Leben, das ich immer wollte, Das

Film im Film und sehr fragile Liebeleien in den unruhigen Zeiten der Dreharbeiten zu einem historischen Sujet: Als hätte der liebenswerteste der französischen Urväter der Nouvelle Vague, Francois Truffaut („Jules und Jim“), Pate gestanden. Giuseppe Piccionis („Nicht von dieser Welt“, „Licht in meinen Augen“) bislang anspruchsvollstes Werk bebildert die emotionalen Irrungen und Wirrungen eines Schauspieler-Paares beim Dreh zu einem Kostümfilm Ende des 18. Jahrhunderts. Dabei verschmelzt sich das Gestern zum Heute und das Jetzt zum Vorhin. Das ewige Thema „Beziehung“ im komplexen Spiegel genervter Gezeiten.

Webseite: www.schwarzweiss-filmverleih.de

Italien 2004
Regie: Guisepe Piccioni
Darsteller: Luigi Lo Cascio, Sandra Ceccarelli, Fabio Camilli, Ninni Bruschetta, Galatea Ranzi
Länge: 125 Min.
Verleih. Schwarzweiss-Filmverleih
Kinostart: 26.10.2006

PRESSESTIMMEN:

Das sehnsüchtige Pathos des Titels entspricht einem zart ausgewogenen "Film im Film"-Film von Giuseppe Piccioni, 53, Schöngeist unter den italienischen Regisseuren seiner Generation.
Der Spiegel

Ein aufwendiger Film-im-Film über große Liebes- und Lebensgefühle, über Erwartungen, Enttäuschungen und Identitätskrisen.
KulturSPIEGEL

„Ein Spiegelbild des Lebens“
La Repubblica 

„Elegant und sehr unterhaltsam lustwandelt Piccioni zwischen den beiden Erzähl- und Zeitebenen.“
Der Tagesspiegel

 

FILMKRITIK:

Auf dem Set eines herzerweichenden Kostüm-Schinkens lernen sich Laura (Sandra Ceccarelli, „Der schönste Tag in meinem Leben“) und Stefano (Luigi Lo Cascio, „Die besten Jahre“) kennen, lieben und – natürlich hassen.

Laura, um die 30, ist eine junge, überaus begabte Schauspielerin, die bei der Besetzungsprobe auf den arrivierten und erfolgreichen Berufskollegen Stefano trifft. Der ist flugs von ihrer Sensibilität und Sensitivität mehr als nur beeindruckt; keine Frage, die Laiensirene bekommt die Rolle. Gemeinsam müssen beide nun in einem Kostümfilm, angesiedelt am Ende des 18 Jahrhunderts ein begütertes Paar mimen, das ihre für eine von strikten Konventionen konstruierte Gesellschaft gefährliche Liebschaft unter Verschluss halten muss. Wie die gesamte Crew am Set ist auch Stefano mehr als nur angetan von Lauras lechzender Hingabe an ihre Rolle. Es kommt, wie es kommen muss; der eitle, egoistische und verlogene Spätbarock-Womanizer verguckt sich alsbald in das mittellose und hingebungsvolle Talent.

Tagtäglich wiederholen sie vor der Kamera Liebesgeständnisse – das Leben folgt in dieser Hinsicht nur dem Drehbuch. Doch das junge Glück bekommt bald Risse. Stefano bleibt nicht verborgen, dass die allzu beliebte und stetig aufsteigende Laura bald mehr Aufmerksamkeit und Bewunderung zuteil wird als ihm, vor allem aber von Männern umschwärmt wird, wie Motten das Lichtlein. Und als ihr noch während der Arbeit schon das nächste Film-Projekt offeriert wird, schleicht sich doch allmählich beim Profifremdgeher Stefano die Eifersucht ein. Klar, dass zwischen dem Hin-und-Wieder-Pärchen das Knistern vor der Kamera zum Krach hinter der Kamera erwächst. und im wahren Leben knallt es dabei dann so heftig, dass Menuette im Film zum realistischen Tango auf dem Vesuv werden…

„Wunderbar der Kontrast zwischen den hochemotionalen Dialogen, die sich die beiden am Jahrhundertwende-Set aus den Herzkammern schütten, und den Niederungen des postmodernen Beziehungsclinchs“, lobte der Berliner „Tagesspiegel“ dieses filmische Fegefeuer der Eitelkeiten zwischen Liebesgeplänkel und Gefühlsgezetereien. Eine manchmal schwerfällige, alles in allem aber amüsante Dramenkomödie mit zwei brillanten Hauptdarstellern auf der Suche nach dem Ich im Glück mit obligater Läuterung plus offenem Ende.

Jean Lüdeke