Zwischen Waldboden, Grashälmchen und Blütenkelchen eröffnet sich eine Welt, die größer wirkt als manches Abenteuerkino. Der Filmemacher Nepomuk Pfaff macht aus den kleinsten Bewohnern unserer Erde die Stars einer ebenso aufwendig gestalteten wie bildschönen Naturdokumentation.
Über den Film
Originaltitel
Insekten – Helden im Verborgenen
Deutscher Titel
Insekten – Helden im Verborgenen
Produktionsland
DEU
Filmdauer
87 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Jim Lerch
Regisseur
Nepomuk Pfaff
Verleih
Camino Filmverleih GmbH
Starttermin
16.07.2026
Die Entwicklung der Erde ist untrennbar verbunden mit der Entwicklung ihrer Bewohner, und mit die ältesten sind die Insekten. Nepomuk Pfaff erzählt in seinem Kinodebüt von der Geschichte dieser ersten Wesen auf unserer Welt, die fliegen konnten und die den Planeten über viele Jahrmillionen mitgeprägt haben. Doch die scheinbar unerschöpfliche Menge an Insekten wird immer mehr bedroht – durch den Menschen, der schon immer die Welt nach seinem Bild gestalten wollte und damit das sensible Gefüge der Natur zerstört. Auch diese Geschichte erzählt Nepomuk Pfaff, doch ein gewisser Optimismus bleibt dabei erhalten, denn er informiert nicht nur über Missstände und Versäumnisse, sondern er zeigt auch in Gesprächen mit engagierten Menschen aus der Landwirtschaft, welche Bedeutung die Insekten für den Kreislauf der Natur haben und wie man mit diesem Wissen bereits angegriffene Ökosysteme erhalten und wiederbeleben kann.
Mit beeindruckender Präzision begleitet der Film Käfer, Wildbienen und andere Krabbel- und Flugkünstler durch ihren oft erstaunlich komplizierten Alltag. Sie sind die Helden, die im Verborgenen die Umwelt erhalten, für Nahrung sorgen und dabei eine der wichtigsten Ressourcen schützen, die wir neben Luft und Wasser haben: den Boden. Die eigentlichen Hauptdarsteller sind dabei allerdings Kamera und Technik. Spektakuläre Nah- und Makroaufnahmen zeigen Strukturen, Farben und Bewegungsabläufe, die dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleiben. Wenn Tautropfen zu glitzernden Seen werden und ein Käferpanzer aussieht wie die Karosserie eines futuristischen Sportwagens, entwickelt die Dokumentation ihren größten Zauber. Viele Bilder sind schlicht atemberaubend.
Erzählt wird das Geschehen von Katharina Thalbach, deren unverwechselbare Stimme Wärme und Persönlichkeit in die Beobachtungen bringt. Allerdings folgt der Film vor allem in der ersten Hälfte einer etwas antiquierten Erzählweise, die den Insekten gelegentlich allzu menschliche Eigenschaften zuschreibt. Dazu gehören die Namen: die Hummel Hugo, die Furchenbiene Bianca und das trauliche Glühwürmchenpaar Gloria und Günter. Das wirkt dann (leider) nicht besonders witzig, sondern eher unangemessen ernsthaft. Da wird getrickst und geliebt, als befände man sich mitten in einer Dramaserie. Das ist zwar irgendwie unterhaltsam und macht die komplexen Zusammenhänge leichter zugänglich. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage, ob hier nicht etwas zu viel menschliche Gefühlswelt auf Wesen übertragen wird, die biologisch betrachtet ganz anderen Gesetzmäßigkeiten folgen.
Die Stimmung bleibt über weite Strecken ausgesprochen andächtig, wobei die getragene Stimme von Katharina Thalbach einiges dazu beiträgt. Die sanfte Musik mit vielen klassisch angehauchten Pianotönen verbreitet zusammen mit Katharina Thalbachs sehr ruhiger Erzählung eine leicht meditative Atmosphäre. Wer Naturfilme als Entschleunigungsprogramm schätzt, wird sich darin wohlfühlen. Ein paar Tempowechsel und ein wenig mehr Leichtigkeit hätten dem Film allerdings hier und da gutgetan.
Dennoch ist „Insekten – Helden im Verborgenen“ ein visuell faszinierender Ausflug in eine unbekannte Welt, die hier ein ganzes Stückchen näher rückt und Zusammenhänge zeigt, die sich ansonsten kaum erschließen. Vor allem sind es aber die gelungenen Effekte, die außergewöhnlichen Makro-, Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen, die den Film auf jeden Fall sehenswert machen.
Gaby Sikorski







