Kraken – Erwachen der Tiefe

Kraken als unterseeische Monster sind Teil des Seemannsgarns, das sich Seeleute über Jahrhunderte hinweg erzählt haben. Der Horrorfilm griff die Schreckgestalt auch auf, was nun mit dem norwegischen „Kraken – Erwachen der Tiefe“ wieder geschehen ist. Einziger Unterschied: Man befindet sich nicht auf dem Meer, sondern in einem Fjord. Da die bis zu 1300 Meter tief sein können, mag die Phantasie anregen, was dort unten so hausen mag.

 

Über den Film

Originaltitel

Kraken

Deutscher Titel

Kraken – Erwachen der Tiefe

Produktionsland

NOR

Filmdauer

94 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Einar Loftesnes, John Einar Hagen

Regisseur

Pål Øie

Verleih

Splendid Film GmbH

Starttermin

23.07.2026

 

In einem Fjord wird mit Sonar gearbeitet, da die Technik helfen soll, die lukrativen Lachsbestände von den Lachsläusen zu befreien. Als eine Meeresbiologin kommt, um das Ganze zu überprüfen, häufen sich die Zwischenfälle. Nicht mit dem Lachs an sich, der schon mal aus dem Wasser ans Ufer springt und das Ersticken dem vorzieht, was im Wasser sind. Sondern mit einem Ungetüm und mit den gigantischen Läusen, die auf ihm leben …

 

„Kraken – Erwachen der Tiefe“ hält sich streng an die Regeln des Subgenres. Er versteht sie aber nicht gänzlich. So funktioniert zwar der anfängliche Spannungsaufbau, dann findet aber über die Hälfte des Films keinerlei Ausbau davon statt. Stattdessen wird der Pegel gehalten, was im Umkehrschluss bedeutet: Das Spannungsgefühl nimmt ab. Der Film wirkt zäh, und das, obwohl er nur anderthalb Stunden Lauflänge hat. 

 

Er versteht es nicht, mit der Bedrohung durch die Riesenläuse weitere Spannungsspitzen zu setzen. Im Gegenteil: Dies sind Monster, die sich einfach zertreten lassen. Nicht sehr viel anders verhält es sich mit dem Kraken an sich. Er taucht irgendwann mal auf, aber es ist ein eklatanter Fall von „zu wenig, zu spät“. Noch dazu ist er immer nur im trüben Wasser zu sehen, Feinheiten und Details gehen verloren, er bleibt eine fast nicht definierbare Biomasse. Bedrohlich geht anders. Die Szenen, in denen die Fangarme durch die Station flutschen, erinnern dann an „Octalus“, nur dass der vor knapp 30 Jahren effektiver gewesen ist.

 

Hier sind die CGI-Effekte in Ordnung, bei den Unterwasserszenen hat man das Gefühl, der Film würde auch gerne auf die Unklarheit der Tiefe setzen, um etwaige CGI-Schwächen zu kaschieren. Ein weiteres großes Problem sind die uninteressanten Figuren, die allesamt Stereotypen sind. Hier der Geschäftsmann, der unlauter arbeitet, da die Tochter, die sich für die Umwelt einsetzt, und dazwischen die Meeresbiologin – natürlich eine alte Bekannte –, die versucht, das Schlimmste zu verhindern. So uninspiriert die Figuren, so unspektakulär ihr Abgang. Das Ende sollte emotionale Wirkung zeigen, aber es verpufft, weil so leblos gestaltet ist, dass man nicht mal einer der Hauptfiguren die Emotionalität der Schlussszene abnimmt.

 

Alles in allem ein bemühter Versuch, nordischen Tierhorror zu präsentieren. Geglückt ist er nicht, „Kraken – Erwachen der Tiefe“ reiht sich einfach ein in eine gigantische Riege halbgarer Wassermonsterfilme. Im Fjord nichts Neues. 

 

Peter Osteried

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.