Janosch – Komm, wir finden einen Schatz

„Janosch“, das beschreibt beinahe so etwas wie ein eigenes Genre für Kinderbücher. Mit „Komm, wir finden einen Schatz“ hat Irina Probost ein weiteres Abenteuer von Tiger und Bär in kindgerechtem Tempo und mit einfach strukturierten, aber kraftvollen Zeichnungen inszeniert – erstmals auch in 3D. Wobei bereits die zweidimensionale Version durch eine stimmige Kombination von Ästhetik und Erzähltempo zu sehr plastischen Bildkompositionen gelangt.

Webseite: kommwirfindeneinenschatz.mfa-film.de

Deutschland 2011
Regie: Irina Probost
Buch: Nana A. Meyer nach dem Kinderbuch von Janosch
Filmlänge: 78 Minuten
Verleih: MFA+ FilmDistribution, Vertrieb: Die Filmagentinnen
Kinostart: 24. Mai 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Sei’s, weil man auch den potenziellen erwachsenen Begleitern, Vorlesern oder Mitspielern ein wenig bieten möchte und so versucht, eine möglichst aus allen Altersgruppen bestehende Zielgruppe anzupeilen, oder sei’s aus purer Phantasielosigkeit: Von Harry Potter bis zum „Sams im Glück“, von den „Power Rangers“ bis zu den „Transformers“, bestimmen Getöse und Effektezauber längst auch schon die Unterhaltungsangebote für Kinder.

Die Geschichten von Janosch, in denen viel leisere Töne angeschlagen werden, wirken da wie ein ungeheurer Anachronismus. Zur sanften Anpassung an den Zeitgeist, die Regisseurin Irina Probost gewagt hat, ist das neueste Kinoabenteuer nach der Kinderbuch-Trilogie um Tiger und Bär nun nicht nur im klassischen 2D, sondern in einigen Kinos auch in der dritten Dimension zu sehen.

Wobei bereits die zweidimensionale Version durch eine stimmige Kombination von Ästhetik und Erzähltempo zu sehr plastischen Bildkompositionen gelangt. Tiger und Bär lustwandeln lange und ohne große Hast durch ein pastellbuntes Wunderland, begleitet von dem bisweilen etwas anstrengenden Hasen Jochen Gummibär, der sich nichts sehnlicher wünscht als ein paar Freunde. Die Staffelung von beweglichen Figuren und statischen Hintergründen erweist sich in diesen Reiseabschnitten als schlichtes, aber effektives Mittel, um die Märchenwelt mit Leben zu erfüllen.

Das Ziel der Suche ist ein mysteriöser Schatz, und den Weg dorthin verzeichnet eine wunderbar altmodische Karte. Durch zahlreiche Verwicklungen allerdings reißt diese nicht nur in zwei Teile, sondern die jeweiligen Bruchstücke wechseln im Laufe der Geschichte auch mehrfach den Besitzer. Zu den Konkurrenten des sympathischen Trios (mit Tigerente, versteht sich) werden dabei der latent aggressive Hund Kurt der knurrt und der selbsternannte Meisterdetektiv Gokatz. Hund und Katze vereint? Zugegeben, eine eher seltene Kombination, aber an die mythologische Tiersymbolik der Fabeln hielt Janosch sich ohnehin noch nie. Immerhin rackern sich zwei süße Mäuschen unter der Haube von Gokatzens automobilem Untersatz ab, um dessen Gefährt zum Laufen zu bringen.

Ein lautes, wildes Ungetüm ist das, wenn es in Fahrt kommt, das Feld und Wald mit einem Hauch von Verwüstung überzieht – eine kleine, wenig aufdringliche Öko-Botschaft hat es also auch in den Film geschafft. Dieser grundsätzlichen Unaufgeregtheit unterwerfen sich auch die durchaus prominenten Synchronsprecher: Michael Schanze als Bär oder Elton als Kurt verkneifen sich alle Manierismen und stellen sich ganz in den Dienst ihrer jeweiligen Figuren.

Erst kurz bevor die Suche in einer bizarren Eiswüste auf einem Schiffswrack endet, drücken die Filmemacher aufs Gaspedal, das Gokatz zumindest auf dem glatten Untergrund mit einem Mal nicht mehr viel nützt, und es kommt zu regelrechten Action-Sequenzen. Bis dahin war „Komm, wir finden einen Schatz“ äußerst exklusiv auf sehr kleine Kinder, Kino-Anfänger womöglich, ausgerichtet, für die eine positive Grundstimmung und Moral bereitet wurden. Und vermutlich liegt es da in der Natur der Sache, dass Jugendliche und Erwachsene das Ganze trotz einer Reihe von seltsam sympathisch daherkommenden Pups-Witzen doch eher „für die Kleinen“ finden könnten.

Tim Slagman

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