Death Sentence – Todesurteil

Nachdem sein Sohn von einer Gang getötet wurde und der Täter mit nur einer geringen Strafe davonzukommen droht, nimmt Nick Hume (Kevin Bacon), das Gesetz in die eigene Hand. Doch er ahnt nicht wohin seine Rache führt, mit welchen persönlichen Kosten sie verbunden ist. Diesmal ist es „Saw“-Erfinder James Wan, der sich dem uramerikanischen Sujet des Selbstjustiz-Film annimmt. Zwar versucht Wan eine etwas differenzierte Herangehensweise an das Thema zu wagen, im Kern bleibt „Death Sentence – Todesurteil“ ein moralisch überaus fragwürdiger Film, der allerdings stilistisch von bisweilen sensationeller Qualität ist.

Webseite: www.deathsentencemovie.com

USA 2007
Regie: James Wan
Buch: Ian Jeffers, nach dem Roman von Brian Garfield
Kamera: John R. Leonetti
Schnitt: Michael N. Knue
Musik: Charlie Clouser
Darsteller: Kevin Bacon, Kelly Preston, Garrett Hedlund, Aisha Tyler, Leigh Whannell, John Goodman
100 Minuten, Format 1:2,35 (Scope)
Verlieh: Concorde Film
Kinostart: 13. September 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Humes führen ein Leben wie aus dem Bilderbuch: Die Eltern erfolgreich, der ältere Sohn Branden auf dem Weg zu einer Sportkarriere, allein der jüngere Sohn leidet ein wenig an seiner Nachzügler-Rolle. Doch alles ändert sich, als Branden auf dem Heimweg, vor den Augen seines Vaters, von einer Gang getötet wird. Zwar wird der Täter gefasst, doch als Nick erfährt, dass die Tat nicht mehr war als ein Aufnahmeritual, sein Sohn also für rein gar nichts gestorben ist, der Täter zu allem Überfluss auch noch mit einer niedrigen Strafe rechnen kann, beschließt er, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. Er konfrontiert den Täter und tötet ihn. Eher im Affekt als kaltblütig, aber für Billy, den Anführer der Gang, macht das keinen Unterschied. Er will nun seinerseits Rache und so steigern sich beide Seiten immer mehr zu einem Kleinkrieg hoch, an dessen Ende kaum jemand überlebt.

 

Ein Blick auf den Autor der Romanvorlage genügt, um ziemlich genau zu wissen, was man hier zu erwarten hat: Brian Garfield heißt er und ist vor allem dafür berühmt (oder berüchtigt), die Vorlage zu „Death Wish“, auf Deutsch „Ein Mann sieht Rot“ und seinen diversen Fortsetzungen geschrieben zu haben. Dieser Anfang der 70er Jahre erschienen Roman und seine kurz danach entstandene Verfilmung mit Charles Bronson als rachsüchtigem Familienvater war zwar beileibe nicht die erste fiktive Ergründung der Selbstjustiz-Thematik. Doch in einer Zeit, in der die amerikanische Gesellschaft angesichts von zahllosen inneren und äußeren Krisen den Glauben an die Fähigkeit des Obrigkeit für Recht und Ordnung zu sorgen, zu zweifeln begann, bot „Death Wish“ eine willkommene Alternative an.

Vielleicht ist es also kein Zufall, dass ausgerechnet in dieser Zeit, wo die außenpolitischen Desaster der Bush-Administration und die ständige Bedrohung durch terroristische Anschläge die amerikanische Psyche belasten gleich mehrere Selbstjustiz-Filme ins Kino kommen. Neben „Death Sentence“ ist das vor allem „The Brave One“ in der Jodie Foster eine Frau spielt, die nach einem brutalen Überfall Rache schwört. (In Deutschland startet dieser Film von Neil Jordan am 27. September) Ob sich in diesen und anderen Filmen eine neuerliche Reaktion auf ein grassierendes Gefühl der Ohnmacht gegenüber äußeren Bedrohungen manifestiert ist sei dahingestellt. Ebenso die Frage ob in der bereits 1990 erschienenden Romanvorlage zu „Death Sentence“, die im Film nur angedeuteten moralischen Fragen stärker im Vordergrund standen. Ansatzweise spürt man in der Darstellung von Kevin Bacon die moralische Zerrissenheit des Vaters, der ahnt, was er mit seinem Vorgehen heraufbeschwört, dass er seinen Sohn auch mit noch so viel Rache nicht zurückbekommen wird. Doch spätestens wenn sich Bacon nach gut der Hälfte des Films eine Glatze rasiert und bei einem Waffenhändler ordentlich aufrüstet, verliert der Film jedes Maß. Dass ist umso bedauerlicher, als James Wan, der schon in den für sehr wenig Geld produzierten „Saw“-Filmen viel visuelles Talent bewies (wenngleich auch ebensoviel Lust an brutalsten Gewaltdarstellungen), einige der atemberaubendsten Szenen des Jahres gelungen ist. Doch diese visuell überwältigenden Momente sind solitäre in einem Film, der ansonsten für seine moralisch überaus fragwürdige Haltung in Erinnerung bleiben wird.

Michael Meyns

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Nicolas Hume lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen Brendan und Luke ein normales Leben. Als er eines Tages Brendan vom Eishockey-Training nach Hause fährt, machen die beiden an einer Tankstelle halt. Da geschieht plötzlich ein brutaler Raubüberfall durch eine Punk-Bande. Brendan wird dabei getötet.

Es kommt zum Justizverfahren. Hume hat jedoch schlechte Karten. Mit der Überwachungskamera an der Tankstelle und mit der Zeugen-Situation hapert es. Deshalb soll nur ein schäbiger Deal ausgehandelt werden. Nicolas gibt auf. Der Mörder kommt frei.

Doch Hume lässt die Sache keineswegs auf sich beruhen. Er verfolgt die Bande und insbesondere den Täter. Ein „Ein Mann sieht rot“-Szenario setzt ein. Verfolgungen mit Autos und durch finstere (gut ausgesuchte) Locations gehen los, Kämpfe, Stunts, Überfälle, Schießereien, Polizistenmorde und fürchterliche Racheübungen sind an der Tagesordnung. Bis zum gnadenlosen Showdown.

Regie und Montage wirken routiniert. Die Spannung wird bis zum Schluss durchgehalten. Kevin Bacon in der Hauptrolle als Nicolas Hume spielt toll. Alles in allem ein gut gemachter, von seiner Einstellung her allerdings sehr fraglicher Selbstjustiz(!)-Krimi.

Thomas Engel