Wahrscheinlich hätte „In the Grey“ mit wenigen Veränderungen auch ein Sequel zu „Operation Fortune“ sein können. An den Film muss man bei Sichtung von Guy Ritchies neuestem Werk denken. Der Unterschied ist im Grunde nur, dass er hier geradliniger erzählt und mehr auf Action setzt. Das heißt aber auch, dass der Film weniger verspielt ist.
Über den Film
Originaltitel
In the Grey
Deutscher Titel
In the Grey
Produktionsland
GBR, USA
Filmdauer
97 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Guy Ritchie, Ivan Atkinson, John Friedberg, Dave Caplan
Regisseur
Guy Ritchie
Verleih
Verleih N.N.
Starttermin
21.05.2026
Rachel ist eine Expertin darin, Banken ihr Geld zurückzubringen, wenn sie riesige Darlehen vergeben haben und diese verloren scheinen. Gerade wurde versucht, eine Milliarde Dollar von dem kriminellen Salazar zurückzuholen, doch das ging schief, weswegen Rachel ihre Dienste anbietet. Zusammen mit ihrem Team setzt sie Salazar zu. Legal, aber auch illegal, weil sie eben in der Grauzone operiert.
Im Grunde hat Guy Ritchie eine aufgepeppte Folge einer Serie wie „Leverage“ erschaffen. Ein Plan wird geschmiedet, er wird dem Publikum präsentiert, es gibt minimale Komplikationen, danach muss er in die Tat umgesetzt werden – und alles, was zuvor dem Zuschauer angeteasert wurde, wird eingesetzt bzw. passiert auch. Das ist flott erzählt. Tatsächlich sogar sehr rasant. Die 98 Minuten des Films vergehen wie im Flug. Man fühlt sich gut unterhalten. Hält man dann einen Moment inne und denkt nach, merkt man aber, dass der Film kaum Substanz besitzt.
Die Figuren sind allesamt Funktionsträger. Sie haben keine Persönlichkeit, die über die Charakterisierung „cool“ hinausgehen würde. Keine Vergangenheit, keine Zukunft, einfach nur da, in Action und damit in Umsetzung des Plans zu glänzen. Darum sind die Hauptfiguren mit Henry Cavill und Jake Gyllenhaal auch prominent besetzt. Ihr Star-Charisma soll es herausreißen und darüber hinwegtäuschen, dass die aus der Serie „3 Body Problem“ bekannte Eiza Gonzalez die eigentliche Hauptfigur ist. Aber auch sie hat keine eigenen Charakteristika. Was auch auffällt: Die typisch skurrilen Figuren, die Guy Ritchie ansonsten in seinen Filmen einbaut, fehlen hier völlig. Dass ein paar Mitglieder des Teams sterben, tangiert nicht im Mindesten. Weil sie alle austauschbar sind und es keine emotionale Verbindung des Publikums zu ihnen gibt.
Ein anderes Problem: Die Geschichte verläuft zu leicht. Es heißt, kein Schlachtplan übersteht den ersten Schuss. Das Team hat hier im Grunde gleich drei Pläne zur Flucht, und obwohl es Schwierigkeiten gibt, fühlen die sich niemals echt an. Weil Gyllenhaal und Cavill Superhelden gleich alles plattmachen. Da passt es dann auch, dass die Privatarmee des Schurken eine gesichtslose Masse ist, nur dazu da, weggepustet zu werden. Was Ritchie hier versäumt hat: Echte Spannung zu erzeugen, indem die Figuren dem Zuschauer ans Herz wachsen können. Man fiebert nicht mit. Allenfalls hat man das Gefühl, dass man hier einer schön konstruierten Geschichte zuschaut, bei der ein Zahnrad ins nächste fasst. Aber echte Probleme hat das Team nie. Sie sind ihrem Gegner immer überlegen. Das mag der Coolness zuträglich sein, echte Spannung erzeugt sich damit nicht.
So ist „In the Grey“ eben nur oberflächlich spannend. Schön anzusehen, rasant erzählt, schon unterhaltsam, aber der Nährwert ist das filmische Äquivalent zum Fast Food. Schnell gesehen, schnell vergessen.
Peter Osteried







