Als unbegleitete Flüchtlinge kamen die Teenager Majd und Shahfaisal nach Deutschland, der eine aus Syrien, der andere aus Afghanistan und suchen hier ihren Platz in der Gesellschaft. Nicht viel älter als seine beiden Protagonisten ist Regisseur Marvin Menné, der das Duo in seinem ersten längeren Dokumentarfilm „Wohin mit mir?“ voller Empathie beobachtet, dabei seinen Blick eher auf das kleine, persönliche, als das große Ganze richtet.
Über den Film
Originaltitel
Wohin mit mir?
Deutscher Titel
Wohin mit mir?
Produktionsland
DE
Filmdauer
79 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Marvin Menné
Regisseur
Marvin Menné
Verleih
Drop-Out Cinema eG
Starttermin
01.10.2026
Als „UmA“ werden im schönsten, unpersönlichen deutschen Bürokratiesprech so genannte „unbegleitete minderjährige Ausländer“ bezeichnet, unter 18jährige, die ohne Elternteil nach Deutschland kommen und Schutz suchen. Gerade im Zuge der letzten größeren Flüchtlingswelle kamen viele minderjährige Geflüchtete aus den Krisenregionen des Nahen und Ferneren Ostens, aus Syrien oder Afghanistan.
Zwei davon sind die Protagonisten von „Wohin mit mir?“, einem ruhig beobachtenden Dokumentarfilm von Marvin Menné. Von Januar bis Juli 2024 hat er Majd aus Syrien und Shahfaisal aus Afghanistan begleitet und zeichnet ein emphatisches Porträt von einem Leben, das irgendwo am Rand der deutschen Gesellschaft stattfindet, teilweise in ihr, eingebunden in die Institutionen des Staates, aber doch auch draußen, mit der ständig drohenden Gefahr der endgültigen Abschiebung.
Majd und Shahfaisal leben in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete, gehen zur Schule, werden von engagierten Sozialarbeitern betreut und beraten. „Integration ist das wichtigste!“ heißt es da immer wieder, wenn den Teenagern versucht wird zu erklären, wie sie es vielleicht schaffen können, einen festen Aufenthaltstitel in Deutschland zu erlangen.
Kontakt in die Heimat liefert das Smart Phone, das ansonsten dazu dient, was wohl alle Teenager damit machen: Daddeln, Videos schauen, hier besonders Clips von Cristiano Ronaldo, dem Idol, dem auch auf dem Sportplatz nachgeeifert wird. Ein ganz normales Aufwachsen, einerseits, denn nicht nur die Sprache steht einer tieferen Integration im Wege, auch die unbestimmten Zukunftsaussichten belasten die Teenager.
Sich in der verwickelten deutschen Bürokratie zurechtzufinden ist keine leichte Aufgabe, selbst wenn man Jurist ist und perfekt Deutsch spricht. Hin und her gehen die Verfahren, unzählige Papiere wollen eingereicht werden, Belege dafür, dass etwa Majds Vater in der syrischen Armee war, der Sohn deswegen besonders gefährdet und schutzbedürftig ist. Doch wo sollen solche Belege in einem Land herkommen, in dem Jahrelang ein Bürgerkrieg tobte?
Doch auch hier wissen Helfer und Berater Lösungen, wissen was in Gesprächen mit den Behörden zu sagen ist, um die Chancen auf Asyl zu erhöhen. Unfreiwilligerweise wirken solche Szenen wie Wasser auf den Mühlen der Asylrechtskritiker- oder Gegner, die manchmal zu Recht, oft zu Unrecht behaupten, dass Flüchtlinge bewusst ihre Papiere wegschmeißen, sich Lügengebilde zurechtlegen, um sich Asyl zu erschleichen. Hier rächt sich ein wenig, dass sich Marvin Menné komplett auf seine beiden Protagonisten konzentriert, die politischen und gesellschaftlichen Ebenen der ganzen Asyl- und Migrationsthematik außen vor lässt.
In „Wohin mit mir?“ besteht keinerlei Zweifel daran, dass Flüchtlinge wie Majd und Shahfaisal ein Recht auf Aufenthalt in Deutschland haben, Kritik an den Formen des aktuellen Asylrechts, die inzwischen beileibe nicht nur von Rechts kommt, bleiben außen vor. So sieht man zwei exemplarische Flüchtlinge, die sich um Integration bemühen, die versuchen, die Sprache zu lernen und einen Ausbildungsplatz zu erhalten, bevor sie 18 werden, denn das würde ihnen die Duldung ermöglichen. Reibungslos verläuft allerdings auch dieser Prozess nicht, ein Jahr nach Ende der Dreharbeiten befinden sich die beiden Teenager immer noch in einem rechtlichen Limbo, leben in Deutschland, ohne wirklich hier sein zu dürfen. Die Mühlen der Bürokratie bewegen sich nur langsam.
Michael Meyns







