Übergang

Vor gut zwei Jahren starb mit Thomas Heise einer der großen deutschen Dokumentarfilmregisseure, der bis kurz vor seinem Tod an einem letzten Film arbeitete. „Übergang“ entstand rund um den Berliner U-Bahnhof Schönhauser Allee, wo Heise seit Jahrzehnten lebte und arbeitete und so ist dieser Film, den seine beiden Mitarbeiter und Freunde Peter Badel und Chris Wright im Sinne Heises vollendeten, gleichermaßen Autobiographie und Vermächtnis, Porträt und Hommage, ein Blick auf ein vielschichtiges Leben und filmisches Schaffen.

 

Über den Film

Originaltitel

Übergang

Deutscher Titel

Übergang

Produktionsland

DEU

Filmdauer

120 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Heino Deckert

Regisseur

Peter Badel

Verleih

GMfilms Michael Höfner

Starttermin

05.08.2026

 

1955 im damaligen Ost-Berlin geboren, begann Thomas Heise Ende der 70er Jahre Film zu studieren, brach das Studium jedoch ab, vermutlich wäre ihm ein Abschluss ohnehin unmöglich gemacht worden, zu kritisch waren Heises damalige Filme schon. Eine Haltung, die sich auch nach der Wende im dann wiedervereinten Deutschland fortsetzte, gleich einer der ersten dort entstandenen Filme, „Stau – Jetzt geht’s los“ entwickelte sich zum Skandal, allzu verständnisvoll wirkten auf manche die Beobachtung von rechtsextremen Jugendlichen in Halle-Neustadt.

Noch zwei weitere Filme entstanden in Halle, immer wieder drehte Heise aber auch in Berlin, am Bahnhof Lichtenberg oder eben im Prenzlauer Berg, rund um seinen Wohnort in der Nähe des U-Bahnhofs Schönhauser Allee, einst typisches Ost-Berlin, inzwischen längst durchgentrifiziert und Symbol der Verdrängung.

Mit zunehmendem Alter hatte Heise begonnen, auch sein eigenes Leben Teil seiner Filme werden lassen, besonders eindrucksvoll in seinem letzten selbst vollendeten Film „Heimat ist ein Raum aus Zeit“, eine dreieinhalbstündige Meditation über Herkunft, die deutsche Geschichte im Laufe der Zeit, Weltkriege, Holocaust, die Teilung der deutschen Staaten.

So breit und ausufernd dieser Film wirkte, so intim, zumindest im unmittelbaren Schauplatz, sollte offenbar das Folgewerk „Übergang“ werden. Eine plötzliche Krebserkrankung, die schließlich im Mai 2024 zu Heises Tod führte, verhinderte, das Heise selbst den Film vollenden konnte, seine langjährigen Freunde und Mitarbeiter, der Kameramann Peter Badel und der Cutter Chris Wright, übernahmen es nun, den Film zu vollenden, im Sinne Heises, aber doch auch eigene Weise.

Entstanden ist dadurch ein vielschichtiger Film, gleichermaßen Autobiographie und Biographie, Porträt eines Menschen und eines Ortes, Rückblick auf eine lange Karriere und Zustandsbeschreibung einer unsicheren Gegenwart.

Die Heise, so hat er es in einem der letzten Interviews, die er gab, beschrieben, auf unschöne Weise an das Leben in der DDR erinnert. Anlass war der sogenannte „Antisemitismusskandal“ der Berlinale, als etliche Preisträger die Bühne nutzten, um sich politisch zu äußern, Unterstützung der Palästinenser kundzutun, manchmal auch harsche Kritik an Israel zu üben. Was die Berliner Politik dazu veranlasste zu fordern, dass so etwas doch bitte nicht wieder passieren dürfte, notfalls müsste man eben unliebsame Äußerungen verbieten. Was Heise verständlicherweise an Zustände denken ließ, die er aus der DDR kannte, die im demokratischen Deutschland eigentlich Teil der Vergangenheit sein sollten.

Doch so einfach ist es nicht, dass schwierige Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten wird seit Jahren kontrovers diskutiert und zieht sich auch als einer der roten Fäden durch „Übergang“, ohne das dies allzu didaktisch in den Mittelpunkt gestellt wird. Ganz im Sinne des zurückhaltenden Beobachter Thomas Heise, der in klassisch dokumentarischer Manier stets lieber zeigte, als zu erklären, entziehen sich auch Peter Badel und Chris Wright einer Wertung, sondern lassen die Bilder, die Ausschnitte aus Heises Leben und Schaffen für sich sprechen. Eine Hommage an einen bedeutenden Filmemacher ist „Übergang“ so geworden, das Porträt eines kritischen Geistes, dessen Blick auf die deutsche Gesellschaft fehlen wird.

 

 

Michael Meyns

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