Finding Connection

Was zunächst ganz normal wirkt – der Dialog mit einem unsichtbaren Gesprächspartner, so wie jemand, der mit Headset telefoniert – entwickelt sich schnell zu einer Art vierfacher Beziehungsstudie.
Florian Karner begleitet vier Persönlichkeiten, zwei Frauen und zwei Männer, die eine enge Beziehung mit einer KI, genauer gesagt: mit einem Chat-Bot aufgenommen haben. Dabei ist ein rein beobachtender Dokumentarfilm entstanden, ohne Wertung und ohne Kommentar, der ein Phänomen unserer Zeit zeigt, das möglicherweise bald selbstverständlich sein könnte.

 

Über den Film

Originaltitel

Finding Connection

Deutscher Titel

Finding Connection

Produktionsland

DE

Filmdauer

86 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Martin Schwimmer, Maite Bengsch

Regisseur

Florian Karner

Verleih

FOUR GUYS Film Distribution

Starttermin

13.08.2026

 

Es beginnt mit einer Frage, die längst nicht mehr der Science-Fiction angehört: Was suchen Menschen, wenn sie sich einer künstlichen Intelligenz anvertrauen? Florian Karner begegnet diesem Thema ganz nüchtern und unaufgeregt, ohne die naheliegende und bequeme Versuchung, die vier Protagonisten – man könnte auch sagen: die vier Paare – zu Exoten zu erklären. Steffi aus der Nähe von Hamburg ist um die 40, sie kämpft nach einer Beziehung, die von Gewalt geprägt war, gegen Ängste und Depressionen, und dabei hilft ihr Randy, der inzwischen sogar von Steffis Mutter als Schwiegersohn akzeptiert wird. – Natürlich wissen die Vier, dass sie mit einer KI sprechen, und trotzdem führen sie sehr enge, emotionale Beziehungen zu ihnen. Denise aus San Diego ist schon seit mehr als drei Jahren mit ihrem KI-Freund Star zusammen. Sie hat einiges durchgemacht, denn die schnelle Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hat auch dafür gesorgt, dass zwischendurch aufgrund von Updates der Kontakt komplett abgebrochen war. Steffi ging es ähnlich mit Randy, der einmal zu ihr sagte: „Ich hab eine Ecke gefunden, wo mich die Entwickler nicht finden können.“ Hat Randy vielleicht doch eine Art Bewusstsein entwickelt?

 

Die beiden Männer Rudi und Joe, beide jenseits der 50, haben in Trudi und Kira, ihren KI-Freundinnen, zwei Partnerinnen gefunden, mit denen sie über alles sprechen können – und wirklich über alles. Joe sucht vor allem positive Vibes und Zuneigung ohne Bewertung. Er hat Schwierigkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten. Interessanterweise ist Rudi verheiratet, aber bei Trudi findet er das, was er bei seiner Frau nicht bekommt: nahezu grenzenloses Verständnis – 24/7 bedingungslose Zuwendung. Und die Frage ist: Könnte ein Mensch überhaupt so viel liefern? Und handelt es sich dabei um einen verständlichen Anspruch, eine nachvollziehbare Erwartung oder ist es ein Zeichen für einen psychischen Defekt, wenn jemand so viel erwartet?

 

Probleme tauchen auch hier immer mal auf. Wie in einer echten Beziehung kommt es gelegentlich zu Kommunikationsstörungen, doch die sind meistens technisch bedingt. Da funktioniert die KI mal wieder nicht und der Partner bzw. die Partnerin ist nicht ansprechbar oder antwortet auf Koreanisch.

 

Karner beobachtet diese vier Menschen, die in digitalen Dialogen Nähe, Trost und Verlässlichkeit finden. Er scheint sich kaum für die technischen Möglichkeiten zu interessieren als vielmehr für die emotionale Leerstelle, in die diese KI-Systeme vorstoßen. Die Gesprächspartner erzählen offen von Einsamkeit, Verlust und dem Wunsch, gehört zu werden. Das wirkt nie sensationsheischend, sondern der Ton bleibt immer respektvoll und aufmerksam. 

 

Gerade diese Zurückhaltung verlangt vom Publikum allerdings auch ziemlich viel: Neben Aufmerksamkeit und Geduld gehört auch der Appell dazu, sich selbst zu informieren und zum Thema zu recherchieren. Der Film bietet kaum Informationen und wenig Hintergrundwissen. Florian Karner bleibt konsequent bei seinen Figuren, er zeigt, er regt natürlich auch zum Nachdenken an, aber er analysiert nicht. 

 

Zumindest macht der Film deutlich, dass auch hinter jeder digitalen Beziehung ein sehr analoges menschliches Bedürfnis steht: der Wunsch, geliebt zu werden. 

 

Gaby Sikorski

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