Das Sommerbuch

Mit etwas Verspätung findet diese finnisch-britische Romanverfilmung mit Starbesetzung den Weg auf die hiesigen Leinwände. Die Vorlage stammt von Tove Jansson, die mit ihren „Mumins“-Büchern enorm populär wurde. Statt um Fabelwesen oder Trolle geht es hier um eine Tochter, deren Oma sowie den verwitweten Vater. Die Familienaufstellung findet auf einer einsamen kleinen Insel statt. Durch die sonnendurchflutete Idylle weht ein wenig der Wind von Bullerbü. Geplaudert wird über Gott und die Welt und die letzten Fragen der Menschheit. Es geht auch um Trauer und Tod. Das alles gelingt sehr bewegend und ganz ohne Kitsch. Kann eine achtfach nominierte Schauspielerin sich noch steigern? Glenn Close gelingt dieses Kunststück mit Leichtigkeit. Ein ziemlicher Glücksfall fürs Arthaus-Kino.

 

Über den Film

Originaltitel

The Summer Book

Deutscher Titel

Das Sommerbuch

Produktionsland

GBR,USA,FNL,USA

Filmdauer

90 min

Produktionsjahr

2024

Regisseur

McDowll, Charlie

Verleih

Film Kino Text – Jürgen Lütz

Starttermin

25.06.2026

 

Die sechsjährige Sophia besucht im Sommer mit ihrer Großmutter das Familienhäuschen auf einer winzigen, einsamen Schäreninsel. Gemeinsam mit dem Vater wird der idyllische Ort im finnischen Meerbusen erkundet. Man plaudert über die Natur, über Gott und die Welt. Nur der Tod von Sophias Mutter bleibt zunächst tabu. Der Ehemann hat den Schicksalsschlag kaum verkraftet, er flüchtet sich wortkarg in seine Arbeit als Illustrator. Die sensible Tochter fühlt sich unverstanden und vernachlässigt. Eine kluge Oma freilich weiß, wie man geschickt vermitteln kann und die Enkelin auf andere Gedanken bringt. 

 

Ein Ausflug auf die geheimnisvolle Nachbarinsel, ein Besuch des verlassenen Leuchtturms oder die gemeinsame Vorbereitung auf die Mittsommernacht sorgen für willkommene Abwechslung. Ein gefundenes Kätzchen sorgt zudem für kuschelige Momente. Bei den Gesprächen zwischen Oma und Enkelin trifft kindliche Neugier auf die sanfte Weisheit des Alters. Die treffsicheren Dialoge klingen so: „Wann wirst du sterben?“ – „Das geht dich nichts an!“ – „Warum geht mich das nichts an?“ Oder so: „Gibt es Ameisen im Himmel?“ Oder so: „Lieber Gott, ich langweile mich. Lass irgendetwas passieren. Einen Sturm!“ Das Stoßgebet wird dramatische Folgen haben…

 

Zu den glaubwürdigen Figuren und der einfühlsamen Erzählweise gesellt sich eine poetische Bildsprache, die Goldstaub auf die Leinwand zaubert. Als Sahnehäubchen erweisen sich die zwei grandiosen Darstellerinnen. Debütantin Emily Matthews präsentiert sich lässig mit charismatischer Natürlichkeit. Mit stolzen acht Oscar-Nominierungen auf dem Buckel zeigt sich Hollywood-Ikone Glenn Close in Bestform als Rebellin der Herzen. Einst habe sie, so erzählt sie der staunenden Enkelin stolz, die Pfadfinder auch für Mädchen geöffnet. Gebückt und am Stock schreitet die alte Dame würdevoll über die verwitterte Landschaft. Raucht genüsslich in der Sonne eine Zigarette. Oder lauscht alten Schallplatten. Stets hat sie ein Lächeln auf den Lippen – das dürfte dem Publikum nach diesem beglückenden Sommermärchen mit Sogwirkung durchaus ähnlich ergehen.                                                                                             

 

Dieter Oßwald

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.