Der Regenmeister

Es ist heiß, so richtig heiß, das kann man in diesen Tagen besonders nachfühlen. In letzter Zeit musste auf Wasser geachtet werden – in München beispielsweise durften Gärten nicht mehr gewässert und Pools nicht befüllt werden. Umso mehr spürt man die flirrende Hitze in „Der Regenmeister“, dem neuen Film des schwedischen Regisseurs Hannes Holm („Ein Mann namens Ove“). Aber um die Hitze geht es nur nebenbei, mehr ist es die Geschichte eines Vaters und einer Tochter, die lange nicht mehr miteinander gesprochen haben. 

 

Über den Film

Originaltitel

Regnmannen

Deutscher Titel

Der Regenmeister

Produktionsland

SWE

Filmdauer

109 min

Produktionsjahr

2025

Produzent

Patrick Ryborn

Regisseur

Hannes Holm

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

13.08.2026

 

Ingmar Karlsson (Robert Gustafsson) lebt in einer Kleinstadt im Süden Schwedens. Seit dem Tod seiner Frau ist das Verhältnis zu seiner Tochter gestört, sein einziger sozialer Kontakt ist der aufdringliche Nachbar Rolf, der ihn sogleich ermahnt, dass er nur noch mit der Gießkanne, aber nicht mehr mit dem Schlauch den Garten wässern darf. Im heißesten Sommer seit Menschengedenken warten alle auf den erlösenden Regen, doch es ist Ingmar, der ihn bringen kann. Er versteht nicht, wie er es tut, aber er kann es regnen lassen, und das nutzt er, um durchzusetzen, was er will. Etwa eine Statue seiner Frau zu ihrem Gedenken. Aber das ist längst nicht alles. Könnte diese Gabe nicht sogar die ganze Welt verändern?

 

„Der Regenmeister“ ist ein gefühlvoller Film, leise erzählt, unaufdringlich, aber schön in der Bildsprache. Er nutzt ein übernatürliches Element, aber das ist im Grunde bedeutungslos, weil der Regen – oder der Mann, der ihn machen kann – nur der Katalysator für eine ganz andere Geschichte ist. Es geht um das Erinnern, aber auch darum, dass solche Erinnerungen verklärt sein können. Wie Ingmar seine tote Frau sieht, entspricht nicht dem, wie sie war. Und wie er sie bestatten will, nicht dem, was seine Tochter sich vorstellt. Er steht im inneren, aber auch äußeren Konflikt, den er in Einklang mit sich selbst bringen will. 

 

Robert Gustafsson („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) spielt Ingmar als einen Mann der Widersprüche. Als ein Schöngeist, der die Welt nicht unbedingt sehen will, wie sie ist, ein Griesgram, der sozial wenig kompatibel ist, ein Mann, der sich die Welt macht, wie sie ihm gefällt, um sie zu ertragen. Und als ein Mann, der plötzlich Träume davon hegt, der ganzen Welt ein Geschenk machen zu können. Natürlich nur, so lange es nicht regnet, denn das ist das einzige Druckmittel, das er besitzt. 

 

„Der Regenmeister“ war einer der erfolgreichsten Filme des letzten Jahres in Schweden. Das liegt sicher an der Zugänglichkeit, an dem Gefühl, aber auch an den Themen, die immer wieder in den Fokus rücken, seien es die Würde des Menschen auch bei seinem Ableben oder die Möglichkeit, auch im hohen Alter noch einen Neuanfang zu wagen. Der Film ist sympathisch und wunderschön, nur muss man sich auch auf ihn einlassen. Denn zugleich ist das fast zweistündige Werk auch relativ langsam erzählt. Das mag der eine oder andere als Geduldsprobe empfinden, belohnt wird sie jedoch durch eine elegante Inszenierung, einen überzeugenden Hauptdarsteller und einer Geschichte, die nachdenken lässt. 

 

Peter Osteried

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