Water

Zum Abschluss ihrer „Elemente-Trilogie“ beschäftigt sich die indischstämmige Deepa Mehta erneut mit der Rolle der Frauen in Indien, genauer gesagt den Witwen. Angesiedelt Ende der 30er Jahre entfaltet der Film vor allem visuelle Kraft, während die gesellschaftskritischen Elemente von der weniger überzeugenden Dramaturgie und Schauspielleistung überschattet werden.

Webseite: universumfilm.de

Kanada 2005
Regie: Deepa Mehta
Buch: Deepa Mehta
Darsteller: Sarala, Manorma, Lisa Rey, Seema Biswas, John Abraham
118 Minuten, Format 1: 2,35 (Scope)
frei ab 12 Jahren
Kinostart: 7.9.2006
Verleih: Universum Film, Vertrieb: Central

PRESSESTIMMEN:

…spielt im Indien der späten dreißiger Jahre…. In Bildern, die den Zuschauer mit ihrer Schönheit so trunken machen, dass sie bisweilen den Blick trüben, feiert Mehta die Liebe zwischen der jungen Witwe Kalyani und dem Polit-Aktivisten Narayan als Revolte der Herzen.
Der Spiegel

Deepa Mehtas Film ist der letzte Teil ihrer Trilogie ("Fire", "Earth") über indische Frauen. Ein poetisches Meisterwerk mit kraftvollen Bildern, farbenfroh und voller Lebenslust.
Brigitte

Gegen Ende der 1930er-Jahre in Benares spielender Abschluss der „Elemente“-Trilogie von Deepa Mehta über das Schicksal indischer Frauen. Der subtil inszenierte, detailreich ausgestattete Film erzählt von einer traditionellen Form der Unterdrückung; die zwischen Trauer und Hoffung, Melancholie und Romantik pendelnde Geschichte wird durch den märchenhaften Schluss aufgebrochen. – Sehenswert ab 16.
film-dienst

FILMKRITIK:

FILMKRITIK:

 

FILMKRITIK:
Indien 1938. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs herrschen die britischen Kolonialherren über das Land, doch der Aufstieg Mahatma Gandhis steht unmittelbar bevor. In einem Frauenhaus in der nordindischen Stadt Varanasi, am Ufer des Ganges, ist von gesellschaftlichem Wandel noch nichts zu spüren. Dorthin wird die achtjährige Chuyia geschickt bzw. verbannt nachdem ihr Ehemann gestorben ist. Von diesem hat sie zwar noch nie etwas gesehen oder gehört, doch den alten Traditionen folgend ist sie trotz ihrer Jugend eine Witwe und somit unrein, in der patriarchalischen indischen Gesellschaft nichts mehr wert. In diesem Heim, in dem zahlreiche andere Frauen unterschiedlichstem Alter leben, soll sie nun den Rest ihrer Tage verbringen, auf Almosen angewiesen, von der Gesellschaft geächtet, ohne Aussicht auf ein glückliches Leben. Im Frauenhaus trifft Chuyia auch die schöne Witwe Kalyani, die sich als Prostituierte verdingt und mit ihrem Einkommen vor allem die Wünsche von Madhumati erfüllt, die sich zur Herrscherin über das Haus und die Frauen ernannt hat.
In dieses karge Leben tritt der intellektuelle Gandhi-Anhänger Narayan, der sich in Kalyani verliebt und sie und Chuyia aus der quasi Gefangenschaft befreien will. Gegen den Widerstand seiner Eltern will er Kalyani heiraten, doch diese ist trotz der nahenden Rettung zu sehr mit den traditionellen Moralvorstellungen verhaftet, als das sie die Scham über ihren Beruf einfach überwinden könnte.

Die Struktur, die Deepa Mehta für ihre Geschichte gewählt hat, ist alles andere als originell. Allzu schematisch sind die Figuren und mit ihnen die unterschiedlichen Positionen und Ansichten skizziert. Dabei ist das Thema des Films ohne Frage erschütternd und erschreckend, zumal sich die Lage der Frauen, auch in der modernen indischen Gesellschaft, noch nicht grundlegend geändert hat. So traf Mehta während der Dreharbeiten auf erbitterten Widerstand reaktionärer Kreise, die schließlich soweit gingen, dass die Dreharbeiten abgebrochen und nach Sri Lanka verlegt werden mussten. Dort errichtete das Team eine authentische hinduistische Tempelanlage, die dem Film einen visuellen Glanz verleiht, der zwar der Geschichte einerseits widerspricht, angesichts der Schönheit der Landschaft die erlittenen Ungerechtigkeiten umso furchtbarer erscheinen lässt.

Umso bedauerlicher, dass die Geschichte auf solch banale Art erzählt wird. In vielerlei Hinsicht erinnert Mehtas Film an Florian Gallenbergers Schatten der Zeit, in dem ebenfalls der Schönheit Indiens gehuldigt wurde, die potentielle Kraft der menschlichen Schicksale jedoch durch kaum zu ertragende Sentimentalität zerstört wurde.

Auch wenn Mehta ursprünglich aus Indien stammt, ist sie doch in Kanada aufgewachsen und hat dort begonnen, Filme zu drehen. Dieser westliche Blick, die westliche Haltung, mit dem sie ihre alte Heimat betrachtet, passt nur schwerlich zu der erzählten Geschichte. Die verlangt eher nach der unsentimentalen Art, mit der etwa der große indische Regisseur Satyajit Ray über die Missstände Indiens erzählte. Selbst dass Mehta am Ende auf ein komplettes Happy End verzichtet, wirkt angesichts des zuvor gesehenen nicht wie eine realistische Entscheidung, sondern wie ein zu diesem Zeitpunkt längst vergeblicher Versuch, die konventionelle Handlung zu durchbrechen.

Michael Meyns