Parked – Gestrandet

Sci-Fi-Fans kennen Colm Meany von seiner Rolle als Miles O‘Brien in „Raumschiff Enterprise“. Vor allem aber machte er sich einen Namen mit irischen Tragikomödien wie „Die Commitments“ und „Fisch & Chips“. An diese Erfolge knüpft Meany hier an: Er spielt einen Wohnungslosen, der in seinem Auto wohnt. Das Spielfilm-Debüt des Dokumentarfilmers Darragh Byrne gewann den Hauptpreis beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.

Webseite: www.dualfilmverleih.de

Originaltitel: Parked
Irland/Finnland 2011
Regie: Darragh Byrne
Buch: Ciaran Creagh
Darsteller. Colm Meany, Colin Morgan, Milka Alroth, Stuart Graham, Michael McElhatton, David Wilmot
Verleih: Dualfilm
Kinostart: 29. November 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ohne Sozialleistungen kann sich der kürzlich arbeitslos aus England nach Dublin zurückgekehrte Fred (Colm Meany) keine Wohnung leisten. Ohne eine Wohnung aber gewährt ihm der irische Staat keine Unterstützung. Sein Auto und ein Parkplatz am Hafen werden zwangsweise sein neues Zuhause. Dort bleibt er nicht lange allein: Der junge Streuner Cathal (Colin Morgan) wird sein neuer Nachbar. Zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Männern entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft. Cathal lockt den schüchternen, melancholischen Fred aus der Reserve, und der fühlt sich bald verantwortlich für den Chaoten. Erst recht, als er herausfindet, dass Cathal nicht nur fleißig Gras raucht, sondern sich auch Heroin spritzt und von seinem Dealer, dem er Geld schuldet, bedroht wird. Beim Schwimmen lernt Fred die Musikerin Jules (Milka Alroth) kennen, und Cathal greift dem unbeholfenen Freund beim Flirten unter die Arme.

Manchen Filme muss man eine Chance geben. Man ist schon geneigt, abzuwinken – zu sehr hangelt sich die Geschichte an Stereotypen entlang, zu ideenlos wirkt das Konzept. Aber dann findet der Film zu einer überraschenden Dichte und Tiefe. „Parked – Gestrandet“ ist ein Beispiel dafür. Sofort zieht zwar Colm Meanys Spiel in den Bann, das gleichzeitig intensiv, bescheiden und zurückhaltend wirkt. Regisseur Byrne dagegen klammert sich an eine wenig originelle Bildsprache. So werden Freds Schwimmbadbesuche und seine hilflosen Versuche, vom Ein-Meter-Brett zu springen, zu einer allzu offensichtlichen Metapher für seine Lebenssituation. Für ein echtes Sozial-Drama im Sinne von Ken Loach wiederum fehlen Schärfe und Realismus. Auch die Komik gerät ein wenig zu gefällig – etwa wenn Fred als einziger Mann zu einer Gruppe für Wasser-Aerobik stößt.

Zunehmend aber verweigert der Film sich der Erwartungshaltung des Zuschauers. Die Liebesgeschichte zwischen Fred und Jules nimmt keineswegs den scheinbar vorgezeichneten Weg. Vor allem das Schicksal von Cathal zeichnet Byrne in düsteren Farben, unaufhörlich geht es mit ihm bergab. Die Männerfreundschaft mit Fred gibt ihm Auftrieb – aber der Film nährt nicht die Illusion, sie allein könne einen Junkie retten. Überhaupt verliert die Erzählung immer mehr das Interesse an Sozialkritik – sie wird gleichsam zu einem Grundrauschen. Umso schärfer treten dafür die Figuren hervor. „Parked – Gestrandet“ wird zu einem tieftraurigen und pessimistischen Porträt von Menschen, die sich in ihrem eigenen Leben verlieren. Wohltuend vor allem, dass Byrne jede Psychologisierung und Problematisierung seiner Figuren unterlässt. Vor allem von Fred erfährt der Zuschauer nur soviel er unbedingt wissen muss. Letztlich bleibt er ein Fremder; warum er in einer Sackgasse landet, lässt sich nicht einfach durch seine Biografie erklären. Wie sich aber ständige Einsamkeit anfühlt und was sie mit einem Menschen macht, davon weiß der Film sehr wohl zu erzählen. Er braucht nur Anlauf, um den nötigen Mut dafür aufzubringen.

Oliver Kaever

Fred, schon etwas in den Jahren, kommt von England heim nach Irland. Er ist aus welchen Gründen auch immer mittellos. Weil er keinen festen Wohnsitz hat, bekommt er keine Sozialhilfe, und weil er keine Sozialhilfe erhält, findet er auch keine bezahlbare Wohnung. Es bleibt ihm nichts anderes übrig als auf einem Strandparkplatz in seinem Auto zu leben. Er hat sich einigermaßen eingerichtet, einen Winter hat er schon hinter sich.

Hundert Meter weiter haust ebenfalls einer in seinem Auto. Es ist der junge Cathal, der sich mit seinem Vater nicht versteht, vor allem nicht seit dem Tod der Mutter. Cathal hat ein schweres Problem: Er ist drogensüchtig. Er raucht aber nur Gras, sagt er.

Fred ist vorsichtig, doch nach einiger Zeit freunden die zwei sich an, vor allem nachdem Cathal Freds Wagen wieder flott gemacht hat. Dessen Niedergeschlagenheit und depressiver Stimmung tut das wohl. Die beiden unternehmen sogar einiges. So lebt sich’s ganz gut.

Fred trifft auf die Komponistin und Organistin Jules. Es bleibt eine nur sporadische Verbindung, doch die beiden verstehen sich gut, scheinen sich sogar zu mögen. Freds Minderwertigkeitskomplex behält aber vorerst noch die Oberhand.

Cathal hat gelogen. Er raucht nicht nur Canabis, er spritzt sich auch Heroin. Und er hat deshalb hohe Schulden. Vom Drogenhändler und seinem Schergen wird er daher halb tot geschlagen. Fred ist bitter enttäuscht. Immer wieder hatte er Cathal gebeten, mit den Drogen aufzuhören, und dieser hatte es ebenso oft versprochen.

Nun ist Cathal tot. Fred ist wieder allein. Nur einen kleinen Funken Hoffnung hat er noch: dass die Finnin Jules, die nach Helsinki gereist ist, bald wieder zurückkehrt – zu ihm. Ihre Wohnung hat sie Fred ohnehin schon überlassen.

Ein Film über die schleichende, tödliche Wirkung der Drogen. Ein Film über die Einsamkeit, die Mittellosigkeit und den Kampf gegen die unerbittliche Bürokratie. Und auch ein Film darüber, was eine aufkeimende Liebe doch wieder für Lebenskraft vermitteln kann.

Eines ist sicher: ein wunderbarer Film – vom Menschlichen her, von den Gefühlen her, von der Stimmung her und von der Inszenierung her. Aus wenig (an Handlung) wird in diesem Debütwerk für den Kinozuschauer sehr viel an Empfindung gemacht. Außerdem: Colm Meaney (Fred) und Colin Morgan (Cathal) spielen das, wie man es schlechthin besser nicht bringen kann!

Thomas Engel