New York kann zu einer Hauptfigur eines Films werden. Woody Allen hat eine ganze Karriere darauf aufgebaut. Er fand das Bezaubernde in der Stadt, während Martin Scorsese auf den Moloch blickte, der Existenzen zu verschlingen drohte. „The Only Living Pickpocket in New York“ irgendwie beides und dann doch nichts davon. Eine Liebeserklärung an die Stadt, aber auch die Gescheiterten, die dort leben, verpackt in einer Geschichte, der der Esprit des Originellen fehlt, aber dafür einen starken John Turturro zu bieten hat.
Über den Film
Originaltitel
The Only Living Pickpocket in New York
Deutscher Titel
The Only Living Pickpocket in New York
Produktionsland
USA
Filmdauer
88 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Leopold Hughes, Katie McNeill, Ben LeClair
Regisseur
Noah Segan
Verleih
Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Starttermin
19.11.2026
Harry ist ein Taschendieb. Er klaut, er verkauft die Sachen bei seinem Hehler, er geht nach Hause, um dort für seine kranke Frau Rosie zu sorgen. Es ist der immer gleiche Ablauf, bis er einen jungen Mann bestiehlt, der das nicht auf sich sitzen lässt. Denn Harry hat sich mit einer Familie angelegt, die man nicht beklaut, und er hat etwas, das einen immensen Wert hat, weswegen sie nun hinter ihm her sind …
Wenn John Turturro durch New York läuft, dann spürt man durchaus die Liebe des Filmemachers zur Stadt. Aber es scheint auch eine Hassliebe zu sein, verdeutlicht doch schon der Song über die ersten Minuten des Films, wie man New York lieben und dennoch an der Stadt zerbrechen kann. So auch Harry, der Dieb, der seiner Tochter einmal sagte, dass ihre Familie fünf Generationen brauchte, um nach Manhattan zu kommen. Aber das ist lange her, jetzt lebt er auch in der Bronx, besteigt die U-Bahn und fährt klauend durch die Gegend. Turturro spielt das mitreißend, wie er das oft tut, insbesondere mit Figuren, die gebrochen sind. So auch Harry, der seine Tochter seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Weil er kein Vorzeigevater war.
Der Film lebt von einer gehörigen Portion Melancholie. Er ist ein Abgesang auf das Alte, und Harry ist die Personifizierung dessen. Denn er hat kein Handy, er lebt nicht in der Moderne, er ist ein Dinosaurier in einer Welt, die seinesgleichen längst hinter sich zurückgelassen hat. Vielleicht gilt das auch für den Film. Vielleicht giert er nach einer Zeit, als man noch kleine Dramen vor New Yorker Kulisse machen und damit groß herauskommen konnte. Dieser Film jedoch ist das nicht. Er ist gut, auch keine Minute langweilig, aber er bietet nichts, das man von Filmemachern wie Scorsese oder eben auch Allen nicht schon gesehen hätte, oft mit dem Gefühl verbunden, dass das, was sie damals zu sagen hatten, einfach prägnanter ist.
Wenn der Film von etwas lebt, dann von seinen Figuren, da Turturro mit einem tollen Ensemble umgeben ist. Steve Buscemi spielt den Hehler-Freund, Giancarlo Esposito den Polizisten, der ihn einst hopsgenommen hat, und Tatiana Maslany ist in einer Szene Harrys Tochter. Am Ende gibt es auch noch einen überraschenden Gastauftritt, und ein letztes Gespräch, bei dem alle wissen, was am Ende passieren wird. So auch der Zuschauer, der mit Harry zusammen vom Wasser aus auf die Skyline New Yorks blickt. Man kann es schlechter treffen, wenn das das Letzte ist, was man sieht.
Peter Osteried







