Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa

Kaum zu glauben, dass dieser wunderbare Animationsfilm über eine Giraffe, die im frühen 19. Jahrhundert als Geschenk an den französischen König in Paris für Aufruhr sorgt, auf wahren Begebenheiten beruht. Nun, zumindest zum Teil, denn in erster Linie ist das Abenteuer der Giraffe Zarafa ein enorm phantasievoller, geradezu magischer Film, der bisweilen wie eine Geschichte aus 1001 Nacht wirkt.

Webseite: www.alamodefilm.de

Frankreich, Belgien 2011 – Animationsfilm
Regie: Rémi Bezancon, Jean-Christophe Lie
Buch: Alexander Abela, Rémi Bezancon
Länge: 78 Minuten
Verleih: Alamode Film, Vertrieb: Filmagentinnen
Kinostart: 11. Oktober 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im Jahre 1824 schenkte der ägyptische Pascha Mehmet Ali dem französischen König Karl X. eine Giraffe, die per Schiff in Begleitung von drei Kühen nach Marseille und von dort nach Paris gebracht wurde. Dort angekommen, verursachte die Giraffe, die manchen Berichten zu Folge Zarafa genannt wurde, eine regelrechte Giraffomanie. Diese wahre Geschichte nahm das Regieduo Rémi Bezancon und Jean-Christophe Lie zum Anlass für seinen märchenhaften Animationsfilm „Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa“, der irgendwo im Herzen Afrikas beginnt.

Unter einem riesigen Affenbrotbaum sitzend erzählt ein greiser Mann einer Gruppe von Kindern eine Geschichte. Sie handelt von Maki, einem kleinen Jungen, der von einem französischen Sklavenhändler Moreno gefangen genommen wird. Mit List und viel Mut kann Maki entkommen und begegnet der kleinen Giraffe Zarafa. Doch erst der edle Beduine Hassan beschützt Maki endgültig vor Moreno. Hassan allerdings hat andere Pläne mit Zarafa als Maki: Durch die Wüste bringt er das Tier nach Alexandria, wo die Stadt des Paschas von türkischen Schiffen belagert wird. Der gewagte Plan sieht vor, die Giraffe nach Paris zu bringen, um den französischen König zu bewegen, die Ägypter zu unterstützen. Doch wie soll die Seeblockade umgangen werden? Natürlich per Luftballon, in dem sich Hassan, Maki, Zarafa und die beiden Kühe Mounh und Sounh bald auf dem Weg nach Paris befinden.

Sich auf die afrikanische Tradition der mündlich überlieferten Geschichte zu berufen ist ein cleverer Einfall. Denn auch wenn die Grundzüge der Geschichte tatsächlich passiert sind, ermöglicht dies den Autoren, ganz ihrer Phantasie zu folgen. Ohne sich allzu sehr um Wahrscheinlichkeiten zu kümmern, spinnen sie eine fabelhafte Geschichte zusammen, in der redselige Händler, die Plätze auf Dromedaren verkaufen wie Bustickets, genauso Platz haben wie Sirtaki tanzende Piraten, fliegende Kühe und wundersame Rettungen. Die Mischung aus historischen Realismus und magischen Elementen wird dabei zum Glück nicht für absurde Wendungen missbraucht, sondern bleibt im Herzen eine ergreifende Geschichte über Freundschaft, Versprechungen und der Sehnsucht nach der Heimat.

Was „Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa“ aber endgültig zu einem großartigen Film macht, ist die visuelle Umsetzung. Dabei erweist sich die Zusammenarbeit der Regisseure als außerordentlich fruchtbar: Während Rémi Bezancon bislang nur an Realfilmen arbeitete, hat Jean-Christophe Lie sowohl bei großen Disney-Filmen wie „Tarzan“ oder „Der Glöckner von Notre-Dame“ mitgearbeitet, als auch bei den französischen Animationsfilmen „Die Drillinge von Belleville“ und „Kiriku und die wilden Tiere.“ Diese so unterschiedlichen Einflüsse verbinden sich in „Zarafa“ zu einem visuellen Stil, der die weite der Scope-Leinwand mit den Feinheiten französischer Comics verbindet. Sowohl in der farbdurchtränkten Wüste als auch später, wenn die Handlung in das düster wirkende Paris wechselt, besticht „Zarafa“ durch außerordentliche Bilder. Zusammen mit der ebenso einfachen wie berührenden Geschichte und vielen humorvollen Momenten entstand so ein außerordentlicher Film, der zwar eine kindliche Geschichte erzählt, aber definitiv kein Animationsfilm nur für Kinder ist.

Michael Meyns