Vom Humor heißt es, dass er stark regional geprägt sei. Welche Form müsste also eine skurrile Komödie haben, die in Hannover spielt, der Stadt, in der angeblich das reinste Hochdeutsch gesprochen wird? Vielleicht sähe so eine Komödie annähernd so aus wie Josef Brandls Debütfilm „Superbuhei“, in dem Oliver Korritke langsam durchdreht und auf eine Art Doppelgänger trifft – vielleicht fiktiv, vielleicht real.
Über den Film
Originaltitel
Superbuhei
Deutscher Titel
Superbuhei
Produktionsland
DEU
Filmdauer
13 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Josef Brandl
Verleih
barnsteiner-film
Starttermin
12.11.2026
„Wir haben doch ein gutes Leben“ fragt Jesse Bronske (Oliver Korritke) einmal seine Frau Mona (Silke Bodenbender), die tatsächlich auch ganz zufrieden mit der gemeinsamen Existenz zu sein scheint. Und das, obwohl das Paar in Hannover-Langenhausen lebt, nicht unbedingt der Mittelpunkt der Welt, in einem wenig schmucken Häuschen, wo Jesse abends ein oder eher zwei oder drei Bierchen trinkt und man sich morgens gemeinsam auf den Weg zur Arbeit macht.
Während Mona im Supermarkt Superbuhei an der Kasse sitzt oder Waren in die Regale räumt, sammelt Jesse schon am frühen Morgen die lokalen Schnapsnasen ein, die jeden Tag an seiner Theke rumlungern, den Tag mit einem Schnaps beginnen und sich an ihren Bieren festhalten. Die Bar trägt den schönen Namen Klaus Meine Bar, benannt nach dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt, Klaus Meine, dem Sänger der Scorpions.
Wind of Change trällert es dementsprechend aus den Boxen und Veränderungen wird es auch bald in Jesses Leben geben. Zum einen lässt Klaus Meine nach einem kurzen Besuch in der Bar (tatsächlich der echte Klaus Meine in einem hübschen Kurzauftritt), seine Anwälte auffahren, die eine Namensänderung fordern, zum anderen, weil Jesse immer häufiger eine seltsame Gestalt sieht, die ihm auffällig ähnlichsieht.
Ob es sich hier um eine reale Person handelt, die ihm aus unerklärlichen Gründen auflauert oder es sich vielleicht doch um einen Auswuchs seiner Imagination handelt bleibt lange offen, zumal Jesse gelegentlich einen Drehbuchkurs besucht, geleitet von einem Herrn Schmochtke (Jan Henrik Stahlberg), der gleich zu Beginn den Kursteilnehmern einen wertvollen Hinweis gibt: „Der Handlungsort ist immer auch Ausdruck der Seele des Protagonisten.“
In diesem Sinne darf man durchaus etwas Mitleid mit Jesse haben, denn die Handlungsorte von „Superbuhei“ sind von ausgesuchter Trostlosigkeit. Die Bar wirkt mit ihren großen Glasfenstern wie ein Schaukasten, in dem Verlierer sich den vorbeigehenden Passanten als warnendes Beispiel präsentieren, während im Supermarkt keine bunte Vielfalt vorherrscht, sondern farblose Eigenmarken.
Besonders in diesem Szenenbild haben die Ausstatter ganze Arbeit geleistet, hier zeigt sich, dass Regisseur und Co-Autor Josef Brandl auch bei einigen Wes Anderson-Filmen als Set Designer mitgewirkt und viel mitgenommen hat. Die langen Reihen von farblosen Eigenmarken mit dem Kürzel SB durch die Jesse immer wieder taumelt, wirken zunehmend wie ein Irrgarten, in dem er sich mehr und mehr verliert.
Noch schöner gestaltet wirken nur die Animationssequenzen, die Einblicke in Jesse Vergangenheit und seine Psyche geben: Der Drang zum Höheren, zum künstlerischen Ausdruck, so erfährt man hier, hatte Jesse von seinem Vater geerbt, einem selbsternannten Performer, der mit einer Elvis-Pantomime Erfolg haben wollte – aber darüber nur seine Frau verlor.
Tiefsitzende Traumata deuten sich hier an, die „Superbuhei“ immer weiter von der anfänglichen Komödie wegführen und ihn bald zu einem Psychothriller werden lassen, in dessen Windungen sich nicht nur Jesse verliert. Manche Drehbuchwendung, besonders der Versuch, mittels des Drehbuchkurses eine selbstreflexive Ebene einzubauen, wirkt zwar etwas überambitioniert, dank der mehr als gelungenen Ausstattung und einem wunderbar zerknitterten Oliver Korritke in der Hauptrolle erweist sich Josef Brandls Film aber als gelungene Mischung aus trockenem Humor und Mind Fuck. Und das in der Tristesse von Hannover-Langenhausen.
Michael Meyns






