Das Ende der Sterne

Geschichten über den Zusammenbruch der Zivilisation, über die Beinahe-Auslöschung der Menschheit gab es in den letzten Jahren in Film und Fernsehen schon viele. Insofern hat Ridley Scotts jüngste Regiearbeit „Das Ende der Sterne“ nach einem Bestseller von US-Schriftsteller Peter Heller zwangsläufig kaum spektakuläre neue Ideen zu bieten. Als postapokalyptisches Drama mit eindrucksvollen Bildern und interessanten Figurendynamiken macht die Adaption jedoch einiges richtig. Schade wiederum, dass die letzte halbe Stunde den positiven Eindruck unterhöhlt. 

 

Über den Film

Originaltitel

The Dog Stars

Deutscher Titel

Das Ende der Sterne

Produktionsland

USA

Filmdauer

100 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Mark L. Smith, Cliff Roberts, Michael A. Pruss, Ridley Scott

Regisseur

Ridley Scott

Verleih

The Walt Disney Company (Germany) GmbH

Starttermin

27.08.2026

 

Ist der Mensch ein soziales Wesen? Ein Geschöpf, das auch in größter Not nicht nur an sich selbst denkt? Oder zeigt sich gerade im Angesicht einer Katastrophe sein rücksichtsloser, egoistischer Charakter? In dem Moment, wo alle Strukturen wegbrechen, es bloß ums nackte Überleben geht? Fragen wie diese gehören zum Standardrepertoire des dystopischen Erzählens – und kommen auch in Ridley Scotts neuem Film „Das Ende der Sterne“ zum Vorschein, einer Adaption von Peter Hellers Roman „Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte“. Hauptfigur Hig (Jacob Elordi) verkörpert darin den Glauben an das Gute, die Hoffnung auf Zusammenhalt, auf Nähe und Geborgenheit unter widrigsten Bedingungen. Gleichzeitig trauert der frühere Mechaniker nach einer verheerenden Viruspandemie, die einen Großteil der Menschheit dahingerafft hat, um seine Frau und ihr schon vor der Geburt gestorbenes Baby. Bei aller Zuversicht, dass es eine Zukunft jenseits des rauen Überlebenskampfes geben möge, lässt ihn die Vergangenheit nicht los.

 

Ganz anders sieht das der ruppig Bangley (Josh Brolin), mit dem sich Hig nach dem Niedergang der Zivilisation zusammengetan hat. Sein Kompagnon ist ganz im Hier und Jetzt verankert, geht voll in der Verteidigung ihres kleinen Refugiums auf einem verlassenen Flugplatz im US-Bundesstaat Colorado auf. „Ich oder die anderen!“ lautet Bangleys Devise. Ein Mann, der den Geist des Trumpismus atmet, der lieber sofort schießt, anstatt nachzufragen, der die Menschen schon vor dem Seuchenausbruch für selbstsüchtige Kreaturen hält. Der Untergang habe ihnen bloß die Masken vom Gesicht gerissen. Während er in der neuen Wirklichkeit die Quintessenz des amerikanischen Traums erkennt, fühlt sich Hig eher in einem Albtraum gefangen. 

 

Die beiden sind grundverschieden, bilden aber dennoch eine Zweckgemeinschaft, die offenbar schon längere Zeit funktioniert. Als Higs geliebter Hund Jasper jedoch bei einem Angriff von Plünderern getötet wird, ist für ihn der Moment zum Weiterziehen gekommen. Nun endlich möchte der junge Pilot mit einer alten Cessna einem mysteriösen Funksignal auf den Grund gehen, das er bereits einige Male empfangen hat. Gibt es da draußen womöglich andere, die an ein besseres Morgen glauben, die einer größeren Gemeinschaft angehören? 

 

Higs Aufbruch ins Ungewisse endet „dank“ eines Problems an seinem Flugzeug allerdings früher als geplant, was dem Film eine neue Dynamik verleiht. Denn plötzlich trifft unser Held auf Cima (Margaret Qualley) und ihren nur Pops genannten Vater (Guy Pearce), die inmitten der Zerstörung ihr eigenes kleines Zuhause erschaffen haben. Während Pops den bruchgelandeten Fremden zunächst mit unverhohlenem Misstrauen beäugt, zeigt sich seine Tochter schnell hilfsbereit. Und nicht nur das: Zwischen ihr und Hig kommen sogar Gefühle auf, obwohl beide den Verlust geliebter Menschen betrauern. Erfreulicherweise inszeniert Ridley Scott das Erzählklischee der Romanze nie zu aufdringlich.

 

„Das Ende der Sterne“ fügt dem Genre des dystopischen Films keine neuen Erkenntnisse hinzu, reißt existenzielle Fragen oft nur an, anstatt sich ausführlicher zu ergründen. Für seine Figuren interessiert sich die Adaption aber doch so weit, dass sie mehr sind als bloße Drehbuchkreationen. Hier und da treten echte Emotionen zu Tage, berührt das Geschehen eine tiefere Ebene. Visuell fährt Ridley Scott Bekanntes auf: stimmungsvolle Bilder einer menschenleeren, von der Natur langsam zurückeroberten Großstadt und prächtige Landschaftspanoramen (gedreht wurde vorwiegend in Norditalien). Ein aufregender Kontrast zwischen Schönheit und Verfall. 

 

Auch die wuchtigen Impressionen können indes nicht kaschieren, dass das postapokalyptische Drama in den letzten 40 Minuten abbaut. Waren Inszenierung und Handlung vorher halbwegs geerdet, gewinnen Knall- und Schockeffekte, teilweise in Abwandlung der Romanvorlage, nun die Oberhand. Stereotypen des Endzeitkinos häufen sich. Es wird pathetischer. Und manche Sequenzen wollen in ihrer krampfhaften Überdrehtheit nicht recht zum Vorangegangen passen. In der Konsequenz sind einem die Figuren, denen man eigentlich gut folgen konnte, plötzlich nicht mehr so nah. Schade, dass der Film hier seinen Fokus verliert und dadurch einiges an Wirkung einbüßt.

 

Christopher Diekhaus

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