Im Nairobi der späten 1990er-Jahre erkrankt eine alleinerziehende Mutter an Aids. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und schließt sich mit einer ausländischen Journalistin zusammen. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen die mächtigen Pharmakonzerne auf. Das Drama „Call Me Queen“ erzählt mit viel Zuneigung für die weiblichen Hauptfiguren von Selbstermächtigung, Zusammenhalt, der Kraft von Gemeinschaft und einer außergewöhnlichen Frauenfreundschaft.
Über den Film
Originaltitel
Call Me Queen
Deutscher Titel
Call Me Queen
Produktionsland
DE, GB, KE, FR
Filmdauer
105 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Alexandra Stone, Catherine Townsend
Regisseur
Emily Atef
Verleih
Verleih N.N.
Starttermin
15.10.2026
Queen (Eliane Umuhire) lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern in ärmlichen Verhältnissen in Nairobi. Das Leben ist hart, doch Queen ist tough und weiß sich gut selbst zu helfen. Eines Tages lernt sie die irische Journalistin Anna (Denise Gough) kennen. Zwischen der selbstbewussten Auslandskorrespondentin und Queen entsteht, trotz aller Unterschiede, eine unerwartete Freundschaft. Kurz darauf ist Queen auf Annas Unterstützung angewiesen. Denn die junge Frau, ist wie so viele andere während der Aids-Epidemie in Ostafrika, erkrankt. Anna verschafft ihr Zugang zur lebenswichtigen Behandlung – und Queen überlebt. Doch viele Menschen sterben weiterhin an dem tödlichen Immundefekt. Queen will das nicht akzeptieren: Als Aktivistin beginnt sie ihren Kampf gegen diese Ungerechtigkeit.
Die für ihre anspruchsvollen Dramen und Arthouse-Werke bekannte Regisseurin Emily Atef („3 Tage in Quiberon“) verhandelt in „Call Me Queen“ verschiedene Themen und Geschichten. Inhaltlich geht es ihr vor allem um die dramatische Aids-Krise in Nairobi Ende der 90er-Jahre, als pro Tag bis zu 700 Menschen an der Immunschwäche starben. Auf dem Höhepunkt waren über zehn Prozent der Bevölkerung Aids-erkrankt, obwohl es die lebensrettenden Medikamente bereits seit Jahren gab.
Afrikanische Staaten wie Nairobi hatten zu jener Zeit nur eingeschränkten bis gar keinen Zugang zu wichtigen Behandlungen. Das Gesundheitssystem kollabierte, bis zum Jahr 2000 waren bereits weit über eine Million Menschen an Aids gestorben. „Call Me Queen“ ruft in Erinnerung, dass ein komplexes Patentrechtesystem, Monopolpreise und damit die Wirtschaftsinteressen der Profit-orientierten Pharmakonzerne die flächendeckende Medikamentenversorgung in vielen Ländern Afrikas verhinderten.
An diese menschenfeindlichen Vorkommnisse und politischen Versäumnisse verweist Atef auf reflektierte, bewegende Weise. Und auch die Medien kommen nicht allzu gut weg. Annas Chef ist eher an Kriegsberichten und reichweitenstarkem Sensationsjournalismus als an Storys über die Gesundheitskrisen im weit entfernten Afrika interessiert. Das zynische, kalkulierte Vorgehen des Verlagschefs und die Aktivitäten der Pharmaindustrie beruhen auf demselben Grundprinzip: Menschliches Leid wird ökonomischen Interessen und finanziell motivierten Überlegungen untergeordnet. Dieses Muster arbeitet „Call Me Queen“ treffend heraus.
In Sachen Handlungsverlauf und Spannungsbogen geht das Drehbuch auf Nummer sicher. Dramaturgisch darf man folglich keine allzu großen Überraschungen erwarten, zumal Atef auf die konventionellen narrativen Muster inhaltlich ähnlicher Genre-Hybride setzt. Der Mix aus gesellschaftskritischem Milieuporträt und politischem Enthüllungs- sowie Aktivismus-Drama vertraut auf bewährte Erzählstrukturen – allerdings gleichsam auf symbolstarke, mehrdeutige Bilder, die lange nachhallen.
Ganz und gar verlassen kann sich die Regisseurin aber auf ihren stark aufspielenden Cast. Eliane Umuhire setzt Akzente als willensstarke, mutige und emanzipierte Frau, die erst an Aids erkrankt – und wenig später doch gerettet wird. Viele andere haben, aufgrund der oben erwähnten Gründe, nicht dieses Glück. Diese Ungerechtigkeit kann sie nicht akzeptieren und sie wird schließlich zur treibenden Kraft einer Bürgerrechtsbewegung, die die Menschen auf die Straßen bringt. An Umuhires Seite agiert „Andor“-Star Denise Gough überzeugend als ebenso selbstbewusste, wie verletzliche Anna. Sie erkennt, je länger ihr Aufenthalt in Afrika dauert, dass die Passivität und Ignoranz der westlichen Welt hauptverantwortlich für die Katastrophe ist.
Björn Schneider







