ganz große Traum, Der

Spätestens seit dem Wunder von Bern wird Fußball hierzulande wie ein nationales Heiligtum behandelt. Doch das war nicht immer so. Die Komödie „Der ganz große Traum“ erzählt mit sehr viel Humor von der schwierigen Geburtsstunde der beliebten Volkssportart in Deutschland. Daniel Brühl schlüpft dabei in die Rolle des Fußballpioniers Konrad Koch, dessen Todestag sich am 13. April zum hundertsten Mal jährt. Daneben sind Burghart Klaußner, Justus von Dohnanyi und Axel Prahl in dem munteren Streifen zu sehen.

Webseite: www.derganzgrossetraum.de

Deutschland 2010
Regie: Sebastian Grobler
Drehbuch: Philipp Roth, Johanna Stuttmann
Darsteller: Daniel Brühl, Burghart Klaußner, Justus von Dohnanyi, Axel Prahl
Verleih: Senator
105 Minuten
Kinostart: 24.02.2011

PRESSESTIMMEN:

…erzählt charmant und liebevoll ausgestattet, wie der Fußball nach Deutschland kam. DFB-Chef Theo Zwanziger soll beim Verlassen einer Sondervorführung Tränen in den Augen gehabt haben. Das schafft sonst nur Jogi.
Stern

Die Hymne aufs Fair Play rührt mit der richtigen Mischung aus Wärme, Aufbegehren und Witz.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Fußball ist in Deutschland Volkssportart Nummer eins. Mehr als 6,7 Millionen Bundesbürger sind in 25.000 Vereinen organisiert, darunter über eine Million Frauen und Mädchen. Tendenz steigend. Doch das war nicht immer so. Als der Fußball im ausgehenden 19. Jahrhundert aus Großbritannien auf das europäische Festland kam, wurde die „liederliche Körperertüchtigung“ vor allem vom Bürgertum vehement abgelehnt. Die Komödie „Der ganz große Traum“ schlägt ein Kapitel aus dieser Anfangszeit des Fußballs auf. Mit Daniel Brühl in der Rolle des ersten deutschen Fußballpioniers.

Braunschweig, 1874. Der junge Lehrer Konrad Koch (Daniel Brühl) hat einen besonderen Auftrag: Er soll deutschen Schülern die englische Sprache beibringen. Seine Schützlinge weigern sich allerdings zunächst. Warum sollen sie ausgerechnet die Sprache des Feindes erlernen? Sobald Deutschland in Großbritannien einfällt, so wie in Frankreich 1871, hat sich das mit diesem Englisch ohnehin erübrigt. Doch Koch hat mit der Ablehnung gerechnet und bereits eine Geheimwaffe in seiner Tasche: einen englischen Lederball. Mit Hilfe des Fußballspiels bringt er seinen Pennälern fortan nicht nur die fremde Sprache, sondern auch Tugenden wie Fair Play und Kameradschaft bei. Die jungen Burschen sind begeistert. Nur bei ihren Eltern stößt das „barbarische Affentum“ auf vehemente Ablehnung. Während Koch mit seinen Jungs im Park dem Ball hinterherjagt, setzen sie alles daran, den Sport höchst kaiserlich verbieten zu lassen.

„Der ganz große Traum“ ist eine Fußballkomödie, die den Fußball gar nicht so sehr in den Vordergrund stellt. In Wahrheit öffnet der Film die Tür in eine längst vergangene Zeit. Der Streifen erzählt mit einem Augenzwinkern von deutsch-preußischen Tugenden im Kaiserreich, von internationalen Vorurteilen und vom schleichenden Aufbruch des Proletariats. Und ganz nebenbei wird auch das Aufbegehren der Frauen behandelt. „Meine Gattin ist einem Verein beigetreten, der sich für das Wahlrecht von Frauen einsetzt“, jammert ein verzweifelter Hausmeister. „Wenn es das doch nur für Frauen gäbe“, sagt ein junges Dienstmädchen, gespielt von Henriette Confurius, als es zum ersten Mal mit Fußball konfrontiert wird.

Das Kinodebüt von Regisseur Sebastian Grobler mutet bei alldem wie eine deutsche Variante von „Der Club der toten Dichter“ an. Jedoch ohne das Original kopieren zu wollen. Dafür stellt Grobler die Zeit des Deutschen Kaiserreichs viel zu sehr in den Vordergrund. Dass sich die meisten Figuren wie Karikaturen preußischer Offiziere gebärden und ein Großteil der Ausstattung einem Dorftheater entliehen scheint, wirkt keineswegs störend. Im Gegenteil. All diese Feinheiten unterstreichen den unbeschwerten Ansatz des Films.

An der Biografie des wahren Lehrers Koch wurde unterdessen gehörig gefeilt. Zudem wurden zeitliche Abläufe stark verkürzt. In seinen Grundzügen erzählt der Film dennoch von wahren Begebenheiten. Das „weibische“ und „undeutsche“ Gekicke hatte es anfangs tatsächlich schwer, von der gehobenen Gesellschaft anerkannt zu werden. Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb es an vielen deutschen Schulen verboten. In Bayern sogar bis 1927, verrät der Abspann. Heute wird Fußball wie ein nationales Heiligtum behandelt. Vor allem in Bayern. So ändern sich die Zeiten.

„Der ganz große Traum“ ist kein Geschichtsunterricht und will auch keiner sein. Der Film ist schlichtweg ein amüsanter und kurzweiliger Streifen über die Geburtsstunde des Fußballs in Deutschland. Mit Burghart Klaußner, Justus von Dohnanyi und Axel Prahl in den weiteren Rollen. Das Werk kommt rechtzeitig zum hundertsten Todestag von Konrad Koch (* 13. Februar 1846; † 13. April 1911) in die Kinos. Sehenswert!

Oliver Zimmermann

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