Mit dem Erfolg des ersten Teils fiel dem Autor und Regisseur Julien Hervé eine Steilvorlage für die Fortsetzung praktisch in den Schoß – und er bleibt seinem Konzept treu.
Wieder geraten die beiden sturen Patriarchen, der adlige Weingutbesitzer Frédéric (Christian Clavier) und der prollige Autohändler Gérard (Didier Bourdon), durch neue DNA-Erkenntnisse in eine Identitätskrise, während die Hochzeit ihrer Kinder immer näher rückt.
Über den Film
Originaltitel
Cocorico 2
Deutscher Titel
Oh la la 2
Produktionsland
FRA
Filmdauer
0 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Thierry Desmichelle, Rémi Jimenez, Ahmed Louati, Caroline Mougey
Regisseur
Julien Hervé
Verleih
Weltkino Filmverleih GmbH
Starttermin
27.08.2026
Dass ausgerechnet der erzkonservative französische Nationalist Frédéric plötzlich zusätzlich zu seiner 15-prozentigen Cherokee-Abstammung zu 85 Prozent Türke sein soll und damit 0 Prozent Grande Nation übrig bleibt, ist schon schlimm genug. Doch dass Gérard, der im ersten Teil als 50-prozentiger Deutscher entlarvt wurde, nun ebenfalls durch einen neuen Gen-Test komplett seine französischen Vorfahren verliert, sorgt erneut für reichlich Konfliktstoff zwischen den beiden Streithähnen und ihren Familien.
Der Film setzt dabei konsequent auf das bewährte Rezept des Vorgängers: boulevardeske Missverständnisse, temperamentvolle Wortgefechte und zwei Hauptdarsteller, die ihre Rollen mit sichtbarer Spielfreude auskosten. Christian Clavier und Didier Bourdon harmonieren erneut gut miteinander und tragen den Film beinahe im Alleingang. Das müssen sie auch, denn der flotte Schnitt und die zahlreichen Schauplatzwechsel verleihen der Komödie zwar ein höheres Tempo, können aber trotzdem nicht die Wiederholungen und Schwächen in einem Drehbuch überdecken, das zwar ganz gut unterhält, aber letztlich nicht viel Neues bringt.
Wo der erste Teil noch Biss hatte, fehlt hier die Treffsicherheit des Originals, die durch die beiden widerstreitenden Hauptfiguren und ihre zahllosen Konflikte miteinander verstärkt wurde. Jetzt sind die beiden sich in ihrem Elend einig, viel zu einig für eine Komödie, die auf zwei Gegnern beruht. Die verbalen Auseinandersetzungen wirken oft aufgesetzt. Und schließlich ziehen die beiden auch noch zusammen, zwar ungewollt und mit entsprechend viel Hin und Her, aber sie haben nun einfach zu viel gemeinsam, um sich noch zu bekämpfen. Dazu verlaufen die meisten Nebenhandlungen im Sande – da wird so manches eingeführt oder angedeutet und verschwindet später einfach: Gérards Auswanderungspläne, die sympathische portugiesische Community, der Englischunterricht von Gérards Ehefrau Nicole … irgendwann ist das alles weg, untergegangen im Wust einer Geschichte, die boulevardesk daherkommt, aber nicht immer einer stringenten Handlung folgt.
Figuren wie das Brautpaar oder Frédérics Ehefrau (die wacker dauerlächelnde Marianne Denicourt) bleiben erneut erstaunlich blass, und einige Running Gags werden etwas zu oft bemüht. Vor allem aber fehlt den Reibereien zwischen den beiden Streithähnen diesmal die explosive Komik, die in Teil 1 durch den unaufhaltsam sich zuspitzenden Konflikt zwischen den beiden Helden entstand. Und weil das zentrale Spannungsverhältnis an Schärfe verliert, bis praktisch nichts mehr davon übrig ist, verliert auch die gesamte Komödie an Witz.
Auffällig ist außerdem, dass Hervé den Ton insgesamt versöhnlicher anschlägt. Die satirischen Spitzen gegen Nationalstolz, Vorurteile und Identitätsdebatten bleiben zwar erhalten, wirken jedoch deutlich milder als zuvor. Das macht den Film vielleicht etwas zugänglicher, nimmt ihm aber zugleich viel von seiner provokativen Ironie.
Am Ende ist „Oh la la 2“ eine irgendwie doch einigermaßen sympathische, handwerklich recht solide Fortsetzung, die vermutlich ihr Publikum zuverlässig unterhält, ohne allerdings dabei noch einmal den Überraschungseffekt des Vorgängers zu erreichen. Wer den ersten Film mochte und – vor allem – die beiden knalligen Hauptdarsteller, wird auch hier genügend Anlass zum Schmunzeln finden. Auch wenn das ganz große komödiantische Feuerwerk diesmal ausbleibt.
Gaby Sikorski







