Ein Teilaspekt des syrischen Bürgerkriegs war die Lage der Kurden, die im Nordosten des Landes lebten, eine Minderheit, die um Autonomie kämpft. Besonders betroffen von bewaffneten Konflikten sind auch hier Frauen, drei von ihnen stehen im Mittelpunkt von Faek Falaks Dokumentarfilm „To My Sisters“, der eine in Deutschland kaum bekannte Facette des Nahen Osten beleuchtet.
Über den Film
Originaltitel
To my Sisters
Deutscher Titel
To my Sisters
Produktionsland
DEU
Filmdauer
40 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Faek Falak
Verleih
Cine Global, Daniel Ludwig
Starttermin
23.07.2026
2011 brach der syrische Bürgerkrieg aus, unterschiedliche Fraktionen kämpften gegen die Truppen des langjährigen Diktators Baschar Al-Assad, durch das Machtvakuum konnte auch der Islamische Staat IS aus dem Irak in den Konflikt im Nachbarland eingreifen. Ein Konfliktherd war der Nordosten des Landes, der Siedlungsraum der kurdischen Minderheit, die etwa 10% der syrischen Bevölkerung ausmacht.
Kurdische Einheiten kämpften um die Sicherheit und Autonomie in den kurdischen Gebieten, dabei entstand schon um 2013 die YPJ (Yekîneyên Parastina Jin) eine rein weibliche kurdische Miliz, die zwar zusammen mit männlichen Einheiten kämpft, dabei aber eigenständig organisiert ist.
Auch die junge Kurdin Haval Berxwedan, hat sich bewusst für den bewaffneten Widerstand entschieden, agiert als Kommandeurin der YPJ, und ist eine der drei Protagonistinnen in Faek Falaks Dokumentarfilm „To My Sisters.“ Ein Film, der unter anderen unter schwierigen Bedingungen in Nordsyrien gedreht wurde und unterschiedliche Facetten des Krieges in Syrien beleuchtet, vor allem aber der Rolle der Frauen.
Während Berxwedan im Kreis ihrer Kameradinnen zu sehen ist, bei militärischen Übungen mit Kalaschnikow und Panzerfaust, sind die Gespräche mit Sepan Ajo in einem Studio aufgezeichnet worden, die den Erzählungen eines schrecklichen Schicksals besondere Wucht verleihen. Denn Ajo stammt aus der Religionsgemeinschaft der Jesiden wurde als Kind verschleppt und war Jahrelang sexualisierter und systematischer Gewalt ausgesetzt. Sie wurde zwangsverheiratet, musste ihrem Mann quasi als Sklavin dienen und jeden Befehl ohne Zögern ausführen.
Schließlich die dritte Frau, die sich nur als Zakia vorstellt, im Gegensatz zu den beiden anderen Deutsch spricht, denn sie stammt aus Deutschland. Ein Studium der Medizintechnik brach sie ab, als sie heiratete, einen Mann aus Bosnien, der sich bald veränderte, so erzählt es Zakia, sich radikalisierte, zum Terroristen wurde. Zakia folgte ihm, schloss sich für einige Zeit dem IS an, weswegen sie heute nicht mehr nach Deutschland zurückkehren kann
Bei all den Konflikten und Kriegen, die zu jedem Zeitpunkt toben, geraten manche unweigerlich in Vergessenheit, zumindest in der westlichen Öffentlichkeit. Von den Kurden werden die meisten schon gehört haben, von ihrer Unterdrückung in der Türkei, ihrem langjährigen Ziel, einen eigenen Staat zu bekommen, irgendwo in ihrem Siedlungsgebiet zwischen den drei Staaten Türkei, Syrien und Irak. Viel mehr dürfte der Durchschnittsdeutsche kaum über das Schicksal der Kurden wissen, Grund genug, um sich Faek Falaks Dokumentarfilm „To My Sisters“ anzuschauen, der mit sporadisch eingefügten Texttafeln Hintergründe andeutet, sich ansonsten aber zurückhält. Kein Kommentar ordnet das Gezeigte ein, die drei Frauen, ihre Aussagen, ihre Schicksale stehen für sich und erzählen so über die nicht nur hier, nicht nur in der Extremsituation eines Bürgerkriegs besonders schwierige Rolle der Frauen.
Ein sehenswerter Dokumentarfilm, der den Blick auf einen Aspekt einer in Deutschland viel zu wenig bekannten Region lenkt und dies vor allem auf stilistisch und erzählerisch angenehm zurückhaltende Weise tut.
Michael Meyns







