Swinger Club

Die Einladung zum Hochzeitstag entpuppt sich zur kollektiven Suche nach der Wahrheit. Ein wohlanständiger Freundeskreis muss feststellen, dass seine amourösen Verwicklungen einem „Swinger Club“ gleichen. Das filmische Experiment von Regiedebütant Jan Georg Schütte, das eine Geschichte mit wenig Vorgaben und viel Spontanität erzählt, macht neugierig, hält jedoch nicht, was es zu versprechen vermag.

Webseite: www.swingerclub-film.de

Deutschland 2005
Regie: Jan Georg Schütte
Darsteller: Marie Bäumer, Oliver Sauer, Stephan Schad, Ole Schlosshauer, Juri Schrader, Anne Weber, Susanne Wolff, Bettina Feddersen, Julie Marie Engelhorn
92 Minuten
Verleih: Ventura Film
Start: 21.09.2006

AUSZEICHNUNGEN:

Besondere Auszeichnung des 2. Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen für "seine chorale Struktur, für das bestechende Zusammenspiel des gesamten Ensembles und für die Leichtigkeit, mit der er die modernen Lebenslügen entlarvt, ohne moralisierend zu sein."

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der offizielle Anlass der Einladung schien erfreulich, denn Albert und Birgit hatten ihren fünften Hochzeitstag zu feiern. Drum machten sich ihre drei engsten Freunde auf in die schleswig-holsteinische Marsch und ahnten nicht, was ihnen blühte. Die ländliche Idylle, in der die Mittdreißiger ihr Dasein fristeten, war ein Trugbild des Glücks. Ebenso wie die Gemeinschaft selbst, die sich hier traf. Denn was als gesellige Runde bei gemeinsamer Vorspeise beginnt, entpuppt sich bereits beim Hauptgang als ausgemachtes Desaster.

In der unausweichlichen Nähe Dritter, stellt Albert seine Frau einmal mehr zur Rede. Der Untreue bezichtigt, soll sie sich vor versammelter Gesellschaft erklären. Doch auf der gemeinsamen Suche nach der Wahrheit, kommen ungeahnte amouröse Verwicklungen zum Vorschein und das anfängliche Gespräch über die moralische Rechtfertigung eines Besuches im Swinger Club, scheinen die Gruppe schnell einzuholen.

Eineinhalb Jahre später treffen sich die „Freunde“ – teils mit neuem Anhang – wieder. Diesmal ist eine neue Hochzeit der „freudige“ Anlass des Wiedersehens, doch auch diesmal gerät die mühevoll erlogene Scheinwelt allzu schnell aus den Fugen. Alte wie neue Verwicklungen geraten ans Tageslicht und bald wird klar, dass die Vorstellung von Liebe, Treue, Glück und Harmonie eine nicht zu verwirklichende Vision bleibt.

Schauspieler und Regisseur Jan Georg Schütte lud im Sommer des vergangenen Jahres ein kleines Schauspielerensemble in sein Haus nach Schleswig-Holstein. Mit minimalen Vorgaben und ebenso minimalem Aufwand, sollte an nur zwei Tagen ein filmisches Experiment gelingen. Die sieben Akteure erhielten, neben der gemeinsamen Kenntnis einer Grundgeschichte, einen individuellen Background und eine gewisse Zielvorgabe. Mehr nicht! Jeder Dialog und jede einzelne Interaktion entstand hierüber hinaus spontan – ohne Unterbrechung, ohne Wiederholung.

Das Ergebnis ist ein Kammerstück, das vor Authentizität nur so knistert. Dabei ist es nicht vorrangig die transportierte Geschichte, sondern vielmehr der Transport an sich, der den Zuschauer zu fesseln versteht. Es ist das positive Chaos, das den Film in seinen Bahnen lenkt und immer wieder ausbrechen lässt. Gedankt sei dies einer Darstellerriege, die an dieser Vorgehensweise nicht scheitert, bzw. die durch ihr gemeinsames Wirken ausreichend Material erspielen konnte, um einen Kinofilm zu füllen.

Den rühmlichen Aspekt eines innovativen Filmprojekts außen vor gelassen, welcher für sich zwar neugierig macht, aber den geneigten Cineasten nicht zwangsläufig 92 Minuten lang gebannt in den Kinosessel drückt, penetriert „Swinger Club“ durch seine teilweise laienhaft wirkende Umsetzung. Was bei vergleichbaren Digitalfilmprojekten nicht unbedingt stört, da die ausgeklügelte Handlung hier im Vordergrund steht, wird dem „Swinger Club“ ein ums andere Mal zum Verhängnis. Es bedarf schon einer gewissen Toleranz, die mitunter defizitäre Umsetzung als nebensächlich abzutun und sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen. Schließlich sieht das Auge mit. Und auch die Ohren bleiben nicht verschont, denn die musikalische Untermalung gerät durch schlechtes Timing immer wieder allzu sehr in den Vordergrund.

Gary Rohweder