Steckerlfischfiasko

Er ist wieder da: Kult-Cop Eberhofer erlebt seinen zehnten Einsatz auf der Leinwand. Damit schreibt das Ensemble deutsche Filmgeschichte. Zehn Filme mit stets derselben Besetzung gab es noch nie. Die bisherigen Rekordhalter „Winnetou“ und „Edgar Wallace“ brachten es lediglich auf neun Streiche mit dem gleichen Cast. Diesmal gilt es, einen Mord im Golfclub sowie die Fehde zweier Clans aufzuklären. Zwischen „Romeo und Julia“ in Niederbayern sorgt Susi für Frauenpower als Bürgermeisterkandidatin. Sohn Paul erteilt Papa Franz und Onkel Leopold Lektionen in Sensibilität und Gender-Coolness. Derweil Birkenberger und Flötzinger mit neuem Outfit überraschen. Ansonsten bleibt alles beim Alten: situationskomisch, dialogstark und lässig wie gewohnt. Dazu verspielte Wendungen mit üblicher Unangestrengtheit. Sowie ein Ensemble in bester Jubiläumslaune. „O’zapft is!“

 

Über den Film

Originaltitel

Steckerlfischfiasko

Deutscher Titel

Steckerlfischfiasko

Produktionsland

DEU

Filmdauer

99 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Kerstin Schmidbauer

Regisseur

Ed Herzog

Verleih

Constantin Film Vertriebs GmbH

Starttermin

13.08.2026

 

„Wer klingelt, macht sich von Haus aus verdächtig!“, weiß Kiffer-Papa Eberhofer (Eisi Gulp). Mit  ausgebleichtem Che Guevara-T-Shirt ausgestattet und wild fluchend verscheucht der Alt-Hippie die verschreckte Besucherin an der Haustür. Wenig später wird er der jungen Dame hinterherrennen und sie herzallerliebst um Verzeihung bitten. Nachtragend sind die Eingeborenen von Niederkaltenkirchen schließlich nie. Zumindest nicht sehr lange. Selbst Susi (Lisa Maria Potthoff), die smarte Partnerin von Franz (Sebastian Bezzel), ist ihrem Dorfpolizisten selten lange böse. Sie hat sowieso stets das letzte Wort. Das gilt auch für ihren schmierigen Chef, den Bürgermeister, dem sie diesmal das Amt streitig machen möchte. „Der Bernie burnt!“, reimt der Amtsinhaber auf seinen Wahlplakaten. Gegen solch ranzige PR-Poesie des alten weißen Mannes hat Susis pinkgefärbte Frauenpower freilich ziemlich leichtes Spiel.

 

„Der Franz burnt!“ wird nie jemand über den Dorf-Sheriff behaupten. Für ihn lag schon immer die Kraft in der Ruhe. „Ich habe leider einen Toten im Golfclub!“, bügelt er die Bitte seiner Lebensgefährtin um Wahlkampfunterstützung lässig ab. Bei der Leiche in der Sauna des neuen Schickimicki-Vereins handelt es sich um den selbst ernannten Steckerlfischkönig. Dass dessen Familie mit der Rummelplatz-Konkurrenz, dem Dottinger-Clan, chronisch im Clinch liegt, sorgt schnell für die üblichen Verdächtigen. Die schrecklich nette Familie Dottinger freilich weiß, wie man dutzendfach wasserdichte Alibis erstellt. Höchste Eisenbahn, dass Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) seinem besten Kumpel Franz wieder einmal tatkräftig unter die Ermittlerarme greift. „Golfing is Killing“, lautet sein erster Befund.

 

„Nie mit zu wenig Fett kochen!“, weiß die weise Oma (Enzi Fuchs). Wegen eines Kuraufenthalts fällt ihre Rolle diesmal etwas kleiner aus. Dafür kommt Enkel Paul nun ganz groß ins Rampenlicht. Papa Franz und Onkel Leopold erteilt er Lektionen in Ökologie und Gender-Coolness. „Unterscheidest du noch immer zwischen männlich und weiblich?“, heißt nun die große Frage. Für seine homophoben Sprüche bekommt der Dorfpöbel umgehend die Quittung vom Hippie-Opa. Derweil die traditionelle Kreisverkehr-Pointe beim zehnten Streich dem Eberhofer-Nachwuchs vorbehalten bleibt.

 

Ein von Susi minimal überklebtes Wahlplakat kommentiert der rechthaberische Bürgermeister mit: „Bei mir zählt jeder Zentimeter!“ – „Das glaub ich sofort!“, lässt als spöttische Retourkutsche nicht lange auf sich warten. Wie gewohnt ist dem Ensemble das Vergnügen an diesen schrulligen Figuren und deren schrägen Dialogen spürbar anzumerken. Mit sichtlichem Spaß spielen sich Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Enzi Fuchs und Gerhard Wittmann die Pointenbälle zu.

Einmal mehr überzeugt Regisseur Ed Herzog in seinem zehnten Eberhofer-Streich durch gekonntes Timing samt grotesker Situationskomik. Flaschner-Flötzinger mit seiner Fellini-Brille hat diesmal nur kurze Auftritte. Dafür gibt es andere Überraschungen. Einen Ermittler als tanzender Baum. Einen Opa im rosa Tutu. Sowie sehr seltsame Untermieter beim Rudi. Wenngleich auf Leberkäse-Einlagen überraschend verzichtet wird, gerät dieser „Steckerlfisch“ zum komödiantisch köstlichen Festmahl, nicht nur für Eberhoferianer und Eberhoferianerinnen. Sondern jetzt auch für Paulaner!

 

Dieter Oßwald

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