Lee Cronin’s The Mummy

Das Grauen aus der Wüste als Mix aus Familiendrama und deftig-blutigem Horrorreigen: Mit „Lee Cronin’s The Mummy“ legt das Hollywood-Studio Warner Bros. einen klassischen Genrestoff neu auf und kann sich damit positiv von der letzten Wiederbelebung abheben. Allerdings: Auch wenn der Film besser ist als das krude Schauerabenteuer „Die Mumie“ aus dem Jahr 2017, wirkt längst nicht jede Idee ausgereift. Warum der Verleih auf eine restriktive Sperrfrist für Kritiken bis zum Veröffentlichungstag besteht, bleibt dennoch nebulös.

 

Über den Film

Originaltitel

Lee Cronin’s The Mummy

Deutscher Titel

Lee Cronin’s The Mummy

Produktionsland

USA

Filmdauer

134 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

James Wan, Jason Blum, John Keville

Regisseur

Lee Cronin

Verleih

Warner Bros. Entertainment GmbH

Starttermin

16.04.2026

 

Keine Scheu vor großen Horrornamen hat offenbar der Regisseur und Drehbuchautor Lee Cronin, der sich in jüngerer Vergangenheit an einen Beitrag zu der von Sam Raimi begründeten „Tanz der Teufel“-Reihe heranwagte. 2023 erschien der Schocker „Evil Dead Rise“ und konnte mit seiner Mischung aus dysfunktionaler Familienaufstellung und beinhartem Splatter-Kino weitgehend überzeugen.

 

Als Nächstes nahm sich der irische Filmemacher einen weiteren Klassikerstoff vor, der seit Karl Freunds Schauerstück „Die Mumie“ aus dem Jahr 1932 auf der großen Leinwand schon vielfach bearbeitet worden war. Zuletzt scheiterte 2017 der Versuch, das Motiv einer auferweckten, Schrecken verbreitenden einbalsamierten Leiche als Spektakel zu inszenieren. Das krude zusammengebastelte, oft unfreiwillig komische Schauerabenteuer mit Tom Cruise – ebenfalls „Die Mumie“ betitelt – sollte ein „Dark Universe“ genanntes, alte Universal-Monsterfilme neu interpretierendes Erzähluniversum einläuten. Nach dem unzureichenden Abschneiden der Produktion an den Kinokassen war das Großprojekt jedoch Geschichte.

 

„Lee Cronin’s The Mummy“ macht es nun definitiv besser, obschon auch diese Version ihre Schwächen und Holprigkeiten hat. In den Mittelpunkt stellt der sogar im Titel auftauchende Regisseur die Cannon-Familie, die zum Start der Handlung vorübergehend in Ägypten lebt, da Vater Charlie (Jack Reynor) dort als Fernsehreporter tätig ist. Als Tochter Katie (Emily Mitchell) eines Tages aus dem Garten des angemieteten Hauses verschwindet, steht die Welt plötzlich Kopf. Bei der Polizei erhalten der Journalist und seine schwangere Ehefrau Larissa (Laia Costa) wenig Unterstützung, müssen sich sogar anhören, dass sie selbst mit der Sache zu tun haben könnten (der reale Fall von Madeleine McCann lässt grüßen!). Gebrochen treten sie mit ihrem Sohn Sebastián (Dean Allen Williams) die Rückreise in die Vereinigten Staaten an.

 

Acht Jahre später erreicht die Cannons dann ein überraschender Anruf aus Ägypten: Katie (nun gespielt von Natalie Grace) lebt und wurde bei einem Flugzeugabsturz in einem Sarkophag entdeckt. Der Arzt (Tim Seyfi), der Charlie und Larissa in Empfang nimmt, warnt sie vor. Ihre Tochter ist körperlich wohlauf, befindet sich aber in einem katatonischen Zustand, der auf schwere psychische Verletzungen hindeutet. Die Geborgenheit ihrer Liebsten sei jetzt das Beste, erklärt der Mediziner, wobei man dieses Urteil beim Anblick der Jugendlichen durchaus hinterfragen kann. Ihre Eltern bringen sie jedenfalls in die USA, und schon bald bricht sich im einsam gelegenen Haus der Cannons in der Nähe von Albuquerque ein Albtraum Bahn. Den ungeschriebenen Gesetzen des Horrorgenres folgend, ziehen die Familienmitglieder – dazu gehören auch das jüngste Kind Maud (Billie Roy) und Großmutter Carmen (Verónica Falcón) – natürlich viel zu spät Konsequenzen aus dem beunruhigenden Verhalten der Heimkehrerin.

 

Schon der Prolog deutet die Vorgeschichte von Katies Schicksal an, streut erste Hinweise auf einen uralten ägyptischen Dämon aus, der dort einer einheimischen Familie zusetzt. Trotz dieser Bezüge wirkt Lee Cronins Film stellenweise wie ein x-beliebiger Besessenheitsstreifen, nicht unbedingt wie ein waschechtes Mumienkapitel. So macht Katie wiederholt Verrenkungen, wie man sie seit William Friedkins Horrormeilenstein „Der Exorzist“ in Werken dieser Art ständig zu sehen bekommt. Noch dazu wird der Strang um die in Kairo arbeitende Polizistin Dalia Zaki (May Calamawy) nicht sehr elegant in die Haupthandlung eingeflochten. Zum einen fällt auf, dass das nordafrikanische Setting seltsam rückständig inszeniert wird. Zum anderen liefern Zakis Nachforschungen zu den Hintergründen von Katies Verschwinden keine spektakulären Enthüllungen – selbst wenn Cronin kurz auf den Leidensdruck der im Prolog eingeführten ägyptischen Familie eingeht.

 

Woran es im Hause Cannon angesichts der immer bedrohlicheren Ereignisse fehlt, ist ein echtes Miteinander. Alle Figuren, besonders die Eltern, sind fast nur mit sich selbst beschäftigt, haben keinen Blick für die Bedürfnisse der anderen Bewohner. Die Entfremdung zwischen Charlie und Larissa, befeuert durch die Umstände des Verschwindens, bringt der Film mancherorts eindringlich auf den Punkt. Insgesamt hätte er der Beziehung aber ruhig noch etwas mehr Raum geben dürfen. Angestaubt sind in diesem Zusammenhang die Rollenzuschreibungen. Der Mann ist als Journalist der Analytiker, der sich irgendwann auf Spurensuche begibt, während seine im Krankenwesen arbeitende Frau nach Katies Rückkehr ganz in ihren Emotionen aufgeht. Zwischendurch gerät Larissa leider etwas zu sehr aus dem Blick. 

 

Dass er das inszenatorische Horroreinmaleins beherrscht, stellt Lee Cronin mit seiner Version des Mumienstoffes einmal mehr unter Beweis. Selbst wenn die großen Überraschungskniffe ausbleiben, ist es allemal erstaunlich, wie blutig und explizit es in einigen Momenten wird. Gerade das komplett freidrehende Finale steht dann allerdings auch ein bisschen im Widerspruch zum Bestreben, ein halbwegs ernstzunehmendes Drama über Familiendynamiken und Traumata zu erzählen.

 

Christopher Diekhaus

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