Angesichts des zunehmenden Populismus, autokratisch agierender Regierungschefs in eigentlich demokratischen Ländern und anderen Entwicklungen bzw. Rückschritten liegt es auf der Hand, eine Neuverfilmung von George Orwells berühmter Allegorie „Farm der Tiere“ anzugehen. Deutlich weniger zwingend scheint es jedoch, aus dem Roman einen kinderfreundlichen, oft albernen Animationsfilm zu machen, wie es Andy Serkis mit „Aufstand der Tiere“ eingefallen ist.
Über den Film
Originaltitel
Animal Farm
Deutscher Titel
Aufstand der Tiere
Produktionsland
GB, CA
Filmdauer
95 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Nicholas Stoller, Dave Rosenbaum, Adam Nagle, Jonathan Cavendish
Regisseur
Andy Serkis
Verleih
Kinostar Filmverleih GmbH
Starttermin
29.10.2026
„Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher,“ heißt es gegen Ende von George Orwells berühmtem Roman „Farm der Tiere“, der 1945 erschien, allerdings mit großen Mühen. Etliche Verlage hatten die Veröffentlichung abgelehnt, zu nahe standen die westlichen Siegermächte des Zweiten Weltkriegs zu diesem Zeitpunkt noch der Sowjetunion, dem Verbündeten im Kampf gegen Nazi-Deutschland.
Das sollte sich bald ändern, „Farm der Tiere“ und der einige Jahre später, kurz vor Orwells Tod 1950 veröffentlichte Roman „1984“ wurden zu zwei der berühmtesten allegorischen Texte über die Exzesse des Stalinismus, auch wenn die Intentionen des Autors differenzierter waren als die Rezeption es meist war.
Wie so viele Intellektuelle in den 30er Jahren sah auch Orwell im Sozialismus eine attraktive Alternative zu den kapitalistischen Systemen, die die Welt in einen (und bald zwei) Weltkriege und eine Weltwirtschaftskrise geführt hatten. Doch seine Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg, wo er hautnah miterlebte (und knapp überlebte), wie sich unterschiedliche Fraktionen von Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten bekämpften und die gemeinsamen Werte vergaßen, ließen Orwell desillusioniert und mit der Erkenntnis zurück, wie schnell eine Revolution ihre Ziele ignorieren und wieder in alte Muster zurückfallen kann.
Diesen Gedanken thematisierte er in der allegorischen Erzählung „Farm der Tiere“, in der Tiere auf einem Bauernhof gegen ihren brutalen, menschlichen Besitzer rebellieren, die Macht ergreifen – und schnell von ihr korrumpiert werden. Ganz anders als die Menschen wollen die Tiere agieren, doch wie schwer es ist, mit Basisdemokratischen Methoden zu einem gemeinsamen Ziel zu kommen, konnte man erst vor kurzem etwa bei der Occupy Wall Streeet-Bewegung beobachten, die hehre Ziele hatte, aber führerlos vor sich hinplätscherte und bald vorbei war.
Bei Orwell und auch in der mehr als losen Neuverfilmung „Aufstand der Tiere“ bei der der Gollum-Darsteller Andy Serkis Regie führte, ist es das gut meinende Schwein Schneeball, das schnell das Zepter in die Hand nimmt. Gute Ideen hat Schneeball zwar, aber sie agiert zu dominant, zu bestimmend, zu undemokratisch. So fällt es dem Eber Napoleon leicht, die anderen Tiere gegen Schneeball aufzuwiegeln und selbst Stück für Stück die Macht zu erringen. Der treue Gaul Boxer lässt sich ebenso vereinnahmen wie die blökenden Schafe und die wilden Hunde, die mit treuen Augen mitansehen, wie die Schweine zunehmend die Macht an sich reißen, die egalitären Regeln nach und nach ändern und bald ebenso egoistisch agieren, wie es einst die Menschen taten.
Eine pointierte Erzählung über die korrumpierende Kraft der Macht, die Schwierigkeit, wirklich egalitär zu agieren, eine Geschichte, die auch und gerade heute noch ihren Platz haben könnte. Doch Andy Serkis’ Adaption macht aus der oft düsteren Vorlage einen typischen amerikanischen Kinderfilm, voll mit lustigen Tieren, Gesangsnummern und Furz-Witzen. Auch wenn das Grundgerüst von Orwells Fabel noch zu erahnen ist: In dieser Variante der Geschichte siegt am Ende das Gute über das Böse, werden die typischen Werte beschworen (Familie, Zusammenhalt, Freundschaft), die man aus Hollywood-Zeichentrickfilmen kennt. Mit Orwell hat das nicht mehr viel zu tun, aber auch als eigenständiger Animationsfilm funktioniert das durch seine schlichte Animation nur bedingt.
Michael Meyns







