reflexen zwar typisch für den Sarkasmus solcher Comedys, leider aber auch überdreht, peinlich und wenig originell, und Verwechslungsszenen wie Schweigers Doppelrolle als Zwillingsbruder in einem Restaurant zitieren letztlich auch nur aus Filmklassikern wie „Mrs. Doubtfire“. Auf welchem Niveau sich die lausige Komödie bewegt, zeigen zudem die von Jürgen Vogels Figur Alex grinsend vorgebrachten Bemerkungen über Frauenärsche und Flachlegen. Niemand wird den in dieser Comedy herumalbernden Personen absprechen, sie hätten reichlich Spaß beim Dreh gehabt – beim Zuschauer jedenfalls stellt sich dieser Spaß nicht ein. Vermutlich, weil „Wo ist Fred?“ eben alles andere als komisch, sondern erschreckend tragisch ist.

Thomas Volkmann