Teenage Sex and Death at Camp Miasma

Horrorfilme, in denen Jugendliche maskierten Killern auf möglichst blutige Weise zum Opfer fallen, gibt es genug. Nur wenige sind allerdings so abgedreht und clever wie Jane Schoenbruns jüngste Regiearbeit „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“, die das Slasher-Kino der 1980er-Jahre gleichermaßen feiern und hinterfragen will. Ein kreativer, mit Scharfsinn und Detailliebe gemachter Schlitzer-Streifen, der, lässt man sich auf seine wilden Ideen ein, eine eigentümliche Anziehungskraft entfaltet.

 

Über den Film

Originaltitel

Teenage Sex and Death at Camp Miasma

Deutscher Titel

Teenage Sex and Death at Camp Miasma

Produktionsland

GBR, USA

Filmdauer

106 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Jeremy Kleiner, Dede Gardner

Regisseur

Jane Schoenbrun

Verleih

MUBI Deutschland GmbH

Starttermin

01.01.1970

 

Was, wenn man die queere Romanze aus dem gefeierten Historiendrama „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ in das bluttriefende „Freitag, der 13.“-Franchise versetzen würde? Welche Art Film käme dabei heraus? Die Antwort: Wohl so etwas wie „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“, sagt zumindest Jane Schoenbrun, der kreative Kopf hinter dem höchst eigenwilligen Slasher-Thriller-Projekt. Uraufgeführt im Mai 2026 bei den Filmfestspielen von Cannes, versetzte das von Brad Pitts Firma Plan B Entertainment produzierte Horrorexperiment die Kritiker in Verzückung. 

 

Im Zentrum der Handlung steht die queere Autorenfilmerin Kris (Hannah Einbinder), die die Studios mit einer unkonventionellen Arbeit, beschrieben als „Psycho“ aus der Perspektive des Duschvorhangs, auf sich aufmerksam machen konnte. Nun soll es aber, bitteschön, etwas klassischer zugehen. Immerhin erhält sie den Auftrag, die in die Jahre gekommene, nach billigen Fortsetzungsarbeiten versandete (fiktive!) Horrorreihe „Camp Miasma“ auf neue Füße zu stellen, ihr einen modernen Anstrich zu verpassen.

 

Kris weiß nur zu gut, dass sie vor allem deshalb engagiert wurde, um die transphoben Tendenzen des Franchise zu übertünchen. Nichtsdestotrotz geht sie die Aufgabe mit spürbarer Leidenschaft an. Kein Wunder, ist sie als junges Mädchen doch mit den ersten „Camp Miasma“-Teilen aufgewachsen. Ein Gefühl für den Hype um die in den 1980er-Jahren aus der Taufe gehobene Schlitzersaga und ihren Niedergang vermittelt Schoenbrun eindrucksvoll in der Titelsequenz von „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“: Zeitungskritiken, Bilder, Merchandise-Artikel und viele andere kleine Details über die fiktive Slasher-Reihe geraten kurz in den Blick. Schon hier zeigt sich echte Begeisterung für jenes Horror-Subgenre, das mit John Carpenters „Halloween – Die Nacht des Grauens“ im Jahr 1978 Fahrt aufnahm.

 

Besonders wichtig ist der Regisseurin Kris, für ihr Reboot Billy Presley (Gillian Anderson) zu gewinnen, die im „Camp Miasma“-Auftakt das final girl verkörperte und sich anschließend überraschend aus dem Geschäft zurückzog. Pikanterweise lebt die Schauspielerin inzwischen am damaligen Drehort, einem längst verlassenen Ferienlager. Kris stattet der von Anderson herrlich exzentrisch interpretierten Ex-Mimin einen Besuch ab und gerät schnell in ihren Bann. Selbst intimste Geheimnisse, etwa ihr generelles Unbehagen beim Sex, offenbart sie ihrer Gastgeberin, die durchaus geneigt scheint, noch einmal ins Rampenlicht zu treten. Sehnsüchte, Begierden und das mörderische Treiben des „Little Death“ (verweist auf ein gleichlautendes Synonym für den Orgasmus) genannten Killers aus dem „Camp Miasma“-Franchise verschwimmen in der Einsamkeit mehr und mehr.

 

Das Spannende an „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist: Einerseits versteht sich der Film als Hommage an das rohe, nicht selten reaktionäre Slasher-Schaffen der 1980er-Jahre. Andererseits sollen dessen fragwürdige Konventionen kritisch beleuchtet werden. Immer wieder tauchen wir in das „Camp Miasma“-Franchise ein, das einen starken Retro-Vibe versprüht und betont überzeichnet inszeniert ist. Der Mörder trägt eine Art Lüftungsschacht als Maske auf dem Kopf. Und wenn er mit seinem Speer zu Werke geht, spritzt das Blut auf gewollt künstliche Weise durch die Luft. Gleichzeitig seziert Jane Schoenbrun, selbst eine nonbinäre Person, die Trans- und Queerfeindlichkeit des Slasher-Kinos. Während sich Wes Cravens einflussreicher „Scream“ auf ironische Scherze und Brechungen von Drehbuchregeln beschränkte, geht es hier deutlich tiefer, sozusagen an den Kern des Subgenres.

 

Was akademisch klingen mag, bekommt in „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ eine sinnlich-unterhaltsame Note. Nicht umsonst stellt Schoenbrun der verkopften, ihr Projekt zu sehr mit dem Intellekt angehenden Kris die verführerische Billy gegenüber. Je mehr Zeit die Regisseurin mit der in Vergessenheit geratenen Darstellerin verbringt, umso leichter fällt es ihr, aus ihrem (sexuellen) Schneckenhaus herauszukommen. In der ersten Hälfte gibt es etwas Leerlauf. Das rettungslose Kippen ins Surreale ab der Mitte dürfte nicht allen Zuschauern gefallen. Und doch bietet der Film auch für eher klassisch orientierte Genrefans genug Ansatzpunkte, um Spaß zu haben. Seien es liebevoll eingebaute Zitate oder eine Videokonferenz zwischen Kris und ihren Auftraggebern, die Hollywoods Scheinheiligkeit pointiert durch den Kakao zieht. Ganz nebenbei stellt Jane Schoenbrun auch die Frage, welche Wirkung Geschichten, Fiktionen auf uns haben, wie sie unsere Persönlichkeit, vor allem in jungen Jahren, beeinflussen können. Ein Thema, über das man nach der Sichtung wunderbar diskutieren kann.

 

Christopher Diekhaus

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