Cyberpunk Romance

„Cyberpunk Romance“ ist eine deutsch-schweizerische Ko-Produktion, die die Pfade von Romcom und Vergangenheitsbewältigung gar nicht betritt, sondern ein für deutschsprachige Produktionen seltenes Terrain beschreitet: das der Science-Fiction. Und zwar solcher Science-Fiction, die ihren Kern in der Realität hat, weiterdenkt, was sein könnte und dann auch als Warnung vor einer übertechnologisierten Weg verstanden werden muss. 

 

Über den Film

Originaltitel

Cyberpunk Romance

Deutscher Titel

Cyberpunk Romance

Produktionsland

DEU

Filmdauer

98 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Joscha Douma

Verleih

Salzgeber & Co. Medien GmbH

Starttermin

18.06.2026

 

In der nahen Zukunft tragen Menschen im Nacken einen Port, einen USB-Anschluss, der als Schnittstelle funktioniert und es erlaubt, sich Wissen – Sprachen, aber auch ganze Bibliotheken – anzueignen und sich immer weiter zu optimieren. Noch ist die Technik am Anfang, noch benutzen viele sich nicht, aber sie steht vor dem Durchbruch, aller Gefahr zum Trotz. Eine solche Gefahr ist, dass man in ein neurotechnisches Koma fällt und einen Brainbug entwickelt. So ergeht es Milo, dem Freund von Mona, die sich bislang dem Port verweigert hat, sich nun aber einen einsetzen lässt, um in Milos Kopf einzusteigen und zu versuchen, ihn zu retten. Was sie dabei sieht, ist auch eine Reise in ihre eigene, gemeinsame Vergangenheit mit Milo.

 

„Cyberpunk Romance“ ist ein Film, der ganz und gar auf der Welle der Serie „Black Mirror“ surft. Es geht um die Frage, wie moderne Technik den Menschen verändert, und welche Schattenseiten damit einher gehen. Hier ist es die Frage, ob in einer Welt, in der jeder einen Port trägt, nicht die Firma, die diese herstellt, letztlich auch die Gedankenkontrolle ausübt. Gleichfalls geht es aber auch ums Persönliche, denn als Mona in Milos Kopf herumirrt und vergangene Ereignisse mit und ohne ihr sieht, wird ihr klar, dass sie ihren Freund – zumindest in letzter Zeit – gar nicht mehr kannte. Der Film spielt mit dem ewigen Dilemma, dass man in niemandes Kopf reinsehen kann, und wenn man es doch kann, dann könnte das, was man findet, erschreckend oder verletzend sein.

 

Anders als bei „Black Mirror“ erzeugt das Konzept hier aber nicht unbedingt Spannung. Vielmehr ist es ein Arthaus-Drama, das präsentiert wird. Es nutzt die Sci-Fi-Elemente, um eine Beziehung aus einer anderen Warte zu betrachten, aber auch, um die menschliche Natur zu ergründen. Der Film hat viele gute Ideen, er präsentiert interessante Fragen, aber er hat – naturgemäß – keine Antworten. Stattdessen gibt er aber Denkansätze und zeigt eine Zukunft, die gar nicht so unwahrscheinlich erscheint. Die Technologie macht rasende Fortschritte, wer will da schon sagen, ob eine Schnittstelle von Menschen zum Computer nicht schon um die Ecke lauert?

 

Entsprechend funktioniert der Film vor allem über sein Gedankenkonstrukt, ist anregend, aber nicht unbedingt spannend. Als Drama funktioniert er auch, wirkt manchmal aber einen Tick zu plakativ, während die Sci-Fi-Elemente mit einer solchen Unaufdringlichkeit und Simplizität daherkommen, dass keine Genre-Affinität vonnöten ist. „Cyberpunk Romance“ stellt die Frage danach, wie Beziehungen in einer Welt funktionieren, in der man alles haben und alles sein kann. 

 

Peter Osteried

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.