Schwarzers Kosmos

Fünf Jahre lang begleitete Klaus Martens den Düsseldorfer Künstler Bernd Schwarzer sowohl bei der Arbeit als auch im Privatleben. Die Doku „Schwarzers Kosmos“ zeigt seinen kreativen Arbeitsprozess und die harten Auseinandersetzungen mit Kuratoren und Galeristen. Daneben wirft der Film einen ungeschönten Blick auf die Mechanismen des hochspekulativen Kunstbetriebs und der oft willkürlichen Preispolitik.

 

Über den Film

Originaltitel

Schwarzers Kosmos

Deutscher Titel

Schwarzers Kosmos

Produktionsland

DEU

Filmdauer

90 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Martens, Klaus

Verleih

Real Fiction

Starttermin

27.08.2026

 

Regisseur Martens porträtiert einen Mann, der als künstlerischer Vordenker und Chronist der geschichtlichen Umwälzungen in Deutschland und Europa gilt. Charakteristisch für den seit jeher „politischen Maler“ sind das prägnante Spiel von Licht und Schatten, eine hohe Leuchtkraft und bewusste Kontraste bei der Farbwahl. Die Doku präsentiert die wichtigsten Werke und den Schaffensprozess des gebürtigen Weimarers. Zugleich spart der Film Schwarzers exzentrisches und streitbares Wesen nicht aus und thematisiert dessen existenzielle Krisen.

Die Themen Menschenrechte, Frieden, Freiheit sowie Teilung und Wiedervereinigung durchziehen das gesamte Schaffen des 72-Jährigen. Seine bekanntesten Arbeiten sind die „Mauerbilder“ und der Zyklus „Europawerk“, bestehend aus hunderten Bildern, Plastiken und Installationen. Sie alle sind in den „europäischen Farben“ Blau und Gold/Gelb gehalten, ergänzend kommen einprägsame Symbole und Motive (Sterne, Europafahnen) hinzu.

Viele dieser expressiven Kunstwerke und reliefartigen Bilder sehen wir in „Schwarzers Kosmos“. Mal im Detail und in Großaufnahme, mal im Hintergrund und als Beiwerk. Schwarzers Bilder hängen in Museen, Galerien, im Auswärtigen Amt in Berlin oder im Europäische Parlament in Brüssel. Viele einflussreiche (Ex-) Politiker schätzen seine Arbeit, darunter der frühere FDP-Chef Christian Lindner, der Schwarzer sehr treffend beschreibt. Er sei „kaum zu bändigen“ und in all seiner Exzentrik „ein eigenes Happening“, so Lindner. „Schwarzer ist eine lebende Installation“.

Und tatsächlich rückt die Doku, die von sparsam eingesetzten, nie zu aufdringlichen Jazz-Klängen untermalt wird, eine ganz und gar außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit in den Fokus. Martens ist mit seiner Kamera immer ganz dicht bei seinem Porträtierten, der im Austausch mit Sammlern, Kunsthändlern und seinen Mitarbeitern kein Blatt vor den Mund nimmt und selbstbewusst seinen Standpunkt vertritt. „Man sollte nie auf andere hören und immer selber entscheiden“, sagt er.

Der launische Künstler kann durchaus laut und ungehalten werden, wenn es bei der Planung und Organisation einer Ausstellung nicht so läuft wie er sich das vorstellt. „Schwarzers Kosmos“ fängt all diese authentischen Momente ehrlich und ungefiltert ein. In spannenden Interviews äußern sich Weggefährten und Kollegen offen über Schwarzers unbequeme Art und Unangepasstheit. Zu Wort kommen u.a. Kunstkritiker, Leihgeber und Kuratoren. „Wir haben öfter Konflikte“, meint einer der Befragten, für den Schwarzer zwar ein herausragender Künstler ist – aber ein schlechter Kaufmann, der seine Finanzen nicht im Griff hat.

Wir erfahren im Laufe des Films, dass der Maler 50 000 Euro monatliche Ausgaben hat. Vor allem die horrenden Mieten für seine vier (!) Ateliers sind der Grund dafür. Hinzu kommen Personal- und Materialkosten. Summen, die Schwarzer wiederholt in extreme wirtschaftliche Nöte bringen. Martens besucht ihn in seiner Wohnung, in der ihm kürzlich der Strom abgestellt wurde. Mietrückstände führen kurz darauf zur Zwangsräumung. Und die riesigen Ateliers, in denen Schwarzer bisweilen übernachtet, gleichen eher labyrinthartigen, heillos überfüllten Lagerhallen voller Bilder, Leinwände, Kisten, Eimer, Farben und Werkzeugen aller Art.

Darin liegt eine der größten Stärken der Doku: Sie thematisiert die Unsicherheiten und die prekären Lebensverhältnisse, die den Alltag vieler Künstler prägen. Zudem hinterfragt Martens die Mechanismen des (hochspekulativen) Kunstmarkts kritisch und befasst sich mit der Frage, wie die am Markt gehandelten, intransparenten Preise zu Stande kommen. Die Spekulations- und Preispolitik der Branche sei „abstoßend und krank“, fasst es die Kunstjournalistin Linde Rohr-Bongard treffsicher zusammen.

 

Björn Schneider

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