Manchmal dauert es, bis kleine Perlen den Weg nach Deutschland finden, noch seltener kommt es vor, dass sie den Weg ins Kino finden. „Bob Trevino Likes It“ ist eine solche Perle, die es wert ist, im Kino gesehen zu werden. Der Film schlug Wellen auf dem SXSW Film Festival wo er mit dem Großen Preis der Jury, aber auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.
Über den Film
Originaltitel
Bob Trevino Likes It
Deutscher Titel
Bob Trevino Likes It
Produktionsland
US
Filmdauer
101 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Felipe Dieppa, Tracie Laymon, Sean Mullin, Edgar Rosa
Regisseur
Tracie Laymon
Verleih
Verleih N.N.
Starttermin
22.10.2026
Lily hat einen gewaltigen Streit mit ihrem Vater Bob, der in einer Wohnanlage für ältere Menschen lebt und sich nicht für seine Tochter, sondern nur dafür interessiert, mit welcher Frau er als nächstes anbandeln könnte. Lily ist traurig und allein, sie schreibt in den sozialen Medien, aber es ist ein Schrei in die Leere – ohne Reaktion. Dort findet sie einen Account von Bob Trevino, einem Mann, der wie ihr Vater heißt. Sie schreibt ihm und er reagiert. Nach Chatkontakt treffen sie sich und führen Gespräche, die tiefgründiger sind, als beide je erwartet hätten. Lily findet in Bob die Vaterfigur, die sie immer vermisst hat, und sie lernt, dass Familie mehr sein kann als Blutsverwandtschaft.
„Bob Trevino Likes It“ fängt mit einer nicht ganz ungewöhnlichen Situation an – nicht wenige haben in den sozialen Medien schon Menschen gefunden, die ihre eigenen oder den Namen enger Verwandter haben. In Kontakt zu treten, ist aber etwas ganz anderes und der Ausgang dieses Films, der seine Geschichte entgegen Erwartungen erzählt. Ein geringerer Film hätte vielleicht eine romantische Geschichte daraus gemacht, hier geht es aber um weit mehr. Um zwei Menschen, die sehr unterschiedlich sind, aber ineinander finden, was ihnen fehlte. Der eine einen Kindersatz, von dem er sicher war, dass er ihn nicht brauchte, die andere eine Vaterfigur, die ihr zuhört und mit Rat und Tat aktiv wird – und das umso mehr, weil ihr Vater der Inbegriff von Toxizität ist.
Die Chemie zwischen John Leguizamo und Barbie Ferreira ist toll. Wenn sie in einem Diner sitzen oder gemeinsam campen und die Sterne betrachten, dann wird das getragen von Gesprächen, die Substanz haben. Aber es ist nicht nur das, es ist die Emotion, aber auch die Authentizität, mit der diese Gespräche sich entwickeln. Es ist nicht perfekt, aber es ist echt, und genau darin liegt die Stärke des Films. Tracie Laymon sagte, dies basiere auf einer wahren Geschichten – vielleicht auch deswegen war es ihr so leicht möglich, in die Gefühlswelt dieser Story einzudringen.
Der Film hat eine sanfte Form von Humor, er ist amüsant und witzig, aber auch dramatisch und echt, vor allem aber ist er eine Achterbahnfahrt der Gefühle, denn so süß er auch anfängt, bereitet nichts auf den emotionalen Ausbruch des Finales vor. „Bob Trevino Likes It“ ist die Art kleiner Indie-Film, die man heutzutage viel zu selten sieht. Ein Film, der etwas fühlen lässt.
Peter Osteried







