Björk – Biophilia Live

Konzertdokumentationen sind ein schwieriges Feld, denn die Energie eines Liveauftritts in Bilder zu fassen, ist kein leichtes Unterfangen. Das beweißt auch „Björk – Biophilia Live“, der auf der letzten Tournee der exzentrischen isländischen Sängerin entstand und in erster Linie Fans der Sirene betören wird.

Webseite: www.biophiliathefilm.com

USA 2013
Regie: Peter Strickland & Nick Fenton
Dokumentation
Länge: 97 Minuten
Verleih: Cinema Purgatorio
Kinostart: 16. Oktober 2014

FILMKRITIK:

Die isländische Sängerin Björk hat sich oft als Vorreiterin technologischer Erneuerungen verstanden, die den Entwicklungen der Musikindustrie auf ihre ganz eigene Weise begegnet ist. Ihr bislang letztes Album „Biophilia“ erschien 2011 zwar auch ganz klassisch als CD, wurde parallel dazu aber auch in App-Form veröffentlicht. Und auch bei der folgenden, zweijährigen Konzerttournee ging die Sängerin ungewöhnliche Wege und ließ ihre Songs von einer umfassenden visuellen Show begleiten, die die Themen des Albums visualisieren sollten.
 
Die letzte dieser Shows, die am 7. September 2013 im Londoner Alexandra Palace stattfand, ist nun die Basis für den Konzertfilm „Björk – Biophilia Live“, der von Peter Strickland und Nick Fenton inszeniert wurde. Während Fenton bislang vor allem als Cutter gearbeitet hat, ist Strckland durch seine Spielfilme „Katalin Varga“ und „Berberien Sound Studio“ bekannt geworden, die sich nicht zuletzt durch ihre visuelle und akustische Originalität auszeichneten.
 
Von diesen Qualitäten ist allerdings in „Björk – Biophilia Live“ nicht allzu viel zu spüren, zumindest was das originär Filmische angeht. Über weite Strecken der Laufzeit beschränken sich die Regisseure darauf, den Auftritt von Björk, ihrem ausschließlich aus Frauen bestehendem Chor und ihrer Band abzufilmen und die Bühnenshow nicht durch filmische Eingriffe zu überhöhen. Als eigenständiger Film wird die Dokumentation dadurch zwar etwas schlicht, im Fall von Björk ist die Entscheidung aber durchaus nachzuvollziehen. Denn die als exzentrisch bekannte Sängerin (die bei ihrem bislang einzigen Auftritt als Schauspielerin in Lars von Triers „Dancer in the Drak“ selbst den auch nicht gerade wenig exzentrischen Regisseur zur Weißglut brachte) ist ein Ereignis für sich.
 
Zumindest wenn man den Gesang Björks mag, wenn man ihre Lieder, die hier bewusst „organisch“ präsentiert werden, mit echten Instrumenten, ohne elektronische Gerätschaften, ist „Björk – Biophilia Live“ ein großes Vergnügen. Die Bühnenpräsenz von Björk lässt sich auch durch die Distanz einer Dokumentation nicht bestreiten, die zudem ermöglicht, die Musiker und ihre Instrumente hautnah zu beobachten. Zumal die Bilder und vor allem der Ton von exzellenter Qualität sind.
 
Etwas schade ist dennoch, dass bis auf einen kurzen Prolog, in dem der durch seine zahlreichen Naturdokumentationen bekannte britische Schauspieler David Attenborough mit seiner unverwechselbaren Stimme zu Bildern des Kosmos und der Natur einen amüsanten Rahmen für das folgende Konzert entstehen lässt, auf jegliche filmische Mittel verzichtet wurde. So bleibt „Björk – Biophilia Live“ ein gradliniger Konzertfilm, der Fans der Sängerin fraglos begeistern wird, aber nicht über dieses prädisponierte Publikum hinausreicht.
 
Michael Meyns