Mollys Way

In ihrem sympathischen Debütfilm erzählt Emily Atef, wie die junge Irin Molly in das kleine polnische Dorf Walbrzych kommt, um den Lover einer Nacht, den Polen Marcin wieder zu finden. Sie findet nicht unbedingt, was sie sucht, aber sie lernt ein bisschen Polnisch und auch sonst ein paar Dinge. Ein präzise beobachteter Film übers Reisen, Entdecken, Fremdsein und sich einleben.

Webseite: www.mollysway.com

Deutschland 2005
Regie: Emily Atef
Buch: Emily Atef und Esther Bernstorff
Kamera: Patricia Lewandowska
Darsteller: Mairead McKinley, Ute Gerlach, Geno Lechner, Adrianna Bierdrzynska, Anna Ilczuk, Jan Wieczorkowski
Verleih: Ventura Film
www.ventura-film.de
Start: 15.6.2006

PRESSESTIMMEN:

Eine irische Träumerin strandet in Polen… Mit Maired McKinleys intensiver, leiser Darstellung legt sich eine verträumte Atmosphäre über die düsteren Bilder: die richtige Stimmung, um der metaphorischen Lebensreise zu folgen. – Sehenswert!
Tip Berlin

FILMKRITIK:

In ihrem ersten Langfilm schickt die DFFB Absolventin Emily Atef die Irin Molly auf eine europäische Entdeckungsreise. Ohne ein Wort Polnisch zu verstehen, kommt die ernste und solide wirkende junge Frau in dem kleinen polnischen Ort Walbrzych an. Sie mietet sich in einem kleinen und schäbigen Hotel – eher Bordell als Pension – ein und macht sich auf die Suche nach Marcin, einem Polen, mit dem sie in Irland eine Nacht und einen Tag verbracht hat. Alles, was sie von ihm weiß, ist sein Vorname, sein Herkunftsort, und dass er ‘mit Kohle arbeitet’.

Molly geht die Aufgabe mit einem heiligen Ernst an, der zunächst verwunderlich wirkt und ihre abgebrühten Mitbewohnerinnen amüsiert. Systematisch läuft sie die stillgelegten Minen in der Umgebung von Walbrzych ab, hängt kleine handgeschriebene Suchanzeigen auf und lernt, auf Polnisch ‘Suche Marcin’ und ‘Guten Tag’ zu sagen. Ihr Weg führt sie in ein kaltes, unwirtliches Polen der verlassenen Industriestandorte, heruntergekommenen Altbauten, enttäuschten Frauen und  verschlossenen, harten Männer. Doch Molly lässt sich von der fotogenen Trostlosigkeit der Kulisse nicht einschüchtern. Zäh verteidigt sie ihr Anliegen. Nebenher lebt sie sich ganz allmählich ein: als das Geld knapp wird, beginnt sie als Putzfrau im Hotel zu jobben und schließt dabei nach und nach auch Bekanntschaft mit ihren Zimmernachbarinnen.

Irgendwohin gehen, sich durchschlagen, und hinterher ein bisschen mehr wissen, über sich und andere – „Molly’s Way“ ist die Geschichte einer Selbstfindung. Zugleich fängt der Film ein Stückchen spezifisch europäischer Gegenwart  ein. Das Überall-Hinreisen können, Englisch als gemeinsame Sprache, aber auch das Fremdsein, das Sprachlos-sein und den kleinsten gemeinsamen Nenner finden müssen.

Zumeist findet Emily Atef, die selbst in verschiedenen Ländern aufgewachsen ist, für diese Erfahrung präzise Bilder und authentische Dialoge. Dabei bleibt sie stets auf Distanz, Innenansichten der Personen sind rar, die Kamera hält mindestens Gesprächsabstand, das Licht ist neutral – allenfalls spärliche Musik und das Wetter deuten innere Zustände an. Größtmögliche Schlichheit herrscht auch bei der Story, die sich ganz auf die schweigsame Heldin und ihr Dilemma konzentriert.

Gelegentlich holpert die Konstruktion auch, wird allzu reduziert, lässt das dünne Budget merken oder erinnert an die „Euro-Pudding-Produktionen“ bei denen die Windungen des Plots weniger einer inneren Notwendigkeit, als den Herkunftsländern der Geldgeber geschuldet scheinen.
Dennoch: ein vielversprechender Anfang.

Hendrike Bake