Wolkig mit Aussicht auf Fleischbaellchen

Ein irres Konzept und atemberaubende Animationsbilder machen dieses Regiedebüt zu einem der besten Hollywood-Filme der letzten Jahre. Vordergründig ein Kinderfilm, lässt sich die Geschichte um einen jungen Erfinder, der Essen regnen lässt, auch als Kritik am Konsumwahnsinn und der Maßlosigkeit unserer Zeit lesen. Vor allem aber ist „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ eine bildgewaltige, überaus witzige und originelle Komödie.

Webseite: www.fleischbaellchen.de

USA 2009
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Drehbuch: Phil Lord, Christopher Miller
Musik: Mark Mothersbaugh
Animationsfilm
Länge: 90 Minuten
Verleih: Sony
Kinostart: 28. Januar 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die kleine Insel Swallow Falls liegt mitten im Atlantik, versteckt unter dem „A“, also so weit abgelegen wie es nur geht. Das Leben dreht sich um Sardinen, die gekocht, frittiert, geröstet, eingelegt und in jeder anderen erdenklichen Weise zubereitet das einzige Nahrungsmittel der Bewohner sind. Kein Wunder also, dass der junge Erfinder Flint sein Talent bald dem Nahrungsproblem widmet. Dummerweise gelingt es Flint zwar, die tollsten Dinge zu erfinden – fliegende Ratten etwa – doch die Nebenwirkungen bedenkt er meist nicht.

Seit dem Tod der Mutter lebt Flint mit seinem Vater allein und kämpft um Anerkennung, die ihm bald den Kopf verdrehen wird. Denn er erfindet eine Maschine, die aus Wasser Essen fabriziert. Wie ein Satellit schwebt der kleine Apparat über den Wolken und lässt sich per Computer bedienen: Kaum hat man eine Bestellung aufgegeben, regnet es Essen. Cheeseburger fallen vom Himmel, Süßigkeiten, Eis, das sich wie Schnee auf den Häusern verteilt. Mit einem Mal ist Flint der Held der Stadt, plant der sinistere Bürgermeister großes für seine Insel. Nachrichtenteams aus aller Welt berichten über die Ereignisse, darunter die Wetterfee Sam, die Flints weibliches Gegenbild ist. Eine Burg aus Wackelpudding baut Flint ihr einmal, ein atemberaubendes Bild in einem Film voller atemberaubender Bilder.

Doch es kommt wie es kommen muss. Die Maschine beginnt sich zu verändern, das vom Himmel fallende Essen wird immer größer, tablettgroße Steaks, armgroße Hotdogs werden bald zu einer Bedrohung für Leib und Leben – und dann ist da ja noch der stetig anwachsende Müllberg aus all den Essensresten, der nur von einem brüchigen Staudamm zurückgehalten wird.

Die Kinderbuchvorlage, aus der Phil Lord und Christopher Miller ihren ersten Spielfilm gemacht haben, ist gerade mal 30 Seiten lang. Die Grundmotive des Buches bauen die Regisseure zu einer Geschichte aus, die offensichtlich als Konsumkritik intendiert ist, deren moralische Ansätze aber nie überhand nehmen. Ja, Flint lernt im Verlauf des Films seine Lektionen, lernt Demut und die Kraft der Familie und des Zusammenhalts kennen, vor allem aber erlebt er ein großes Abenteuer. So wie der Zuschauer, der – nicht zuletzt in der 3D-Version des Films – Bilder zu sehen bekommt, wie man sie im Kino noch nicht gesehen hat: Ein Tornado aus Spagetti, kampflustige Gummibärchen, eine Lawine aus Essensresten. Allein diese visuelle Originalität würde „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ aus der Masse der Filme herausheben. Ein richtig guter Film wird er aber dadurch, dass er sich nicht auf die Kraft der Bilder verlässt, sondern eine witzige Geschichte mit liebenswerten Charakteren und einer Unzahl origineller Einfälle erzählt. Schade, das Hollywood solche Klasse nicht öfter gelingt.

Michael Meyns

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