Dan – Mitten im Leben

Steve Carell spielt Dan, Witwer, Vater von drei Töchtern und Autor einer Beratungskolumne, der mit seinem eigenen Leben nicht ganz klar kommt. Seit vor Jahren seine Frau gestorben ist lebt er vor sich hin, doch bei einem Familientreffen läuft ihm die bezaubernde Marie (Juliette Binoche) über den Weg. Die ist allerdings gerade mit Dans Bruder zusammengekommen. Doch in dieser hübschen amerikanischen Indie-Komödie ist auch das kein Hinderungsgrund für ein allumfassendes Happy End, bei dem alle etwas gelernt haben, der Zuschauer leidlich unterhalten wurde und verschmerzen kann, dass das Ganze doch etwas arg glatt aufgeht.

Webseite: www.concorde-film.de

OT: Dan in real Life
USA 2007
Regie: Peter Hedges
Darsteller: Steve Carell, Juliette Binoche, Dane Cook, Diane Wiest, Amy Ryan, John Mahoney
 98 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: Concorde
Kinostart: 20. März 2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Gerade in Komödien sind Familientreffen ein überaus beliebtes Stilmittel. Egal ob Weihnachten, Ostern, Thanksgiving oder – wie hier – einfach nur ein Besuch der Kinder nebst Anhang bei den Eltern. Der zeitlich und räumlich begrenzte Rahmen ermöglicht es, Probleme und Verwicklungen einfach auf den Punkt zu bringen. Dass diese Konstruktion nicht unbedingt originell ist, es sich ein Drehbuchautor damit oft sehr einfach macht, lässt für Peter Hedges Film Schlimmes befürchten, dass sich nur zum Teil bewahrheitet. Schon in seinem Debütfilm „Pieces of April“ hatte Hedges eine Feier, damals Thanksgiving, dazu benutzt, seine Figuren notwendige Lektionen erfahren zu lassen. Die erlebt in seinem neuen Film Dan, angenehm zurückhaltend gespielt von Steve Carell. Der ist Autor der Beratungskolumne Dan in real Life, doch im wahren Leben ist er deutlich weniger geschickt. Seit dem Tod seiner Frau lebt er mit seinen drei Töchtern allein, schmeißt den Haushalt und versucht ein guter Vater zu sein. Da die beiden ältesten Töchter langsam in die Pubertät kommen, wird diese Aufgabe immer schwieriger, Zeit eine neue Frau kennen zu lernen bleibt da erst recht nicht.

Ein Besuch bei den Eltern (Dianne Wiest und John Mahoney) ändert Dans Schicksal von einem Moment auf den anderen. Beim Zeitung holen lernt er die hinreißende Marie (Juliette Binoche) kennen, mit der er offenbar die Frau seines Lebens gefunden hat. Doch es gibt ein Problem: Marie hat gerade eine neue Beziehung begonnen. Als wenn das nicht genug wäre, offenbart sich bei Dans Rückkehr in den Schoß seiner Familie ein noch viel größeres Problem: Der neue Freund von Marie ist Dans Bruder Mitch (Dane Cook). Nun ist dem Zuschauer sofort klar, dass Marie und Dan zusammengehören, die Frage ist nur, wie kommt der Film dahin. Nun, er tut es mit einigen Drehbuchschlenkern, die nicht direkt unglaubwürdig sind, aber doch zu einem überaus glatten Ergebnis führen. Sämtliche Konflikte lösen sich in Wohlgefallen auf, Dan lässt seinen Töchtern mehr Freiräume und fängt wieder an, selbst zu leben. 

Ein bisschen weniger eitel Sonnenschein wäre zwar schön gewesen, aber auch so ist „Dan – Mitten im Leben“ ein unterhaltsamer Film. Das liegt in erster Linie am Darstellerensemble um Steve Carrel, das ausgesprochen entspannt aufspielt. Am Ende ist „Dan“ zwar nicht so gut und originell wie der vergleichbare „Little Miss Sunshine“, aber doch ein überdurchschnittlicher amerikanischer Independent-Film.

 

Michael Meyns

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Dans Frau lebt nicht mehr. Umso treusorgender ist er als Vater. Drei Töchter muss er erziehen und überwachen: Jane, die soeben ihren Führerschein bestanden hat, Cara, viel zu jung für eine Liebschaft, aber nicht davon abzubringen, und die kleine Lilly, die mit einem selbst gefertigten Geschenk dem Vater die Augen für das öffnet, was wirklich wichtig ist.

Dan trifft in einer Buchhandlung zufällig auf die junge attraktive Marie. Weil sie der Meinung ist, Dan sei Buchhändler und Verkäufer, lässt sie sich von ihm beraten. Der erste Kontakt, der noch viel weiter führen wird, ist hergestellt. 

In Dans weit weitverzweigter Verwandtschaft wird Familienleben groß geschrieben. Zur Zeit ist wieder ein Fest mit Großeltern, Brüdern und Schwestern sowie Enkeln im Gange. Dan denkt an Marie. Doch wie stark ist der Schock, als diese bei der Feier auftaucht – als neue Freundin von Dans Bruder Mitch.

Dan und Marie fühlen sich während der nächsten Tage unwiderstehlich angezogen, und doch müssen sie gegen diese Gefühle angehen: Marie ist ja vergeben, und Dan muss wegen der Zukunft seiner Töchter verantwortungsvoll handeln.

Und so vergeht das allgemeine Beisammensein mit Football-Spielen, Familien-Talentshows, Fitness- und Aerobic-Übungen, üppigen Mahlzeiten und Gesprächen – aber bei Marie und Dan auch in der Gespanntheit und der Erwartung, was aus ihren Empfindungen werden wird. Das wäre doch gelacht, wenn daraus nichts würde.

Liebesfilm, Familienfilm, Unterhaltungsfilm, von allem etwas. Aber Achtung! Sich auf ein thematisch und dramaturgisch gut geschriebenes Drehbuch stützend – von Autor und Regisseur Peter Hedges stammt z.B. auch „Gilbert Grape – Irgendwo in
Iowa“ – ist das eine einnehmende, immer natürlich wirkende, vielszenige und sehr lebendige Sache mit Figuren geworden, mit denen man sich identifizieren kann. 

Eine menschliche Komödie über die unübliche Situation zweier Menschen, die verzweifelt versuchen, sich nicht ineinander zu verlieben, obwohl sie sich der Realität nicht entziehen können. Wenn man dazu noch bedenkt, dass Juliette Binoche und Steve Carell dieses Paar spielen, kann man nachvollziehen, dass der Film gelungen ist.

Thomas Engel