Bright Star – Meine Liebe. Ewig

Mit ihrem elegischen Kostümdrama „Bright Star – Meine Liebe. Ewig“ gelingt Oscarpreisträgerin Jane Campion eine betörende Ode an die romantische Liebe. Ihr sensibles Kinogedicht in suggestiv poetischen Bildern elektrisiert durch die heftige Intimität der bewegend tiefen Liebesgeschichte zwischen dem englischen Dichter John Keats und der phantasievollen Modistin Fanny Brawne. Die durch einen innigen Briefwechsel sowie zahlreichen einzigartigen Gedichten dokumentierte tragische Romanze der beiden, wird nicht zuletzt durch die beeindruckende Präsenz der Hauptdarstellerin Abbie Cornish getragen.

Webseite: www.brightstar-derfilm.de

Großbritannien / Australien / Frankreich / USA 2009
Regie: Jane Campion
Buch: Jane Campion
Kamera: Greig Fraser
Darsteller: Ben Whishaw, Abbie Cornish, Paul Schneider, Kerry Fox, Thomas Sangster, Samuel Barnett, Sebastian Armesto, Samuel Roukin
Länge: 120 Minuten
Verleih: Tobis
Kinostart: 24. Dezember 2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

England Anfang des 19. Jahrhunderts. In einem ländlichen Salon in Londons Vorort Hampstead nimmt die selbstbewusste Modistin und Näherin Fanny Brawn (Abbie Cornish) kein Blatt vor den Mund. Gnadenlos ehrlich und direkt urteilt die patente junge Frau über die Werke der beiden Künstler Charles Brown (Paul Schneider) und John Keats (Ben Whishaw). Ob eigentlich irgendjemand ihr „Geschreibsel“ liest, fragt die 18jährige die schwärmerischen Poeten provozierend. Und verkündet stolz: „Ich kann von meiner Arbeit zumindest leben“.

Mode und Poesie, scheinen zwei unüberbrückbare Welten. Doch schon beim nächsten Treffen mit dem 23jährigen Keats rezitiert Fanny seine Verse: „A thing of beauty is a joy for ever". Schönes gibt ewige Freude, so lautet die erste Zeile in seinem ersten mehr als hundert Seiten umfassenden Versepos „Endymion". Überrascht und erfreut beginnt der empfindsame Dichter sich für seine neue Nachbarin zu interessieren. Sein arroganter bester Freund Brown freilich beobachtet diese Annäherung mehr als misstrauisch.

Am Valentinstag kommt es zum Eklat. Hinter Keats Rücken schickt sein Mentor und Freund Fanny eine Botschaft. „Es ist ein Spiel“, verteidigt sich Brown. „Herzensliebe ist etwas Heiliges, davon hast du keine Ahnung“, schleudert ihm der entgegen. Aber auch Fannys Mutter (Kerry Fox) betrachtet die Verbindung ihrer Tochter mit dem kränkelnden und mittellosen Poeten skeptisch. Allein die Seelenverwandtschaft der beiden überwindet längst alle Hürden, die sich ihrer hoffnungslosen Hingabe in den Weg stellen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Intimität, die lange ohne Berührungen auskommt.

Trotzdem gelingt es Ausnahmeregisseurin Jane Campion gerade diese Spannung extrem sinnlich aufzuladen. Dagegen wirkt selbst die animalische Leidenschaft, die ihr Meisterwerk „Das Piano“ zum Welterfolg machte, fast plump. Zudem sind Campions Bilder, auf eine eigenwillig lyrische Weise, den Gedichten Keats, des größten Romantikers der englischen Literatur, beigeordnet. Sie verdoppeln nicht, sie kontrastieren nicht – sie führen visuell fort, was Keats Poesie in Gang setzt. Ihre von sommerlichen Licht durchfluteten Settings bringen seine Gedichte zum Funkeln. Mit Blumen übersäte Wiesen verwandeln sich zu magischen Orten. Vor allem im Jahreszeitenwechsel der Natur feiern sich die Filmbilder und Keats Texte gegenseitig.

Dabei bleibt die 55jährige Oscarpreisträgerin trotz Momenten innigster Nähe filmend immer auf Distanz. Gleichwohl die Neuseeländerin, die Perspektive der jungen Frau einnimmt, die selbstbewusst-modern dem Dichter verbal-intellektuell durchaus gewachsen, emotional sogar überlegen ist. Unprätentiös frisch und elegant, zugleich schwärmerisch und nüchtern, verkörpert Abbie Cornish, Australiens größtes weibliches Talent seit Nicole Kidman, brillant die weibliche Hauptfigur. Dass John Keats von diesem Gesicht und diesen Augen zu jenem Gedicht inspiriert worden sein könnte, das Campions Film seinen Titel „Bright Star“ gibt, wirkt glaubhaft. Als Keats jedoch schwer an Tuberkulose erkrankt, England verlässt und wenig später stirbt bleibt sein "leuchtender Stern", wie er Fanny in seinem Gedicht nannte, allein zurück.

Luitgard Koch

England, frühes 19. Jahrhundert. Fanny ist Schneiderin, hübsch, arbeitsam, bescheiden, unauffällig und klug dazu. Sie ist in Liebe entbrannt – zu John Keats, einem jungen begabten, aber eher schwermütigen Dichter. Einfach ist diese Liebe nicht zu vollziehen, denn Fannys Mutter befürchtet, dass Keats mittellos ist und bei einer eventuellen Heirat Fanny nie ernähren könnte.

Auch Keats wird gebremst. Er hat einen Mentor, Mr. Brown, der sorgsam darüber wacht, dass der Dichter nicht von seiner Arbeit abgehalten wird und seine Gefühle nicht an etwas anderes verschwendet als an seine Kunst.

Keats ist krank, todkrank. Deshalb soll er fort in den Süden. Fanny muss jetzt ihre Liebe durchsetzen.

Der Dichter stirbt mit 24, 25 Jahren.

Jane Campion ist immer für einen Spitzenfilm gut. Und der ist im Grunde auch hier gegeben. Aber er ist nicht rasant, dramatisch, aufregend, mit Kinosensationen durchsetzt, sondern ruhig, kunstvoll, mit Dichtung, Briefwechsel, romantischen Stimmungen und Gefühlen unterlegt, von dezenter Musik begleitet, epochemäßig anschaulich ausgestattet.

Es bedarf eines gewissen Einfühlungsvermögens für das Fehlen einer lebhaften Handlung, für den getragenen Filmrhythmus, für die Beschränkung auf ein Kammerspiel und den Versuch der bloßen Schilderung einer durch Unglück verlorenen Liebe.

Bringt man dieses Einfühlungsvermögen mit, kann man Geschichte, Schicksal und filmische Form richtig erleben.

Feinfühlig spielt Ben Wishaw den jungen Dichter, diskret verkörpert Abbie Cornish die Fanny. Paul Schneider (Mr. Brown) und Kerry Fox (Fannys Mutter) ordnen sich gut unter.

Ein Arthouse-Film für Liebhaber sensibler Stoffe.

Thomas Engel