Im Schwitzkasten

Nachdem sich der irische Regisseur Eoin Moore in seinem letzten Film „Pigs Will Fly“ (2002) mit der Gewalt in der Ehe beschäftigte, liefert er jetzt eine luftig-leichte Tragikomödie ab, die zeigt, wie schön der deutsche Alltag auch sein kann.  Eine Berlin-Geschichte mit kleinen Episoden und lakonischem Humor, gut besetzt mit Christiane Paul, Charly Hübner, Edgar Selge u.a.

Webseite: www.imschwitzkasten.de

Deutschland 2005
Regie: Eoin Moore
Darsteller: Christiane Paul, Charly Hübner, Andreas Schmidt, Esther Zimmering, Steffi Kühnert, Laura Tonke, Edgar Selge
Länge: 97 Minuten
Verleih: Alamode
Start: 30. März 2006

PRESSESTIMMEN:

Eine Momentaufnahme – Deutschland im Jahre ’05. Ein Ensemblefilm, schnell gedreht, komödiantisch und kein bisschen selbstmitleidig. Ein Film, dessen Stärke im Mut und der Improvisationslust seines großartigen Schauspielerensembles liegt. – Sehenswert!
Tip Berlin

Eine seltene Spontaneität kennzeichnet Im Schwitzkasten. In jedem Moment spürt man, dass jeder der Darsteller aktiv Einfluss auf seine Rolle genommen hat und sich so weitaus persönlicher einbringen konnte, als es in der Regel möglich ist. Dieser gemeinschaftlichen Arbeit verdankt die Komödie auch ihren demokratischen Touch. Jeder hat sich in diesem Chor seine eigene Stimme bewahrt. Gerade in den Soli, den schauspielerischen Kabinettstückchen, die vor allem Edgar Selge, Charly Hübner und Steffi Kühnert zum Besten geben, in seiner Vielstimmigkeit und seinen weltanschaulichen Dissonanzen kommt Im Schwitzkasten dem Wesen unserer Zeit näher als die Konstrukte eines Andreas Dresen oder einer Vanessa Jopp.
Frankfurter Rundschau

FILMKRITIK:

In diesem noch recht jungen Filmjahr lässt sich schon einmal feststellen, dass Ost-Berlin und insbesondere Prenzlauer Berg als Schauplatz des Erzählens eine wahre Renaissance erfahren dürfen. Während Andreas Dresen mit seinen Geschichten vom „Sommer vorm Balkon“ rund um die Senefelder Straße glänzte, zieht es den irischen Regisseur Eoin Moore nur wenige hundert Meter weiter an den Kollwitzplatz. Der 37-jährige lebt seit 1988 in Berlin und schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe wie sein Kollege Andreas Dresen, indem er scheinbar unspektakuläre Geschichten von scheinbar noch unspektakuläreren Charakteren erzählt.

 

Es sind die kleinen Episoden und der lakonische Humor, die auch diesen Film so liebenswert machen. „Im Schwitzkasten“ befinden sich hier alle Figuren, und der Titel möchte nur zu gerne doppeldeutig verstanden werden. Jeden Donnerstag wird „Im Schwitzkasten“ nämlich zum Gebirgslatschenaufguss geladen. Die Berliner Sauna der Geschwister Nadine (Christiane Paul) und Jost (Charly Hübner) ist Treffpunkt der „Donnerstagsgruppe“: Toni (Andreas Schmidt aus „Sommer vorm Balkon“) ist seit drei Jahren arbeitslos und klaut seinem kleinen Sohn auch Mal ein Fahrrad aus dem Kaufhaus, damit der wenigstens einmal stolz auf den Vater sein könnte. Dani (Esther Zimmermann) wurde soeben als Stewardess gefeuert und mag sich damit erst einmal überhaupt nicht abfinden. Karin (Steffi Kühnert) ist die nervige Ich-AG, während Monika (Laura Tonke) hin und her gerissen ist zwischen ihrem Freund und einem sozialen Engagement in Ruanda. Und dann ist da noch Norbert (Edgar Selge), der gerne aus „Faust“ zitiert und Bundestagsreden für seine Frau schreibt.

Sie alle schwitzen nicht nur gemeinsam, sondern befinden sich alle mehr oder minder in prekären Situationen, die nicht nur privater Natur sind. Sie alle sind große oder kleine Opfer des Hartz-IV-Zeitalters und Eoin Moore versteht sich bestens darauf, diesen Umstand mit den Mitteln einer schwarzhumorigen Tragikomödie zu erzählen. Ihr unbändiger Optimismus macht die Figuren zu Helden des Alltags, der sich in dem Zusammenhalt der Saunagruppe manifestiert.

Die Saunabesitzer Nadine und Jost plagen sich nicht nur mit defekten Wasserleitungen, kaputten Öfen, Ratten im Garten oder Gerichtsvollziehern herum, sondern haben irgendwann auch eine Leiche in der Sauna liegen, die möglichst unauffällig aus dem Weg geräumt werden muss, damit es nicht den absoluten Genickbruch gibt. „Im Schwitzkasten“ lebt trotz seiner Thematik von einer ausgeprägten Leichtigkeit, die niemals oberflächlich oder albern wirkt, denn was gibt es Schöneres, als wenn einem das Lachen auch mal im Hals stecken bleibt. Auf einmal scheint es, als wäre der deutsche Alltag das Spannendste der Welt – das gilt zumindest für den Kiez zwischen Senefelder Straße und Kollwitzstraße im Berliner Prenzlauer Berg.

David Siems