Adam – Eine Geschichte über…

ADAM – EINE GESCHICHTE ÜBER ZWEI FREMDE. EINER ETWAS MERKWÜRDIGER ALS DER ANDERE.

Adam ist Autist. Das sog. „Asperger Syndrom“ verändert seine Wahrnehmung – insbesondere in Gefühlsangelegenheiten. Außerdem kann er einfach nicht lügen. Ein Zustand, der es ihm nicht immer leicht macht im Leben. Vor allem als er seine neue Nachbarin Beth kennen lernt. Eine bezaubernde Filmromanze – unaufdringlich und herzerfrischend. Lediglich der deutsche Filmtitel entbehrt jeglicher Fantasie.

Webseite: www.adam-derfilm.de

USA 2009
Originaltitel: Adam
Regie & Buch: Max Mayer
Darsteller: Hugh Dancy, Rose Byrne, Peter Gallagher, Amy Irving, Frankie Faison
Mark Linny Baker, Ursula Abbott
Laufzeit: 99 Minuten
Verleih: Twentieth Century Fox
Kinostart: 10.12.2009

AUSZEICHNUNGEN
Sundance Film Festival: Alfred P. Sloan Feature Film Prize

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Nach dem Tod des Vaters ist Adam Raki auf sich gestellt und völlig allein in dem großen und nun sehr menschenleeren New Yorker Apartment. Die Routine des Alltags, die er nicht ohne fremde Hilfe durchbrechen kann, hat ihn fest im Griff. Er liebt Mikrowellen-Makkaroni mit Käse, die Komplexität des Sternenhimmels und die Waschbären im Central Park. Ein Hobby-Astronom, der sich bei einem Spielwarenhersteller verdingt und komplexere Mikrochips entwickelt, als seinem Arbeitgeber lieb und teuer ist. Auf seine Außenwelt mag Adam ein wenig merkwürdig wirken, insbesondere wenn er auf schockierend-direkte Art stets die Wahrheit kund tut und dabei offenkundig nicht in der Lage ist, die Gefühle anderer Menschen wahrzunehmen. Wer ihn jedoch besser kennt, lernt mit dieser Form des Autismus umzugehen. Sie wissen Adams Isolation zu durchbrechen und zu seinem inneren Wesen durchzudringen. So auch Beth.

Die Vorschullehrerin Beth Buchwald hat einen Tapetenwechsel nötig. Die letzte Beziehung endete in einer Krise und der Wohnungsumzug soll nun helfen, einen Neuanfang zu finden. Die Suche hat noch nicht einmal richtig begonnen, als ihr der neue Nachbar Adam über den Weg läuft. Ein attraktiver Typ, vielleicht ein wenig verschlossen, aber durchaus ansprechend und interessant. Den zufälligen Begegnungen im Hausflur folgt dann auch recht schnell ein nächtlicher Ausflug in den Park, ein Restaurantbesuch und das Kennen lernen von Freunden und Eltern. Der Beginn einer ganz normalen Beziehung, möchte man meinen. Doch weit gefehlt, denn Adam ist anders. Und so sehr er mit seinem Planetarium in der Wohnung und seinem Wissen über das Sonnensystem verblüfft, so ungewiss ist es doch, ob er überhaupt in der Lage ist, wahre Gefühle oder gar innige Liebe zu empfinden. Die Antwort steht in den Sternen.

Als deutscher Kinogänger muss man sich schon manchmal sehr darüber wundern, mit welch unfreiwilliger Komik und fragwürdiger Fantasie, Originalfilmtitel für den deutschen Markt verunstaltet werden. Dabei ist das eine Ergebnis – um auf den hier vorliegenden Fall anzuspielen – etwas merkwürdiger als das andere. Zumal der Filmtitel „Adam“ – da eben nicht mehr und nicht weniger als ein Vorname – eigentlich universell verständlich sein sollte und somit keiner weiteren Erklärung bedürfte. Und selbst wenn, wäre der hier gefundene Zusatz („Eine Geschichte über zwei Fremde. Einer etwas merkwürdiger als der andere.“) inhaltlich doch eher verwirrend und überdies viel zu lang geraten. Glücklicherweise lässt diese Form der Banalisierung nicht zwangsläufig auf die Qualität des Films rückschließen.

Im Falle von „Adam“ ist dem Drehbuchautor und Regisseur Max Mayer („Better Living“) eine ungewöhnliche und durchweg bezaubernde Filmromanze geglückt. Eine wundervolle und herzerfrischende Geschichte – mit gefühlvoller Musik untermalt und stimmungsvollen Bildern erzählt. Dabei konzentriert sich Mayer vor allem auf die Interaktion seiner Figuren und lässt uns die Welt durch ihre teilweise naiv-verklärten Augen sehen. Dass bei Adam das so genannte „Asperger Syndrom“ – eine Form des Autismus – diagnostiziert wurde, bestimmt zwar den Verlauf der Handlung, ist dabei jedoch weder aufdringlich noch mit unnötigen Klischees behaftet. In einer Szene scherzt Adam (überzeugend: Hugh Dancy), dass er nicht Forrest Gump sei. Diese Aussage ließe sich auch auf den Film als solchen übertragen. Doch wozu der Vergleich? Dieser Film heißt „Adam“. Und am liebsten würde man hinzufügen: nicht mehr und nicht weniger.

Gary Rohweder

New York. Adams Vater ist gestorben, die Mutter ist schon seit seinem achten Lebensjahr tot. Nun lebt er allein in der großen Wohnung. Er ist einsam, noch dazu da er unter dem Asperger Syndrom leidet, einer Form des Autismus. Er ist bei der Begegnung mit anderen Menschen gehemmt. Nur wenn es um Sterne geht, um das All, um die Erforschung der Galaxien, um komplizierte Zusammenhänge und Zahlen, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. Typisch für diese „Krankheit“.

Beth zieht in das gleiche Haus ein. Sie ist Kindergärtnerin und Studentin in einem, eine sympathische Frau. Sehr hängt sie an ihrem Vater, der es später allerdings mit der Justiz zu tun bekommt und ins Gefängnis muss.

Aus kleinen Begegnungen zwischen Beth und Adam wird Freundschaft, ja sogar der Versuch, sich zu lieben. Eine Zeitlang geht das gut.

Bei Autisten sind offenbar Gefühls- und Wirklichkeitswelt einer harten Trennung unterworfen. Von der „Wahrheit“ darf es anscheinend für Betroffene nicht die geringste Abweichung geben. Alls Beth einmal schwindelt, weil sie Adam ihren Eltern vorstellen will, kommt es zum „Krankheits“ausbruch, zur Beziehungskatastrophe. Beth zieht sich zu Vater und Mutter zurück.

Noch einmal der Versuch zusammenzukommen. Denn Adam hat in seinem Sozialverhalten – nicht zuletzt dank Beth – Fortschritte gemacht. Er, der lange einen geeigneten Job suchte, hat ihn jetzt auch gefunden. In Kalifornien. Er bittet Beth, mit ihm zu kommen, mit ihm zu leben. Aber er sagt auch, dass er das möchte, weil er sie brauche, weil er nicht allein leben könne. Nicht weil er sie liebe. Beth begreift, dass auf diese Weise keine Grundlage für ein Zusammenleben gegeben ist.

Sie schickt Adam später ein von ihr verfasstes Buch über ein Waschbärenpaar, das sie einst im New Yorker Central Park gemeinsam erlebten. „Sie gehören nicht hierher, aber sie sind beide da“, sagten sie damals.

Vielleicht ist das nunmehr die Andeutung, dass das Unmögliche doch noch möglich wird.

Eine ziemlich ausgefeilte psychologische Studie, realitätsnah, liebenswert dargestellt, kompetent inszeniert. Beth’s (Rose Byrne) zurückhaltende aber äußerst sympathische Art und ihre Mühe um Adam sind sehenswert. Erstaunlich auch, wie perfekt Hugh Dancy den „kranken“ Adam wiedergibt. Eine darstellerische Leistung.

Thomas Engel