Leicht macht es Bi Gan seinem Publikum mit „Resurrection“ wirklich nicht. Es ist ein Ungetüm von einem Film, im Grunde die Entsprechung zum Fantasmer, einer Kreatur, die auf die eine oder andere Art in fünf Geschichten präsent sind. Diese sind nicht Kunstkino par excellence, sondern auch eine Verbeugung vor dem Kino selbst, werden die Geschichten doch alle im Stil unterschiedlicher Epochen erzählt. Eines haben sie zudem gemeinsam: Sie sind narrativ nur schwer greifbar.
Über den Film
Originaltitel
Resurrection
Deutscher Titel
Resurrection
Produktionsland
FRA,CHN
Filmdauer
160 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Gan, Bi
Verleih
PLAION PICTURES GmbH
Starttermin
25.06.2026
In einer Welt, in der die Menschen bewusst auf das Träumen verzichten, um ihr Leben zu verlängern, gibt es dennoch einige wenige, die weiterhin träumen – und damit das Gefüge der Zeit aus dem Gleichgewicht bringen. Der Film entfaltet fünf Traumsequenzen, die jeweils einem der Sinne gewidmet sind und zugleich stellvertretend für unterschiedliche Epochen der Filmgeschichte stehen.
Am Anfang steht ein Stummfilmsegment, im Format 4:3, mit entsprechender Musik, adäquatem Licht- und Schattenspiel, zwar teils in Farbe, dann aber auch wieder Schwarzweiß mit nur einer Farbe eingefärbt, und natürlich mit Zwischentiteln. Man fühlt sich an den deutschen Expressionismus erinnert, Bi Gan verbaut in dieser Geschichte aber alles, was den Stummfilm ausgezeichnet hat – bis hin zum überdramatischen Spiel der Akteure, das das Fehlen des gesprochenen Dialogs ausgleichen muss.
Die anderen Geschichten sind optisch nicht weniger eindrucksvoll, aber ist ein Film wirklich gelungen, wenn die Optik das bestimmende Element ist? Eine schwere Frage, denn narrativ bleibt „Resurrection“ ungreifbar. Er erklärt wenig, vieles bleibt offen, einiges gänzlich unverständlich. Der Film will wirken, aber nicht erzählen, will eine Reaktion, aber die soll aus der Kraft der Bilder herauskommen und nicht aus dem emotionalen Gehalt einer Geschichte. Das macht den Film sperrig, auch schwierig, und mit seiner Laufzeit von 160 Minuten auch durchaus zur Geduldsprobe.
Letztlich müsste man „Resurrection“ wohl mehrere Male ansehen, aber der Film wird polarisieren. Die, die schon beim ersten Sehen nicht abgeholt werden, werden sicher kein zweites oder drittes Mal den Film erleben wollen, und die, die er auf einer symbolhaft-metaphorischen Ebene anspricht, haben nach dem ersten Mal vielleicht nicht den Impuls, es noch einmal zu tun.
Wie dem aber auch sei, faszinierend ist „Resurrection“ schon. Er ist nur kein leicht verdauliches Kinofutter. Wer sich auf diesen auch genretechnisch kaum einzuordnenden Film einlässt, muss wissen, dass dies kein Erzählkino im klassischen Sinn ist. Wer das Kino liebt, mag hier aber viel entdecken, und dass längst nicht nur in der ausgesprochen schön gemachten Stummfilmsequenz. „Resurrection“ ist nichts für jedermann.
Peter Osteried







