Ecstasy

15 Jahre nach „Trainspotting“ kommt mit „Irvine Welsh’s Ecstasy“ eine weitere Verfilmung des schottischen Kultautors in die Kinos, die fast identisches Terrain wie das große Vorbild abarbeitet: Die Party-Szene Edinburghs, der Rausch von Tanz, Musik, Sex und Drogen, schließlich der schwierige Prozess des Clean-Werdens. Kein Vergleich zum legendären „Trainspotting“ aber für sich genommen ein annehmbarer Film über Drogen und die Liebe.

Webseite: www.ecstasymovie.com

OT: Irvine Welsh’s Ecstasy
Kanada 2011
Regie: Rob Heydon
Buch: Rob Heydon, Ben Tucker, nach dem Roman von Irvine Welsh
Darsteller: Adam Sinclair, Kirstin Kreuk, Billy Boyd, Keram Malicki-Sanchez, Carlo Rota, Ashley Pover, Olivia Andrup
Länge: 100 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 16. August 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Lloyd (Adam Sincair) liebt Drogen. Zusammen mit seinen Freunden Woodsy (Billy Boyd) und Ally (Keram Malicki-Sanchez) tut er nichts lieber als in den Clubs seiner Heimatstadt Edinburgh zu feiern, zu tanzen und dazu ausgiebige Mengen Ecstasy zu schlucken. Ganz langsam dämmert es dem Endzwanziger aber, dass sein Leben auf der Stelle steht. Zunehmend sind er und seine Freunde die ältesten Besucher in den Clubs, wird ihm bewusst, dass es auch Anderes im Leben gibt. Zumal Lloyd auch „beruflich“ mit Drogen zu tun hat: Für den lokalen Drogenboss Solo (Carlo Rota) fliegt er regelmäßig nach Amsterdam, um in stets wechselnder Verkleidung und unter zunehmender Nervosität Drogen aller Art zu schmuggeln. Bislang ging das gut, bislang hat auch Solo nicht gemerkt, dass Lloyd gern einen Teil der Lieferung für den eigenen Konsum abzweigt. Dennoch hat er hohe Schulden bei Solo und dann tritt auch noch Heather (Kristin Kreuk) in sein Leben.

Die schöne Kanadierin kommt aus einer ganz anderen Welt als Lloyd und betrachtet die durchtanzten Nächte nicht als eigentliches Ziel ihres Daseins, sondern als Flucht aus ihrem unbefriedigten Alltag. Rasch sind Lloyd und Heather ein Paar, doch der immergleiche Zyklus aus Hochs und Tiefs, der mit der Droge verbunden ist, setzt der Beziehung zu. Lloyd muss sich entscheiden: Zwischen der Liebe zur Droge und der Droge Liebe.

Den unvermeidlichen Vergleich zu Danny Boyles Kultfilm „Trainspotting“ beschwört Rob Heydons „Irvine Welsh’s Ecstasy“ selbst herauf. Nicht nur die deutlichen Parallelen von Geschichte und Figuren, auch stilistisch greift Debütregisseur Heydon oft auf ähnliche Mittel zurück wie einst Boyle. Besonders beim Versuch, den Drogenrausch in Bilder zu fassen, einen Rauschzustand durch Zeitrafferaufnahmen, Stackato-Schnitte, Unschärfen und dröhnender Musik zu vermitteln, denkt man oft an das große Vorbild. Kein Wunder, entstand die literarische Vorlage zu beiden Filmen doch fast zeitgleich. Aus den drei Geschichten von Irving Welshs Ecstasy adaptierte Rob Heydon eine, reduzierte dadurch den facettenreichen Blick auf die Drogenszene auf eine Geschichte, die sich zunehmend von einer Geschichte über Drogen zu einer über die Liebe entwickelt.

Zwischen Begeisterung für den Drogenrausch und Ernüchterung über den folgenden Kater, zwischen Verklärung und Moralisieren bewegt sich Heydons Film und hält dabei meist eine Balance zwischen diesen beiden Extremen. Dieser Spagat gelingt nicht zuletzt durch die beiden sympathischen Hauptdarsteller Adam Sinclair und Kirstin Kreuk, die vom ersten Moment an viel Chemie entwickeln. Zusammen mit der pulsierenden Musik wird so aus einem etwas aus der Zeit gefallenen Film ein annehmbarer Film über Drogen, Musik und die Liebe.

Michael Meyns

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