Einmal mehr geht unter den Spielzeugen im Kinderzimmer die Angst um. Die Angst davor, ausgetauscht zu werden. Der neue Teil der unglaublich erfolgreichen und bislang erstaunlich konstant auf hohem Niveau spielenden „Toy Story“-Reihe ist dabei voll am Puls der Zeit. Steht nun doch der Siegeszug der digitalen Geräte im Mittelpunkt. Wunderbare Animationsbilder und eine den Wert von echter Freundschaft feiernde Geschichte sorgen für eine kurzweilige Sause. Verglichen mit dem direkten Vorgänger fällt „Toy Story 5“ aber etwas weniger gewitzt und filigran aus.
Über den Film
Originaltitel
Toy Story 5
Deutscher Titel
Toy Story 5
Produktionsland
USA
Filmdauer
102 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Lindsey Collins
Regisseur
Andrew Stanton
Verleih
The Walt Disney Company (Germany) GmbH
Starttermin
23.07.2026
„Toy Story“ aus dem Jahr 1995 ist zweifelsohne ein moderner Klassiker. Als erster komplett am Computer animierter abendfüllender Kinofilm setzte Pixars Abenteuerspaß rund um den Spielzeugcowboy Woody und seine Freunde Maßstäbe. Noch verblüffender als die Wirkmacht des Ursprungsteils ist allerdings die anhaltend starke Qualität der aus ihm entsprungenen Leinwandreihe. Selten hat man ein Franchise gesehen, dessen Nachfolgekapitel das Niveau des Auftakts mehr oder weniger halten konnten. Oft ist spätestens bei der zweiten Fortsetzung die Luft raus. In diesem Fall allerdings nicht.
Auch der vierte Beitrag „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“, der 2019 das Licht der Welt erblickte, schickte bekannte und einige neue Figuren auf eine vor witzigen Ideen nur so sprühende, gleichzeitig hochemotionale Erkenntnisreise. Sieben Jahre später kehrt die Saga mit ihrem fünften Film zurück – und trägt dabei vor allem dem Siegeszug der digitalen Technik Rechnung. Auch in Kinderzimmern gibt es inzwischen viele Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, Künstliche Intelligenz nutzen, um bestmöglich auf die Bedürfnisse des Nachwuchses reagieren zu können. Eine Entwicklung, die, sofern ungesteuert, nicht nur Pädagogen Sorgenfalten auf die Stirn treibt. „Toy Story 5“ bringt sich in den Diskurs mit ein und möchte aufzeigen, wie wichtig echte Interaktion, echter freundschaftlicher Austausch sind.
Der Ausgangspunkt ist ähnlich wie in den meisten vorangegangenen Teilen: Unter den Spielzeugen geht die Angst davor um, ausgetauscht zu werden. Dieses Mal ist es keine andere Puppe oder kein anderes Kuscheltier, das die Dynamik im Kinderzimmer bedroht, sondern das froschförmige Tablet Lilypad. Die Eltern der achtjährigen Bonnie schenken es ihrer Tochter nach anfänglichem Zögern, da die Kleine massive Schwierigkeiten hat, Freunde zu finden. Bei einer Übernachtungsparty wird sie ausgelacht, weil sie noch immer gerne analog spielt. Mit dem Auftauchen von Lilypad sind ihre treuen, lebendigen Spielfiguren rund um die Ordnungshüterin Jessie und den Astronauten Buzz Lightyear urplötzlich außen vor, was vor allem Erstere ändern will. Noch dazu erkennt sie, dass Bonnie die neue Online- und Appfixierung gar nicht guttut.
Jessie möchte helfen, wendet sich dazu an den inzwischen mit Außeneinsätzen beschäftigten Ex-Sheriff Woody und landet durch einen Zufall an der Adresse ihrer einstigen Besitzerin Emily. Dort wohnt freilich längst ein anderes Mädchen, das offenbar Bonnies Kreativität teilt. Unterdessen folgt ein Trupp von Buzz-Lightyear-Actionfiguren, der nach einem Containerunfall auf einer einsamen Insel gestrandet ist, der eigenen Programmierung gemäß dem Polarstern.
Die wichtigste Änderung in „Toy Story 5“ betrifft die Frage, wessen Perspektive dominiert. Anders als früher rückt Jessie in den Mittelpunkt. Sie ist die treibende Kraft und erhält eine anfangs kurz angerissene, später wieder aufgegriffene Backstory. Woody, der bislang der Fixpunkt war, taucht im neuen Film hingegen deutlich seltener auf. Kein schlechter Ansatz, wenn man verhindern will, dass eine Reihe in Wiederholungen erstarrt.
Dass die Macher um Regisseur Andrew Stanton (Ko-Regie: Kenna Harris) die Omnipräsenz digitaler Hilfsmittel und Angebote, auch und gerade bei Kindern, kritisch beleuchten wollen, ist lobenswert. Allerdings geht die Animationskomödie dabei etwas grobschlächtig vor. Statt Argumente sauber auszuformulieren, begnügt sich das Drehbuch meistens mit Schlagworten und Vereinfachungen. Lilypad ist eine Zeitlang eine Art Antagonistin für Jessie und Co, will sie aus Bonnies Leben ausschließen. Etwas abrupt setzt bei dem Tablet irgendwann aber ein Umdenken ein. Schade ist zudem, dass „Toy Story 5“ die Verantwortung der Eltern völlig ausklammert. Technische Geräte zum Lernen und Spielen sind schließlich nicht per se schlecht. Stattdessen kommt es darauf an, wie man sie nutzt. Ein Punkt, bei dem eigentlich die Erziehungsberechtigten gefragt sind.
Obwohl der Film Jessies Entwicklung emotional auflädt, berührt er nicht so sehr wie „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“. Passend dazu bleibt auch der Witz hinter dem letzten Reihenbeitrag zurück. Komische Momente gibt es natürlich erneut. Die Gags im Vorgänger saßen jedoch etwas besser und tauchten in höherer Schlagzahl auf. Leichte kreative Ermüdungserscheinungen sind also auszumachen. Andererseits ist das alles wahrscheinlich Jammern auf hohem Niveau. Denn kurzweilig unterhält das fünfte Kapitel durchaus. Den Atem rauben einem, wieder einmal, besonders die animierten Bilder. Kleinste Feinheiten wie Verschleißspuren an den Spielzeugen sind derart liebevoll gestaltet, dass es eine pure Freude ist. Optisch gehört „Toy Story 5“ ganz klar in die erste Liga.
Christopher Diekhaus







