Ossis Eleven

Achtung, Klamotte! Könnte man glauben, bei dieser Geschichte von einer Gruppe von Versagern im tiefen Osten, die zu dämlich dazu sind, aus einer Eisengießerei alte D-Mark-Münzen zu stehlen. Doch Entwarnung: So schlicht bis seicht die Story klingt, so amüsant und kurzweilig wird sie dargeboten. Dass Autor und Regisseur Oliver Mielke sein Kinodebüt ganz gut gelingt, hat gewiss mit seiner Vergangenheit zu tun: Mielke war Unterhaltungschef von Pro 7 und zuständig für Formate wie die „Bullyparade“ oder „Switch“. Ein ähnlich gutes Comedy-Händchen beweist er nun auch hier – wobei einmal mehr die Darsteller die halbe Miete der Komödie sind. Auch sonst kann sich die Sache sehen lassen: kurzweiliges Tempo, angenehm unaufdringliche Situationskomik, lässige Dialoge, hübsche Bilder – im Osten was Neues.

Webseite: www.ossiseleven.de

D 2007
Regie: Oliver Mielke
Drehbuch: Oliver Mielke, Philip Kaetner
Kamera: Thomas Wittmann
Schnitt: Günther Kruth
Darsteller: Stefan Jürgens, Tim Wilde, Andreas Giebel, Manfred Möck, Helmfried von Lüttichau, Götz Otto, Michael Brandner, Sascha Schmitz, Jule Ronstedt, Karoline Eichhorn
Verleih: Universum
Kinostart: 28.2.2008
 

PRESSESTIMMEN:

Der Humor wird so zielsicher verwendet, dass er immer ins Herz trifft.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Den liebenswert albernen Coup setzt Regisseur Oliver Mielke mit grenzenloser Sympathie für seine Alltagshelden ins Bild – ironische Hommage an den Schrebergartencharme der Platte.
DER SPIEGEL

Geschickt verbindet Mielkes Räuberpistole einschlägige Caper-Movie-Klischees mit schwarzem Humor, Slapstick und Wortwitz zu einer warmherzigen Milieustudie. Ein flottes, teilweise sogar anrührendes Vergnügen mit einer Exzellenten Elf.
CINEMA

Der cineastisch gelungene Verweis auf George Clooneys "Ocean’s Eleven"-Erfolg, der sich zu einer urkomischen Parodie auswächst, wird ergänzt durch typisch deutsche Charaktere.
Eine sehenswerte Loser- Riege, durch die Bank gut besetzt.
ZITTY, Berlin

FILMKRITIK:

„Du kommst aus dem Gefängnis frei“ erfährt Speditionsfahrer Oswald „Ossi“ Schneider (Tim Wilde), nachdem er die ersten paar Monate wegen Diebstahl vom eigenen LKW abgesessen hat. Kaum aus dem Knast, lockt das perfektere Verbrechen. In der lokalen Eisengießerei warten Tonnen von alten D-Mark-Münzen aufs Einschmelzen – oder darauf, von cleveren Ganoven gekonnt abgegriffen und gegen Euro eingetauscht zu werden. Für diesen Coup sammelt Held Ossi ein paar andere Ossis aus der Plattenbausiedlung, die vergeblich auf die blühenden Landschaften gewartet haben.

Da wären die ehemaligen DDR-Hochleistungssportler Axel (Götz Otto) und Bruno (Michael Brandner), zwei gedopte Ruder-Brüder, die sich heute als arme Würstchen mit einer Würstchenbude über Wasser halten. Oder Karl, der Grobe (Stefan Jürgens), ein Trucker-Fahrer mit großer Macho-Klappe und noch mehr Testosteron-Überschuss. Oder die Kantinen-Hilfe Thommy (Sänger Sasha) samt belesenem Opa. Selbst die Stasi fehlt nicht in Person von Spitzel Konrad (Manfred Möck). „Keiner kann Sie leiden. Ich kann Sie auch nicht leiden. Aber ich brauche Sie“ muss sich der Ex-Vertreter der DDR-Staatsmacht von Ossi sagen lassen. „Ich war kein IM“, kontert Konrad gekonnt, „wenn schon, dann war ich OM.“ Langsam aber sicher, nicht selten auch unfreiwillig, wächst die Einbrechertruppe immer mehr an, bis schließlich die titelgebenden Gruppenstärke der Ganoven-Elf erreicht ist. „Je mehr mitmachen, desto weniger können uns verraten“, gibt sich der Chefplaner gelassen.

Alles läuft gut, zumindest am Anfang. Aber dann läuft ganz viel schief. Erst spannt Frauenheld Karl dem sensiblen Kumpel eiskalt die Freundin aus. Dann werden die Ganoven beim ausgeklügelten Raubzug nach Rififi-Manier auch noch von der Überwachungskamera gefilmt. Und schließlich verläuft der gut geplante Coup mit dem unkonventionellen Einsatz eines leeren (!) Geldtransporters („eine geniale Tarnung“) zum Abtransport ganz anders als erhofft. Wehe, wehe wenn ich auf das Ende sehe? Doch zum Glück bekommt der Ossi zum fast-happyend nochmals eine „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte.

Fast 20 Jahre nach Mauerfall und unzähligen Ostalgie-Komödien in Film und Fernsehen, könnte man das Thema eigentlich getrost als ziemlich abgehalftert abheften: „Goodbye DDR-Comedy“. Dank dem Trick mit Clooney-Klon und „Ocean Eleven“-Parodie macht Mielke jedoch ein zweites Handlungs-Fass auf, wodurch der dramaturgische Druck von den Wendeverlierern genommen wird und ungeahnte Leichtigkeit aufkommt. In dieser Konstellation, gleichsam auferstanden aus Ruinen, wirkt die Komödie angenehm unaufdringlich, durch die Plattenbau-Tristesse schimmert beste Kaurismäki-Melancholie, manche Pointen bringen es gar auf britisches Comedy-Format. Die Dialoge fallen lakonisch komisch aus, die Darsteller präsentieren sich allesamt als perfektes Ensemble mit der notwendigen Lässigkeit, pointierte Untertreibung weitab vom üblichen Kalauer-Getöse. Auch visuell bietet diese Komödie überdurchschnittlich hübsche Bilder. Bleibt als Sahnehäubchen noch der Soundtrack – wer sonst leistet sich dafür schon den kleinen Luxus der gewiss nicht „Geiz ist Geil“-günstigen „Depeche Mode“?   

Dieter Oßwald