Glueck im Spiel

Der neue Film von Curtis Hanson ("L.A.Confidential") mit Eric Bana und Drew Barrymore erzählt die Liebesgeschichte einer Nachwuchssängerin und einem Profi-Pokerspieler, angesiedelt in der Glitzerwelt von Las Vegas. Leider kann die Kombination aus Lovestory und Glücksspielfilm nicht überzeugen und wirkt stattdessen eher farblos und konstruiert.

Webseite: www.glueckimspiel-derfilm.de

USA 2005
Regie: Curtis Hanson
Darsteller: Eric Bana, Drew Barrymore, Robert Duvall, Debra Messing, Horatio Sanz, Charles Martin Smith, Saverio Guerra, Jean Smart, Kelvin Han Yee, Joey Kern, Delaine Yates, Robert Downey Jr.
124 Minuten
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 28.06.2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Las Vegas – die Glücksspielmetropole mit Sogwirkung für all diejenigen, die den Traum vom schnellen Geld träumen. Auch Billie Offer (Drew Barrymore) zieht es in die größte Stadt im US-Bundesstaat Nevada und auch sie kommt mit einem Traum im Gepäck. Allerdings spielt dieser nicht in der Glitzerwelt von Las Vegas, sondern vielmehr in den kleinen Clubs und verrauchten Kneipen der Stadt. Sie will als Sängerin arbeiten und in der Heimatstadt ihrer Schwester ganz neu beginnen. Und auch wenn ihr Herz größer ist als ihr Talent, findet sie sehr bald eine passende Stelle. Und eben weil ihr Herz so groß ist, findet sie dazu auch gleich den passenden Mann. Zumindest könnte er es sein.

Huck Cheever (Eric Bana) sieht gut aus, ist charmant, witzig und fährt überdies ein schnittiges Motorrad. Huck Cheever ist außerdem ein stadtbekannter Profi-Pokerspieler, der den Ruf genießt, beim Spiel alles zu riskieren. Bisweilen macht es den Anschein, als würde das Größenverhältnis von Herz und Talent bei ihm genau entgegengesetzt zutreffen. Besonders deutlich wird seine emotionale Blockade, sobald er auf den eigenen Vater trifft. L.C. Cheever (Robert Duvall) ist selbst ein legendärer Pokerspieler, der seine Frau und Hucks Mutter schon vor Jahren verlassen hat.

Die Liaison zwischen Billie und Huck sowie das Vatersohnverhältnis der Cheevers spitzt sich zu, als in Las Vegas die große Poker-Meisterschaft stattfindet. Huck hat sich fest vorgenommen, sowohl das Herz seiner Auserwählten als auch die Meisterschaft zu gewinnen. Die Frage ist nur, ob er Glück im Spiel und auch in der Liebe besitzt. Andernfalls könnte hier eine alte Redensart greifen, die besagt, dass nur das Eine mit Glück beseelt, das Andere jedoch mit Pech behaftet ist. Das Spiel beginnt und Huck muss alles riskieren, um die Karten seines Lebens neu zu mischen.

Der neue Film von Regisseur Curtis Hanson („L.A. Confidential“, „Wonder Boys“, „8 Mile“) ist eine gut gemeinte Kombination aus einer Lovestory und einem Glücksspielfilm, die jedoch weder in der einen noch in der anderen Hinsicht zu überzeugen vermag. Dabei verheißt gerade die Gegensätzlichkeit, die eine Beziehungsgeschichte vor dem Hintergrund der Pokerwelt aufweist, ein recht hohes Spannungspotential. Ein Spieler, der täuschen und bluffen muss und ein Liebender, der eben dies unterlassen sollte. Phasenweise geht diese Rechnung auf, nicht jedoch über die Länge des gesamten Films.

Als herzerwärmender Liebesfilm überzeugt „Glück im Spiel“ nicht, weil der Rahmen in dem die beiden Protagonisten sich bewegen nur bedingt den Funken überspringen lässt. Nicht, dass Las Vegas als global bedeutendes Touristikzentrum auch seine romantischen Seiten besäße, nur verlieren sich diese im farblosen Liebesspiel der Akteure. Dies mag ebenso an der fehlenden Magie zwischen Barrymore und Bana liegen, als auch an der Tatsache, dass beide in der Rückschau wahrlich glanzvollere Filmmomente aufzuweisen haben.

Als spannender Glücksspielfilm überzeugt Hansons neuer Wurf nur in Ansätzen. Zu konstruiert wirkt der Konflikt zwischen dem Pokervater und seinem Sohn, wenngleich die Auftritte von Robert Duvall zu den eigentlichen Höhepunkten des Films zählen. Zu konstruiert auch der Spannungsaufbau, der sich bei der Poker-Meisterschaft entladen will. Hier wird deutlich, dass die Inszenierung eines derartigen Events nur schwer mit der Realität und dem hiermit verbundenen Live-Charakter mithalten kann. Hinzu kommt, dass trotz wachsender Begeisterung für das Pokerspiel, welche sich durch die TV-Übertragungen und die Einführung der Kameras für die verdeckten Karten sowie auch das Pokern im Internet erklärt, sich nun einmal nicht jeder Kinobesucher für das „Zocken“ interessiert. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es dem Film gelänge, seinen Focus überzeugender auch auf andere Dinge zu lenken. So jedoch richtet er sich vorrangig an all diejenigen, die wissen was ein „Royal Flush“ ist und/oder an die Freunde zweitklassiger Liebesfilme.

Gary Rohweder

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Das Pokerspiel hat durch das Internet einen enormen Aufschwung erfahren. Jetzt spielen nicht nur die Profis und die eingefleischten Fans, sondern jetzt spielt alle Welt. Außerdem hat man etwas Neues eingeführt: Über eine Kamera können die Interessierten – natürlich nicht die Spieler selbst – die verdeckten Karten sehen, was das Mitspielen gestattet und die Spannung beträchtlich erhöht. Und die World Series of Poker (WSOP) haben eine ungeahnte Bedeutung gewonnen. 

Autor und Regisseur Curtis Hanson, selbst ein Pokerspieler, wollte einmal dieses gleichermaßen faszinierende wie riskante Milieu in allen seinen Facetten aufzeigen. Er wählte dazu die Gestalt des jungen Huck Cheever, der seine ganze Existenz so sehr dem Pokerspiel verschrieb, dass er zu nichts anderem fähig ist. Huck ist getrieben, rastlos, eilt von einem Spieltisch zum anderen, setzt hohe Summen, verliert, gewinnt, Er ist so oft pleite, dass er Geld leihen muss und dass er sogar stiehlt. Jeder seiner Tage vergeht auf diese Weise.

Billie Offer, eine angehende Sängerin, ist das genaue Gegenteil: konservativ, ehrlich, strebsam, zurückhaltend und, wenn schon, nur an einer ernsthaften und dauerhaften Bindung mit einem Mann interessiert. Ausgerechnet Huck und Billie geraten aneinander. Die Komplikationen kann man sich vorstellen.

Huck ist gewissermaßen erblich belastet, denn sein Vater L.C. Cheever ist ein berühmter Pokerspieler und Turniergewinner. Privat ist das Verhältnis zwischen den beiden gespannt, eine ständige Konkurrenzsituation. Bis Huck seinem alten Herrn einen unverhofften Erfolg gönnt.

Nicht die Handlung ist in diesem Film das Wichtigste, sondern die Milieuschilderung: die Spielatmosphäre in Las Vegas; die Spannung; die prickelnden Pausen vor den Einsätzen; die Handhabung der Spielkarten und der Chips; die versteinerten Mimiken der Spieler, der Gewinner wie der Verlierer; die bizarren Spielertypen; die unberechenbare Dauer der Runden; die Turniere, an denen hunderte teilnehmen.

Dann das Knistern zwischen Vater und Sohn; die ungewisse, melancholische, von Rückschlägen belastete Beziehung zwischen Billie und Huck; das souveräne darstellerische Auftreten von Robert Duvall als L.C. Cheever; der noble, Schmerzliches hinnehmende Charakter von Billie, verkörpert von Drew Barrymore; das durchaus ebenfalls überzeugende Spiel von Eric Bana als der mit Haut und Haaren dem Spielen und Wetten verfallene Huck.

Spezielles, in der Schilderung des Milieus gelungenes Poker- und Kinostück. Für Spiel- und Wettfans zweifellos ein Vergnügen, für andere durchschnittlich unterhaltsam.

Thomas Engel