Zweier ohne

Schon sein erster Kinofilm basierte auf einer Erzählung von Dirk Kurbjuweit, nun verfilmt Jobst Christian Oetzmann erneut ein Werk des Autors. „2er Ohne“ ist ein gut gespieltes und gefilmtes Drama um zwei Jugendliche, die eine intensive Freundschaft erleben. Die besonders anspruchsvolle Ruderklasse "2er ohne" (Steuermann) fungiert dabei als passende Metapher für zwei Menschen, die eins werden wollen und gerade dadurch ihre Unterschiede feststellen.

Webseite: stardust-filmverleih.de

Deutschland 2008
Regie: Jobst Christian Oetzmann
Buch: Jobst Christian Oetzmann nach der Novelle von Dirk Kurbjuweit
Darsteller: Tino Mewes, Jacob Matschenz, Sophi Rogall, Peter Harting, Lena Stolze, Alexandra Schalaudek
93 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope)
Verleih: Stardust Filmverleih
Kinostart: 16. Oktober 2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Johann (Timo Mewes) und Ludwig (Jacob Matschenz) sind Außenseiter wie sie im Buche stehen. Während Johann der introvertierte, nachdenkliche Typ ist, ist Ludwig extrovertiert und risikofreudig. Eigentlich passen sie also nicht wirklich zueinander, dennoch werden sie schnell unzertrennlich. Beide leben bei ihren alleinerziehenden Eltern, Johann bei seiner Mutter, Ludwig bei seinem Vater in einem Hof an merkwürdiger Stelle, genau unter einer nie fertig gestellten Autobahnbrücke. Im Volksmund heißt sie Selbstmordbrücke, aus offensichtlichem Grund. Einmal, als Johann bei Ludwig übernachtet, weckt der ihn nachts und führt ihn nach draußen, zu einer Leiche, einem Mann, der gerade seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Ludwigs Faszination mit dem Tod, seine oft lebensmüde wirkenden Aktionen, beunruhigen Johann, doch die Faszination überwiegt.

 

Dass Ludwig schwerwiegende Probleme hat, erfährt Johann nach und nach. Besonders der Tod der Mutter belastet ihn und sein Verhältnis zu Vater und der Schwester Vera (Sophie Rogall). Zwischen ihr und Johann entwickelt sich bald eine zarte Beziehung, die zunächst hinter Ludwigs Rücken abläuft. Aus gutem Grund, denn mehr und mehr wird sein Verhalten erratisch, immer aggressiver verhält er sich gegen seine Umwelt und auch den Rudersport nimmt er nicht mehr ernst. Vor allem dieser war es, der aus den beiden unterschiedlichen Freunden eine Einheit gemacht hat. Es ist eine gelungene Metapher für diese komplizierte Freundschaft, die im Film zu eindrucksvollen Bildern von kraftvoll über das Wasser gleitenden Booten genutzt wird. Im Rudersport gilt der 2er Ohne als besonders schwierige Disziplin, da jeder der beiden Ruderer nur einen Riemen zieht, der eine auf der linken, der andere auf der rechten Seite. Ist nun einer stärker, gibt es geringste Abweichungen im Bewegungsablauf, kommt das Boot vom Kurs ab. Zumal es keinen Steuermann gibt, der eine ausgleichende Funktion ausübt. Diese Rolle bleibt in der Geschichte von Johann und Ludwig unbesetzt, andere Freunde haben sie nicht, die Eltern bleiben weitestgehend ratlos im Hintergrund und Vera wird von Ludwig als Störfaktor empfunden.

Es sind vor allem die beiden jungen Hauptdarsteller, die dem Film seine Kraft geben. Tino Mewes und Jacob Matschenz spielen mit großer Natürlichkeit und Überzeugung und lassen auch das gelegentliche Abdriften des Drehbuchs ins allzu melodramatische Vergessen. Darüber hinaus sorgt das gute Auge von Kameramann Tomas Erhart Auge für eindrucksvolle Bilder, die aus einer Geschichte, die man auf ähnliche Weise auch im Fernsehen sehen könnte, einen echten Kinofilm macht.

Michael Meyns