Maos letzter Taenzer

Es ist wohl eine dieser Geschichte, die nur das Leben schreiben kann: Ein junger chinesischer Tänzer kommt für ein Gastspiel in den Westen, wird zum Star und verliebt sich in die Verheißungen des Kapitalismus. Subtil ist das zwar nicht, aber nicht zuletzt dank des tollen Hauptdarstellers, der vor allem Tänzer ist, aber auch einiges schauspielerisches Talent vorweisen kann, ein berührender, sehenswerter Film.

Webseite: www.maosletztertaenzer-film.de

OT: Mao’s last Dancer
Australien 2009
Regie: Bruce Beresford
Drehbuch: Jan Sardi
Darsteller: Chi Cao, Bruce Greenwood, Kyle MacLachlan, Joan Chen, Amanda Schull, Aden Young
Länge: 117 Min.
Verleih: Capelight Pictures
Kinostart: 4. November 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Als Kind wird Li Cunxin entdeckt, in einem kleinen Dorf in der chinesischen Provinz. Was für den sechsjährigen bedeutet, dass er auf Jahre von seinen Eltern getrennt wird und seinen biegsamen Körper fortan in den Dienst von Land und Partei zu stellen hat. Der Anfang ist zwar schwer, doch bald ist Li einer der besten Tänzer Chinas, wobei der Titel des Films wohl eher daher rührt, dass die Geschichte Ende der siebziger Jahre spielt, also in etwa zu Maos Tod. Ansonsten bleibt der langjährige Herrscher Chinas außen vor, allein die in seinem autokratischen System begründeten Repressionen werden bisweilen spürbar.

Li jedenfalls wird bald zu einem der Startänzer Chinas, der so gut ist, dass ihm auch eine Reise ins kapitalistische Ausland gewährt wird. Ausgerechnet nach Houston führt ihn sein Weg, wo der australische Choreograph Ben Stevenson (Bruce Greenwood) das lokale Ballett zu großem Erfolg geführt hat. Für Li (als Erwachsener gespielt von Chi Cao, einem ausgebildeten Tänzer, der somit in den Tanzszenen glänzen kann) ist Amerika ein Schlaraffenland. Er entdeckt Hamburger, Cola, schöne (blonde) Frauen und nicht zuletzt die Freiheit. Doch nach wenigen Monaten soll der Traum vorbei sein: Lis Aufenthaltsgenehmigung wird nicht verlängert, die Partei beordert ihn in seine Heimat zurück. Doch die Beamten haben ihre Rechnung ohne den selbstbewussten Li gemacht, der schon als Kind bewiesen hatte, wie groß sein Wille ist, seine eigenen Ziele durchzusetzen.

Dass „Maos letzter Tänzer“ den Gegensatz zwischen Ost und West bisweilen etwas schlicht darstellt, kann man dem Film kaum vorwerfen. Viel mehr, dass er sich nicht recht zu entscheiden weiß, ob er nun die Freiheit Amerikas in den Himmel loben soll oder doch ein skeptisches Bild zeigen will. Letztlich macht er dann beides, aber nur halbherzig: Die Freiheit des Westens ist zwar toll, aber auch mit Nachteilen verbunden, das repressive System Chinas zwar fragwürdig, aber so richtig schlimm ist es dann doch nicht. Eine klarere Haltung hätte Bruce Beresford Film gut gestanden, aber letztlich will er nicht mehr als das Porträt eines bemerkenswerten Mannes sein. Und dank seines oft an den charismatischen Bruce Lee erinnernden Hauptdarsteller gelingt das auch überzeugend. Besonders die zahlreichen Tanzszenen sind eine Augenweide, aber auch in den dramatischen Szenen weiß Chi Cao zu überzeugen. Der echte Li Cunxin hat inzwischen das Tanzen aufgegeben und lebt mit seiner Frau in Australien: Als Börsenmakler.

Michael Meyns

Endlich wieder ein Bruce-Beresford-Film. Und was für einer!

China zur Zeit Maos. Die Worte des Vorsitzenden, die maoistische Ideologie, die Kontrolle durch die PK sind total. Bis ins hinterste Dorf gilt, was der Parteisekretär anordnet.

Die autobiographische Geschichte des Li Cunxin, einer von sechs Söhnen eines Bauernehepaars aus der Provinz. Von Talentsuchern wird er für die Ballett-Akademie in Peking ausgewählt. Sieben Jahre des härtesten Trainings und der strengsten Disziplin, die man sich vorstellen kann.

Weil Li außerordentlich begabt ist, die idealen körperlichen Voraussetzungen mit sich bringt und „super“ tanzt, wird er zu einem Sommerpraktikum nach Houston/Texas eingeladen. In Vertretung eines verletzten Solisten tanzt er mit einer Primaballerina einen Pas de deux in der „Fledermaus“. Das Publikum ist hingerissen.

Li verliebt sich in die Tänzerin Liz. Der Sommeraufenthalt geht aber seinem Ende entgegen. Li will nicht mehr zurück. Was tun? Heiraten. Das geschieht auch.

Die Chinesen haben allerdings etwas dagegen: der Houstoner Konsul, der Botschafter, das Außenministerium, die Parteiführung. Es kommt zu höchsten diplomatischen Verwicklungen, während derer Li, sein Choreograph, sein Anwalt und auch einige seiner Freunde wie als Geiseln festgehalten werden.

Endlich die Lösung. Li kann in den USA bleiben – aber nie mehr nach China zurückkehren.
Bis die Mao-Zeit endgültig vorbei ist.

Er lebt heute mit einer Solotänzerin verheiratet und drei Kindern in Australien.

Ein für ein besonderes Künstler- und Menschenschicksal bewegender, für die kommunistische Diktatur typischer, fürs Kino höchst geeigneter, künstlerisch beachtlicher, herrlich choreographierter und überzeugend gespielter Film.

So weit so gut. Legitimerweise kann dies fürs Kino, fürs Publikum, fürs Geschäft, für den Erfolg ein wenig frisiert, hochstilisiert und auf Effekt gemacht werden. Und das taten die Macher denn auch. Ein paar Szenen gehen dabei an die Grenze der künstlerischen Seriosität – etwa der Besuch von Lis Eltern, einige Slow-Motion-Bilder oder der Schluss.

Doch das sind Kleinigkeiten etwa gegenüber der tänzerischen Leistung von Chi Cao – seit Baryschnikow hat man derlei kaum gesehen -, gegenüber der perfekten Choreographie von Graeme Murphy und Janet Vernon, gegenüber den „Performances“ der Schauspieler.

Ein Genuss dieser Film.

Thomas Engel