Prinzessin von Montpensier, Die

Vor dem Hintergrund der Religionskriege im Frankreich des späten 16. Jahrhunderts entfaltet Bertrand Tavernier eine umwerfend gefilmte, mitreißende Romanze. Dass er es dabei schafft gleichermaßen historisch genau zu bleiben und doch nicht in die für Historienfilme allzu oft typische Starrheit der Gesten und Sprache zu verfallen, macht „Die Prinzessin von Montpensier“ zu einem starken Film.

Webseite: www.studiocanal.de

Originaltitel: LA PRINCESSE DE MONTPENSIER
Frankreich 2010
Regie: Bertrand Tavernier
Buch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier, nach der Erzählung von Madame de Lafayette
Darsteller: Melanie Thierry, Lambert Wilson, Gregoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz
Länge: 139 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 27. Oktober 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Frankreich, im späten 16. Jahrhundert. Seit Jahren kämpfen Katholiken und Hugenotten in den so genanten Religionskriegen, die ihren traurigen Höhepunkt im Gemetzel der Bartholomäusnacht finden werden. Müde ob der Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges, legt der Edelmann Comte de Chabannes (Lambert Wilson) die Waffen nieder. Auf dem Weg in seine Heimat trifft er seinen jungen Schützling, den Prinz von Montpensier (Gregoire Leprince-Ringuet), der auf dem Weg zu seiner Hochzeit ist. Mit wem sein Vater ihn verheiratet, weiß der Prinz noch nicht, das Konzept der Liebesheirat liegt noch in ferner Zukunft. Stattdessen werden Ehen aus politischen, geschäftlichen Interessen geschlossen, um Familien zu verbinden oder zu befrieden. Die ihm zugedachte Braut ist die junge, liebreizende Marie de Mézière (Melanie Thierry), die im Geheimen für den heißblütigen Henri de Guise (Gaspard Ulliel) entflammt ist. Doch das Wort ihres Vaters ist Befehl, die Aufgabe der Frau jener Zeit beschränkt sich auf den Gehorsam und das Gebären von Nachkommen.

Während ihr Mann nach vollzogener Ehe – nachgewiesen durch das stolz vorgezeigte blutige Laken – wieder in den Krieg zieht, beginnt Marie bei Chabannes zu lernen: Latein, Astrologie und schließlich sogar Lesen und Schreiben. Ihre Leidenschaft für Henri scheint vergessen, doch die Unausweichlichkeit des Schicksals bringt sie immer wieder zusammen. Während im Hintergrund die großen, das Schicksal einer ganzen Nation beeinflussenden Ränke geschmiedet werden (Figuren wie Christina von Medici tauchen kurz auf, die erzwungene Heirat zwischen der katholischen Königin Margot und dem Hugenotten Henri von Navarre, die Patrice Chereau in seinem Film „La Reine Margot“ so mitreißend geschildert hatte, werden kurz erwähnt), verstrickt sich Marie im Kleinen in ihre ganz eigenen Liebeshändel, die am Ende viel Blut und Tränen hinterlassen werden.

Nicht zuletzt dank der jungen, attraktiven Darsteller wirkt die Geschichte bisweilen wie eine Soap Opera. Intrigen, geheime Briefe, bebende Dekolletes, nichts lässt Tavernier aus – und vermeidet es dennoch, in die Untiefen des Kitsches zu versinken. Mit fliegender Kamera, in satten, leuchtenden Breitwandbildern fängt er das Geschehen ein, in dem sich die Figuren zwar mit historisch akkuraten Kostümen durch schmucke Schlösser und Landschaften bewegen, aber doch so unmittelbar und lebendig wirken, als wären sie einem Liebesdrama der Moderne entsprungen. Und ganz nebenbei wird auch noch das präzise Bild einer Gesellschaft entworfen, in der die Frauen Spielball der Männer sind, in der Emotionen zum Wohle der Familie unterdrückt werden müssen, persönliche Wünsche vor den Interessen des Staates zurückstehen müssen. Ein großartiger, mitreißender Film, dem man einen deutlich liebevolleren Umgang seitens seines Verleihs gewünscht hätte.

Michael Meyns

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