7915 KM

Der neue Film von Nikolaus Geyrhalter ist kein Film über die Rallye Dakar. Er folgt zwar den Spuren der Rallye durch Afrika, zeigt aber kein einziges Auto. Stattdessen versucht er auf betont subtile Weise eine Dialektik zwischen einem hochtechnologisierten westlichen Ereignis und den spartanischen lebenden Afrikanern zu entwickeln. In den besten Momenten führt dieses Konzept zu interessanten Einblicken, bisweilen aber droht sich der Film in seinen extrem manierierten Bildern zu verlieren.Kurzbeschreibung

Webseite: www.7915.com

Österreich 2008 – Dokumentation
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Drehbuch: Maria Arlamovsky, Nikolaus Geyrhalter, Wolfgang Widerhofer
106 Min.
Verleih: Autlook Films
Kinostart: 27. August 2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Einst war sie das berühmteste Autorennen der Welt: Die Rallye Paris-Dakar, die jeden Januar von der französischen Hauptstadt an die Mittelmeerküste und dann quer durch Westafrika führte. Inzwischen heißt sie nur noch Rallye Dakar und steht vor dem Aus. 2008 wurde die Rallye wegen Terrorwarnungen ganz abgesagt, 2009 fand ein Ersatzrennen in Südamerika statt. Nikolaus Geyrhalters drehte seinen Film 2007, was sich im Nachhinein also als möglicherweise letztes Jahr der Rallye erwies. Doch obwohl sein Film in Paris beginnt, mit Aufnahmen von der Präsentation der Rennwagen ist „7915 km“ alles andere als die Dokumentation einer Rallye. Der Werbefilm, den man während der Präsentation sieht, wird das einzige Mal sein, dass man Autos in Bewegung sieht. Das sind die Aufnahmen, die Geyrhalter dezidiert nicht zeigen will: Rasante Fahrten über Wüstenkämme, Actionaufnahmen aus dem Cockpit der Autos, ein Blick von Innen nach Außen.

Die ersten Bilder von Afrika zeigen stattdessen die Spuren der Rallye, Spuren im wahrsten Sinn des Wortes. Karge Landschaften, von sich sanft wellenden Autospuren durchzogen, auf denen vor kurzem der Tross der Rallye durchgezogen ist. Diesen Spuren folgt Geyrhalter durch Marokko und Mauretanien nach Mali und schließlich in den Senegal, wo die Rallye nach über 7000 Kilometern in Dakar ans Ziel kommt. Immer wieder zeigt der Film diese Spuren, die wohl als Narben verstanden werden sollen, die lange zurückbleiben, während die Karawane der Rallye längst weiter gezogen ist. Diesem Erzählprinzip folgend, zeigt der Film Interviews mit Bewohnern von Dörfern entlang der Route. Meist äußern sich die Einheimischen eher desinteressiert über die Rallye, erzählen von kurzen Begegnungen mit Fahren, die nach einer Panne liegen geblieben sind, kleinen Geschenken und einem Mangel an Respekt. Und darum geht es Geyrhalter in diesen Vignetten: Zu zeigen wie ein westliches Ereignis, ein von hunderten Journalisten begleitetes Autorennen durch eine fremde Welt führt, ohne diese wahrzunehmen, ohne Rücksicht zu nehmen.

Doch der Erkenntnisgewinn dieses Ansatzes bleibt bescheiden. Da sieht man ein Kind, das eine Ziege „Rallye“ genannt hat und sich über Buntstifte freut, die sie als Geschenk bekommen hat; ein Mädchen, dass durch ihr Dorf führt, in dem zahlreiche halbfertige Häuser von Menschen stehen, die in Europa ihr Glück suchen; Kinder, die vor dem Fernseher sitzen und eine Bericht über die Rallye sehen. Das alles filmt Geyrhalter in fast immer starren Scope-Bildern, die in ihrer manierierten Ästhetik zwar teilweise eindrucksvoll sind, aber letztlich nicht kaschieren können, wie wenig substanzielles „7915 km“ zu erzählen hat. Neue Erkenntnisse über die Globalisierung, das Verhältnis zwischen Erster und Dritter Welt sollte man hier nicht erwarten, aber dafür viele künstlerisch wertvolle Bilder.

Michael Meyns

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