Rendezvous

Ein Theaterstück von Bob L. Sack hat sich Regisseur Alexander Schüler als Grundlage für seinen ersten Spielfilm ausgewählt. 95 Minuten lang bewegen sich die vier Schauspieler  – wie auf einer Theaterbühne – auf engstem Terrain: eine schicke Wohnung mit Balkon und Sauna sowie eine Dachterrasse mit Blick auf besagte Wohnung. Die „Flucht“ aus der Wohnung ist unmöglich, weiter als mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss kommt Walter und somit auch der Zuschauer nicht. Mit wenig Budget, guten Schauspielern, viel Enthusiasmus und einem gelungenen Konzept schafft Alexander Schüler mit „rendezvous“ ein beklemmendes Beispiel unserer Beziehungen konsumierenden, egoistischen Gesellschaft.

Webseite: www.rendezvous-derfilm.de

Deutschland 2005
Regie: Alexander Schüler
Darsteller: Sven Walser, Lisa Martinek, Tim Lang, Anika Mauer
95 Minuten
Verleih: Pandora Film
Kinostart: 27.4.2006

PRESSESTIMMEN:

Regisseur Alexander Schüler und Produzent Sven Walser gelang es, in nur 14 Drehtagen und ohne finanzielle Förderung, einen brutal ehrlichen Film zu schaffen, der nicht nur aufwühlend, sondern auch ungeheuer spannend ist. Die vier Schauspieler bieten eine glänzende Leistung und vermitteln dem Zuschauer eine absolut real wirkende Vorstellung – so muss die Ehehölle aussehen! Die bitterbösen Dialoge und die Handkamera vermitteln eine gnadenlose Intensität und Direktheit.
Stern

Bewegliche Handkamera, kammerspielartiges Set sowie höchste darstellerische Intensität: Das erinnert an die großen Gesellschaftsdramen des europäischen Kinos, an Filme wie "Das Fest", "Die Klavierspielerin" oder auch "Das Experiment".
Filmecho

… ein ebenso packendes wie verstörendes Spielfilmdebüt, das Erinnerungen an die frühen Arbeiten von Rainer Werner Fassbinder weckt. 
Blickpunkt:Film

Eine Wohnung und vier Schauspieler, die der Sache gewachsen sind – das ist ein erstaunlich effektives Konzept, das in der melancholischen Nebellandschaft des deutschen Films richtig erfrischend wirkt.
FAZ

 … rechnet man Alexander Schülers sarkastische Beziehungsschlacht RENDEZVOUS sowie die beiden in Cannes uraufgeführten Filme FALSCHER BEKENNER und SCHLÄFER dazu, so war 2005 ein Jahrgang hohem Niveau.
Der Tagesspiegel

 

 

FILMKRITIK:

Walter ist erfolgreich. Er verdient als Sparkassenmanager viel Geld, er will sich seinem Stand entsprechend ein Haus kaufen. Anna mag die gemeinsame Wohnung – die wie eine unterkühlte Kopie aus „Schöner Wohnen“ wirkt. Anna will ein Kind. Was Walter wiederum für weniger wichtig hält. Szenen einer Ehe, wie sie sich hundertfach in allen Sprachen dieser Welt schon abgespielt haben mögen. Doch selten wirkt das Gespräch zwischen einem Ehepaar so brutal offen wie bei Alexander Schülers Erstlingswerk „rendezvous“. Man zuckt mit Anna zusammen, wenn ihr Mann sie verbal angreift. Aber auch Anna kennt die Schwächen ihres Gegenübers, weiß verbal zuzuschlagen. Gleichzeitig ahnt man, dass beide Geheimnisse voreinander haben, dass diese Ehe keine gute Basis mehr hat – geschweige denn fruchtbar sein kann.

Nach und nach werden diese Geheimnisse während des Abendessens offenbart. Walters Dienstreise ist ausgefallen. Überrascht stellt er fest, dass Anna ihre Mutter zum Abendessen geladen hat. Auf die Schwiegermutter hat Walter – von Sven Walser hervorragend dargestellt – nun wirklich keine Lust. Statt der Mutter klingelt Walters bester Freund Jost an der Tür. Dieser hat finanzielle Probleme mit seiner Firma, will sich bei Walter Tipps holen. Walter überredet Jost, zum Essen zu bleiben. Schnell ist klar: Jost wollte eigentlich Anna besuchen, war mit ihr zum Rendezvous verabredet. Der Abend zu dritt wird immer unerquicklicher – und eskaliert, als auch noch Josts Frau Yvonne auftaucht, die Walter telefonisch dazu gebeten hat. Yvonne ist schwanger, auch Walter könnte der Vater sein, die Beiden haben seit kurzem eine Affäre und dokumentieren dies anschaulich beim Sex in der Sauna vor den Augen der jeweiligen Ehepartner. Müde und geistig ausgelaugt verbringt das Quartett im Wohnzimmer den Rest der Nacht und sucht – jeder für sich – Lösungen für das Durcheinander, dass zu eskalieren droht …

Alexander Schüler drehte „rendezvous“ in nur 14 Tagen mit einer Handkamera.
Das Resultat ist beeindruckend. Selten hat man so viel beklemmende Beziehungsrealität auf der Leinwand gesehen. Diese eine Nacht hat für Walter, Anna, Jost und Yvonne alles verändert – und für den Zuschauer bleibt die Erkenntnis, dass auch ohne viel Geld und Technikbrimborium Kino unter die Haut gehen kann. Oder wie Peter Lohmeyer über „rendezvous“ sagte: „Frag mich keiner auf was die da gedreht haben. Das war Kino!“

Dagmar Dahmen