Kenneth Branagh – Die Zauberflöte

Kenneth Branagh ist ein Mann der Hochkultur: Seine Adaption von Mozarts „Zauberflöte“ versucht den Spagat zwischen Film und Oper. Was ihm mit seinen früheren Shakespeare-Arbeiten spielerisch gelang, wirkt hier oft bemüht und statisch. Eine Filmversion für Opernfans, nicht für ein breites Massenpublikum.

Webseite: www.salzgeber.de

GB/F 2006
Regie: Kenneth Branagh
Buch: Stephen Fry & Kenneth Branagh nach Emanuel Schikander
Darsteller: Joseph Kaiser, Amy Carson, Benjamin Jay Davies, Silvia Moi, René Pape, Lyubov Petrova, Tom Randle
135 Minuten
Kinostart: 3.1.2008
Verleih: Edition Salzgeber

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Kunstformen Film und Oper stehen in der jüngeren Vergangenheit in einem interessanten Dialog, der auf gemeinsamer Wechselwirkung beruht. Die Oper will sich bekanntermaßen modernisieren und ein neues Publikum gewinnen, mancherorts wird sogar von einer Erfrischungskur gesprochen. Die Hochkultur will das Massenpublikum erreichen, dass was der Film seit jeher locker vollbringt. Während sich Regisseure wie Woody Allen, Terry Gilliam, William Friedkin oder neuerdings auch David Cronenberg an der Inszenierung einer Oper versuchen, geht der 47-jährige Kenneth Branagh den Weg andersherum und adaptiert Mozarts „Zauberflöte“ für die Leinwand. Man könnte sagen, er ist genau der Richtige dafür, denn Branagh fühlt sich in der Hochkultur zuhause. Selber lange Jahre als Theaterschauspieler und –autor tätig, kennt man ihn vor allem als glühenden Shakespeare-Verehrer, der mit „Henry V.“, „Viel Lärm um Nichts“, „Hamlet“, „Verlorene Liebesmüh“ und „As You Like It“ gleich fünf Werke von Britanniens bekanntestem Dramatiker verfilmte.

Nun also Mozart. Ähnlich wie in seinen vorangegangenen Arbeiten schafft es Branagh, das ursprüngliche Werk in ein anderes Medium zu überführen und ihm eine neue und frische Sichtweise zu geben. Die bekannte Geschichte um Tamino, der von der Königin der Nacht beauftragt wird, ihre Tochter Pamina aus den Fängen von Sarastro zu befreien, siedelt der Regisseur im Ersten Weltkrieg an. Tamino ist hier ein Soldat, der zwischen die Fronten gerät und verletzt im Schützengraben liegt. Drei Lazarett-Schwestern entführen ihn in ein Paralleluniversum, wo er mit dem Vogelfänger Papageno auf eine gefährliche Reise geht, an dessen Ende für beide die große Liebe warten soll. Die Mozart’sche Leichtigkeit sucht man in dieser Filmfassung dennoch vergebens, hier bestimmen viel mehr das düstere Ambiente des Krieges und Sarastros dunkler Palast das Bild. Doch die scheinbare Schwermütigkeit und die graue Fassade sind bewusst gewählt: Branagh kontrastiert die Schrecken des Krieges mit dem Wunsch nach der Unbeschwertheit des Singens und Tanzens, die in komplexen Emotionen seiner Figuren münden. Der ersten Filmhälfte folgt man gespannt der stimmigen und abwechslungsreichen Inszenierung, doch dann merkt man irgendwann, dass dieses Projekt doch ein zu großes Wagnis gewesen sein muss. Branagh gelingt es leider nicht, den Spannungsbogen zu halten, viel kann man beobachten, dass er sich zum ersten Mal auf Opernterrain bewegt. Das gilt für die Inszenierung, wie auch für die Darsteller, die zwar gestandene Bühnen- und Gesangprofis sind, aber als Filmschauspieler noch nie zuvor in Erscheinung getreten sind. Die Massenszenen in Sarastros Palast im Schlussdrittel wirken uninspiriert, lediglich wie eine „abgefilmte“ Version aus einem Opernhaus. Schade, dass sich der Regisseur nicht getraut hat, den Schritt noch konsequenter aus dem statischen Opern-Ambiente heraus zu wagen und sich auf die filmischen Erzählmittel zu konzentrieren. Somit bleibt seine „Zauberflöte“ lediglich ein Werk, das vor allem treue Bühnenzuschauer begeistern wird. Ob er damit zu einer wirklichen Modernisierung beiträgt, darf bezweifelt werden.

David Siems